08.07.2010 13:06 |

Nicht zu fassen

"Barfuß-Bandit" sucht jetzt die Bahamas heim

Ein Langfinger von Kleinauf, immer wieder er- und entwischt, vom FBI gesucht und jetzt auch noch das: Ein 19-jähriger Meisterdieb aus den USA hat sich mit einem gestohlenen Sportflugzeug auf die Bahamas abgesetzt und macht derzeit das Inselparadies unsicher. "Unsere Polizei wird ihn erwischen", versichert Sicherheitsminister Tommy Turnquest. Das Problem: Bisher hat Colton Harris-Moore noch immer einen Weg gefunden, der Verhaftung zu entgehen (siehe auch Infobox).

Von der Südspitze der Insel Great Abaco, wo der 19-Jährige mit der gestohlenen Cessna eine Bruchlandung hinlegte, folgten die Ermittler einer Spur von Einbrüchen 80 Kilometer weit bis in die Inselhauptstadt Marsh Harbour. Dort wurde der Flüchtige von der Überwachungskamera eines aufgebrochenen Restaurants gefilmt.

In ihrem Fahndungsaufruf warnt die Polizei, er sei womöglich bewaffnet und gefährlich. Zu Hause in den USA ist der diebische Teenager fast so etwas wie ein Volksheld: Er hat einen Fanklub, der T-Shirts mit seinem Bild vertreibt, seine Untaten werden in Liedern besungen, und auf Facebook hat er Zehntausende Anhänger.

Unsanfte Landung des "Barfuß-Banditen"
Der "Barfuß-Bandit", wie der Tunichtgut genannt wird, setzte die einmotorige Maschine am Sonntag an einer kaum bewohnten Ecke der Insel ins knietiefe klare, blaue Meer. Dann marschierte er offenbar eine Landzunge entlang bis zur Ortschaft Sandy Point. Dort soll er etwa um die Zeit gesehen worden sein, als nachts in einer Tankstelle eingebrochen wurde.

Der Dieb entwendete ein Sportgetränk und zwei Sackerln Kartoffelchips, wie Tankstellenbesitzer Dwight Pinder berichtet. Einen Haufen Sachen zu essen und zu trinken ließ er auf der Theke liegen - offenbar hatte er es eilig. Der Dieb sei so geschickt gewesen, staunt Pinder, das geknackte Schloss habe nicht einmal einen Kratzer. Auch in einem Haus in der Nähe wurde eingebrochen. Dort wurde ein Auto gestohlen, das sich später verlassen in Marsh Harbour wiederfand.

"Er schien locker und entspannt"
Dienstag früh zeichnete dort das Überwachungsvideo eines Restaurants am Jachthafen den ungebetenen Gast auf. Der junge Mann habe einmal direkt in eine Kamera gesehen, sie dann mit einer Taschenlampe geblendet und dann alle drei Überwachungskameras zur Wand gedreht, erzählt Inhaber Alistair McDonald: "Er schien ziemlich locker und entspannt." Er vermutet, dass der Dieb Geld suchte oder von einem Wachmann gestört wurde, denn er nahm nichts mit - nicht einmal eine Flasche Wasser. McDonald brachte das Video zur Polizei.

Die Ermittler verdächtigen Harris-Moore, mindestens sieben Einbrüche in Wohnhäusern und Geschäften auf Great Abaco verübt zu haben, einer der größten Inseln des Archipels zwischen Florida und Kuba. Das Eiland mit 16.000 Einwohnern ist zwar nicht so groß, aber dicht bewaldet, so dass sich ein erprobter Naturbursche wie Harris-Moore leicht verstecken kann. Horden von Besuchern der jährlichen Regatta bieten zusätzlich Deckung.

10.000 US-Dollar Belohnung ausgelobt
"Hier kennt jeder jeden. Aber es sind eine Menge Segler in der Stadt, da könnte er sich leicht darunter mischen", vermutet ein Einwohner. Die örtliche Polizei hat auf der ganzen Insel sein Fahndungsfoto verbreitet, mögliche Fluchtpunkte gesichert und arbeitet eng mit dem FBI zusammen, das für Hinweise zur Ergreifung des Flüchtigen 10.000 Dollar (8.000 Euro) Belohnung ausgesetzt hat.

Harris-Moore wuchs auf der Insel Camano im Puget Sound nördlich von Seattle auf. Seine Mutter sagt, er habe schon als kleiner Bub gerne gestohlen. Mit zwölf Jahren wurde er zum ersten Mal verurteilt, wegen Besitzes von Diebesgut. Mit 13 waren es schon drei weitere Verurteilungen. Jede brachte ihm zehn Tage Arrest oder gemeinnützige Tätigkeit ein.

2007 wurde er in einem leeren Haus erwischt und zu fast vier Jahren Jugendhaft verurteilt. In den offenen Vollzug verlegt, entkam er vor zwei Jahren durch ein offenes Fenster. Seitdem werden ihm Dutzende Diebereien einschließlich mehrerer Flugzeugdiebstähle zugeschrieben. Das Fliegen brachte er sich selber bei.

Mutter: "Je weiter er von den USA wegkommt, desto besser"
Seine Mutter Pam Kohler sagt, es überrasche sie nicht, dass er es mit der in Indiana gestohlenen Cessna über 1.600 Kilometer weit bis auf die Bahamas geschafft hat. Sie verteidigt ihren Sohn und findet die Vorwürfe gegen ihn übertrieben. Ihr wäre lieber gewesen, er hätte sich in ein Land abgesetzt, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA hat. "Je weiter er von den USA wegkommt, desto besser", sagte sie. "Ich freue mich ja, dass er schöne Inseln genießen kann, aber die liefern aus. Das macht die Sache überhaupt nicht besser."

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