09.02.2020 14:00 |

Zurückhaltung in Tirol

Diskussion um mögliche Auflösung von Pfarren

Tirol hat rund 350 Pfarren, aber immer weniger Priester für die Betreuung. Ein Dilemma, vor dem alle Diözesen stehen. In Oberösterreich möchte der ehemalige Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer neue Wege beschreiten. Die Zahl der Pfarren soll reduziert werden. In Tirol versucht man diesen Schritt zu vermeiden. Ausgerechnet mit einer Idee aus Scheuers Amtszeit.

Die Diözese Linz besteht aus 487 Pfarren. In Zukunft könnten es nur mehr 40 sein. So zumindest lautet der Plan, für dessen Umsetzung Bischof Manfred Scheuer von den Delegierten beim jüngsten Diözesanforum den Auftrag erhielt. Die bisherigen Pfarren soll zwar auch künftig in Form von Pfarrgemeinden als selbstständige Einheiten weiter bestehen, aber die Gesamtleitung soll auf einer übergeordneten Ebene – besagten 40 Pfarren – stattfinden. Der Vatikan wurde über das Vorhaben bereits informiert, im Frühling wird die endgültige Entscheidung Scheuers erwartet. Einfach ist der Weg dieser Strukturreform nicht. „Die Arbeit war manchmal mit Dynamik und Freude verbunden, manchmal vielleicht aber auch schwer und mit Überwindung und Ärger verknüpft“, gibt Bischof Scheuer zu. Pfarren auflösen – das hört das Kirchenvolk nicht gerne. Er habe den Zukunftsweg allerdings als Spur der Hoffnung erfahren, ergänzt Scheuer: „Im Unterschied zur Resignation, zur bloßen Defensive.“

Ziel: 75 Seelsorgeräume
Kann der Linzer Weg auch für Tirol zielführend sein? Er könnte! Rund 350 Pfarren gibt es im Land, die meisten (289) in der Diözese Innsbruck. Dort wurde in Scheuers Amtszeit jedoch ein anderer Pfad beschritten. Sogenannte Seelsorgeräume werden gebildet. „66 sind es bereits. Das Ziel liegt bei 75“, gibt Harald Fleißner, Leiter des Seelsorgeamtes, Auskunft. Drei bis acht Pfarren arbeiten in einem Seelsorgeraum zusammen. „Dazu verpflichten sie sich. Die Pfarren bleiben aber selbstständig“, verweist der Seelsorgeamtsleiter auf die Struktur. Die Selbstständigkeit der Pfarren ist im Tiroler Modell deutlich stärker verankert. Das erschwert Entscheidungen und die Umsetzung von Reformen.

Auflösung kein Tabu
Die Alternative wäre das Auflösen von Pfarren. Ein Reizthema. Das weiß Bischof Hermann Glettler. Zwar hat auch er vor einem Jahr gemeint, dass die Auflösung einzelner Pfarren kein Tabu sein dürfe, aber er betonte gleichzeitig, dass die Erhaltung das Ziel sei. Am Beispiel Innsbruck mit rund 25 Pfarren zeigt sich deutlich, dass dies schwer sein wird, wenn die Zahl der Priester weiter sinkt und in der Sonntagsmesse immer weniger Gläubige sitzen.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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