27.02.2020 08:15 |

Top-Städtereiseziel

Legendäre Gastfreundschaft in Istanbul genießen

Weltbekannte Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia, die Blaue Moschee oder der Topkapi-Palast, eine großartige Kulinarik und die legendäre türkische Gastfreundschaft machen Istanbul zu einem Top-Städtereiseziel.

Istanbul ist eine trendige Metropole mit etwa 20 Millionen Einwohnern. Sie liegt – auch das ist einmalig – auf zwei Kontinenten, der Bosporus trennt Europa von Asien und verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmarameer. Immer, wenn ich dort bin, ist meine Begeisterung groß. Riesengroß. Trotzdem, ich gestehe es fast reumütig, ist Istanbul in den letzten Jahren ein wenig von meiner touristischen Landkarte ins Aus gerutscht. Nun, was soll ich sagen, die Politik ist schuld daran, aber es ist an vielen Plätzen dieser Welt nicht immer alles so, dass man restlos einverstanden sein kann. Nun gut, langer Rede, kurzer Sinn – Istanbul ist durch seine geografische Lage ein ideales Drehkreuz, und Turkish Airlines bietet viele Ziele (in 126 Ländern), zum Beispiel auch in Afrika. Ein Stopover ist fast ein Muss. Wer sechs Stunden (bis 24 h) Zeit für den Anschlussflug hat, dem offeriert die Fluglinie eine kostenlose Stadtführung nach Wahl. Aber was sind sechs Stunden, wenn man ohne großen Aufwand auch länger bleiben kann? Gesagt, getan.

Auf dem Rückflug von Johannesburg nach einer großartigen Safari folgt einmal eine morgendliche Bootsfahrt auf dem Bosporus, vorbei an den prachtvollen Palästen und schönen alten Holzvillen, die einen unvergesslichen Eindruck von der wasserumspülten Metropole geben. Ein opulentes Frühstück bei der Rumelischen Festung ist ein wahrlich guter Einstieg für einen Istanbul-Aufenthalt, bevor wir im noblen Pera Palace unsere Zimmer beziehen. Das Hotel wurde 1892 erbaut, um Gäste zu beherbergen, die mit dem Orient-Express in Konstantinopel ankamen. So zum Beispiel Agatha Christie, die hier in Zimmer 411 „Mord im Orient-Express“ schrieb, aber auch Alfred Hitchcock oder Ernest Hemingway waren da, Kemal Atatürk ist sogar ein eigenes kleines Museum gewidmet. Das Pera Palas ist voller Geschichte und Nostalgie, jeden Nachmittag ab 15 Uhr wird in der Kubbeli Lounge Tee nach englischer Art mit einer Selektion von Sandwiches und Kuchen gereicht, während Ilham Gencer (geb. 1926!) die Gäste formvollendet am Klavier unterhält. Wem das luxuriöse Hotel doch zu teuer sein sollte, dem kann man einen Besuch der Teatime oder in der Bar empfehlen.

Nur wenige Schritte Fußmarsch entfernt, finden wir Istanbul1924, ein hervorragendes Restaurant mit interessanter Geschichte, eine Institution sozusagen, die uns Sashah Anton Khan in Deutsch (!) ebenso wie die Speisekarte erklärt. Der historische Rahmen ist nicht zufällig, denn russische Adelige, die vor den Bolschewiken flüchteten, servierten hier einst illustren Gästen, zu denen auch Kemal Atatürk, der „Türkenvater“, Begründer der Republik Türkei und von 1923 bis 1938 erster Präsident der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen modernen Republik, zählte. An ihn erinnert ein freier Tisch im vorderen Teil des Speisesaals. Bei der Zeitreise besonders zu empfehlen ist übrigens das Bœuf Stroganoff.

Anderentags treffen wir Hakan Yucel, unseren deutschsprachigen Reiseführer. Auf dem Programm steht erst einmal die Hagia Sophia. Das war mein Wunsch, denn obwohl ich kein Istanbul-Neuling bin, hatte sich eine Besichtigung noch nie ergeben, eine Premiere sozusagen. Kaiser Justinianus begann im 6. Jahrhundert nach Chr. mit dem Bau. Das mehr als 1400 Jahre alte Monument war einst Kirche, dann 500 Jahre Moschee und seit 1935 Museum. Weithin sichtbar thront die Hagia Sophia, was so viel wie „Kirche der Weisheit“ bedeutet, über der faszinierenden Altstadt, die in ihrer Gesamtheit zum UNESCO-Welterbe zählt, und ist ein Symbol religiöser Toleranz. Ein Besuch lohnt sich unbedingt! Ums Eck zeigt uns Hakan die Cafer Aga Medresesi, eine ehemalige Schule, die 1559 von Mimar Sinan auf Befehl von Cafer Aga während der Regierungszeit von Sultan Süleyman dem Prächtigen erbaut wurde. Hier trinken wir einmal Sahlep, genau richtig zum Aufwärmen, mit Zimt obendrauf, und kaufen hübsche Teetassen, handbemalt, in den Kunst-Kursen, die hier angeboten werden.

Unser Rundgang führt uns in das Viertel Balat mit schönen alten Häusern, von denen manche ein wenig einsturzgefährdet wirken. Leider nicht rechtzeitig renoviert, meint Hakan, um zum UNESCO-Welterbe zu werden, das hat man verabsäumt, aber trotzdem ist die Gegend hip geworden, seit das Quartier im Herzen der Stadt als Kulisse für die TV-Serie „Çukur“ dient. In einem hübschen Lokal – Forno – kosten wir einmal Pide und trinken Tee. Pide ist ein köstliches Fladenbrot. Gut, das schmeckt ausgezeichnet, genauso wie Lahmacun, sehr dünnes Fladenbrot, ähnlich einer ganz dünnen Pizza, mit Faschiertem; obendrauf wird reichlich frische Petersilie gestreut, und dann faltet man sie zusammen und beißt genüsslich hinein.

Wir laufen ein bisschen, besuchen die Georgskathedrale im Phanar, die Sitz des Patriarchen, derzeit Bartholomäus I., ist. Ein Blick lohnt sich, es ist wie das Eintauchen in eine andere Welt. Nun ist die Zeit für den Ägyptischen Basar gekommen. Hier gibt es Gewürze - darum auch Gewürzbasar genannt - Rosenöl, getrocknete Datteln und Feigen von erster Güte, Kaffee, herrliche Teemischungen usw. Wir kosten Türkischen Honig in verschiedenen Variationen, die Verführung ist groß, auch für die Lieben daheim etwas einzukaufen. Die Galata-Brücke ist nicht weit - das ist eine gute Stelle, um die Dreiteilung der Stadt zu begreifen: Der Bosporus Richtung Osten trennt das europäische vom asiatischen Istanbul, und das Goldene Horn trennt die beiden europäischen Stadtteile.

Auf der Eminönü-Seite wird auf osmanisch gestylten Barkassen köstlich duftender Bratfisch in Fladenbrot angeboten. Acht Fahrspuren, zwei Geschosse, die Brücke an sich ist schon eine eigene Welt: Während oben der Verkehr tost und Männer ihre Angeln auslegen, Maiskolben und Maroni angeboten werden, herrscht unten eine ganze andere Atmosphäre – es reiht sich ein Fischlokal an das andere. Nicht zuletzt ist die Galata-Brücke auch Schauplatz vieler historischer Ereignisse und wütender Proteste, steht auf der offiziellen Homepage von Istanbul Tourist Information nachzulesen.

Karaköy ist ein angesagtes Hafenviertel auf der anderen Seite der Galata-Brücke, in dem sich hippe Cafés neben traditionellen Bäckereien und familiengeführten Geschäften finden, und für uns die Gelegenheit, Börek zu kosten. Das ist eine Art türkischer Strudel mit Käse, kann auch gefüllt sein - Ayran, ein salziges Jogurtgetränk, passt ausgezeichnet dazu. Derart gestärkt, nehmen wir die Fähre nach Kadiköy, begleitet von fast aufdringlichen Möwen, die jeder füttert und die sich im Sturzflug die Kekse holen.

Schnell vergeht die Überfahrt, und wir sind nun in Asien! Der Fischmarkt bietet tolle Fotomotive. Des Weiteren erkunden wir die Viertel Kuzguncuk und Çengelköy, testen gefüllte Muscheln, Kokoretsch (Lammdarm am Spieß) und natürlich Dönervariationen. Es ist wahrhaftig einmalig, Istanbul bietet nicht nur eine große Anzahl großartiger Sehenswürdigkeiten, sondern eine kulinarische Vielfalt, die einmalig ist - es ist schade, dass der Tag zu Ende ist und die Kapazitäten esstechnisch längst überschritten sind.

Am nächsten Tag setzen wir noch eins drauf, besuchen Turkish Do & Co, wo durch circa 4000 Mitarbeiter etwa 200.000 Catering-Menüs zum Großteil für Turkish Airlines in Handarbeit entstehen - und kosten eines davon beim Heimflug nach Wien. Großartig übrigens, wie auch der kurze Aufenthalt in Istanbul. Aufgrund der vielen Erlebnisse fühlt sich so ein Stopover an, als wäre man länger hiergewesen!

Andrea Thomas, Kronen Zeitung

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