"Kein Einzelkämpfer"

Passionsspiele in St. Margareten mit neuem Regisseur

Burgenland
27.06.2010 12:47
In den Sommermonaten der vergangenen Jahre haben groß inszenierte Opern und stimmungsvolle Solokonzerte zahlreiche Gäste nach St. Margarethen (Bezirk Eisenstadt Umgebung) in den Römersteinbruch gelockt. Bevor Festspiel-Intendant Wolfgang Werner die Naturkulisse für seine Veranstaltungen entdeckte, fanden dort im Fünf-Jahres-Rhythmus die Passionsspiele statt. Gemäß dem Zyklus werden 2011 wieder zahlreiche Laiendarsteller das Wirken, Leiden und Sterben Jesus Christus' darbieten.

Regie wird dabei erstmals Robert Herzl führen. "Es war für mich eine wahnsinnige Freud' und Ehre und ich bin sehr stolz und glücklich, dass eben die Verantwortlichen der Passionsspiele zu mir gekommen sind und gesagt haben, sie wollen etwas Neues machen", so Herzl. Bisher wurde die Regie ebenso wie die Darstellung von Laien vorwiegend aus dem Ort übernommen. 

Neue Wege gehen, aber nicht ohne das Alt-Hergebrachte 
Angst, dass nun ein bekannter Regisseur die Passionsspiele ganz anders aufziehen könnte und die St. Margarethener vor eine komplett andere Inszenierung stellen könnte, brauche man laut Herzl nicht haben: "Ich werde wirklich versuchen neue Wege zu gehen, ohne das Alt-Hergebrachte und das, was die Passion ausmacht, in irgendeiner Weise zu vernachlässigen."

Auf kritische Stimmen aus der Bevölkerung - viele Menschen sind seit Jahrzehnten dabei - wird der Regisseur gerne hören, denn "ohne Kritik geht goa nix". "Natürlich muss man dann, wenn man von etwas überzeugt ist, das auch durchsetzen, aber ich bin ja nicht alleine", verwies Herzl auf die Verantwortlichen der Passionsspiele, allen voran Pfarrer Georg Lang. "Ich bin kein Einzelkämpfer, wir sind ein Team und ich hoffe, ich werde auch die Mitwirkenden davon überzeugen können, dass das, was wir machen, gut ist."

Robert "Bobby" Herzl ist in St. Margarethen kein Unbekannter: Er war bereits in den Jahren 2002 ("Otello"), 2004 ("Aida"), 2007 ("Nabucco") und 2008 ("La Traviata") Regisseur der Opernfestspiele. Sein Steinbruch-Debüt gab der Künstlerische Leiter der Bühne Baden 1999 bei seiner Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte".

Die Passionsspiele St. Margarethen wurden erstmals im Jahr 1926 in einem Bauernhof aufgeführt. Ab 1933 wurde das Leben und Sterben Jesus Christus' im 10-Jahres-Rhythmus im Gotteshaus "Haus Bethanien" aufgeführt. Seit 1961 findet die Passion alle fünf Jahre im Römersteinbruch statt. Die Darsteller, die größtenteils aus St. Margarethen kommen, spielen für den guten Zweck: Der Reingewinn wird aufgeteilt, sodass jeder der Mitwirkenden seinen Anteil einem bestimmten Projekt spenden kann.
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