Zeugen widerrufen
Seit 19 Jahren in Todeszelle: Mann völlig unschuldig?
Troy Davis (im Bild links) sitzt seit einem Urteil 1991 in der Todeszelle und hat bereits drei Mal erreicht, dass die Vollstreckung der Strafe ausgesetzt wird. Er wurde wegen Mordes an dem Polizisten Mark Allen McPhail (rechts) in Savannah ausschließlich aufgrund von Zeugenaussagen zum Tode verurteilt. Im August vergangenen Jahres sprach der Oberste Gerichtshof Davis das Recht auf eine neue Anhörung zu. Ein Bundesgericht müsse Zeugen vernehmen und untersuchen, ob neue Fakten Davis' Unschuld beweisen könnten. Es war das erste solche Urteil seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976.
Zeugen widerrufen Aussagen
Bei der Anhörung sagte ein Zeuge, der Davis als den Mörder identifiziert hatte, der Polizei damals gesagt zu haben, er könne den Schützen kaum wiedererkennen. Der Analphabet sagte zudem, eine von der Polizei verfasste Aussage unterzeichnet zu haben, deren Inhalt er gar nicht lesen konnte. Ein weiterer Zeuge, ein früherer Mithäftling von Davis, sagte aus, ein Geständnis, das Davis angeblich ihm gegenüber nach seiner Verhaftung machte, "erfunden" zu haben. "Das hat mir geholfen, sie haben meine Strafe reduziert." Ein damals 16-Jähriger sagte, die Polizei habe ihn mit der Drohung zu seiner Aussage gezwungen, ihn als Komplizen zu belangen. Bei der Anhörung bezichtigte er einen anderen Mann der Tat - einen Zeugen des Prozesses von 1991.
Eine Tatwaffe, konkrete Beweise oder DNA-Spuren, die auf Davis als Täter deuteten, wurden nie gefunden. Angesichts der kargen Beweislage hatten sich auch Papst Benedikt XVI., der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, die Schauspielerin Susan Sarandon und der Europarat für Davis eingesetzt. Das Gericht wird nach Anhörung der Zeugen dem Obersten Gerichtshof seine Schlussfolgerungen übermitteln.
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