Herabgestuft
Griechenland jetzt auch bei Moody’s auf Ramschstatus
Zur Begründung erklärte Moody's, von den Bedingungen für das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket der Euro-Zone und des Internationalen Währungsfonds an die Griechen gingen große Risiken für das schuldengeplagte Land aus. Schließlich werde Athen zum Sparen gezwungen und dies erschwere das Wirtschaftswachstum. Den Ausblick schätzt Moody's aber weiter als stabil ein. Die US-Börsen büßten nach dem Schritt einen Großteil ihrer Gewinne ein und auch der Euro gab wieder nach.
Moody's-Analystin Sarah Carlson begründete die Absenkung mit "beträchtlichen" makroökonomischen Risiken und Umsetzungsgefahren, die mit dem Hilfsprogramm im Zusammenhang stünden. Es sei unsicher, wie sich all die Maßnahmen auf das Wachstum auswirkten. Diese Ungewissheit sei besser mit einem "Ba1"-Rating in Einklang zu bringen. Dieses berücksichtige das "größere, obgleich niedrige Risiko einer Pleite".
Citigroup droht mit Index-Rauswurf
Die US-Bank Citigroup hat als Reaktion auf das Moody's Rating damit gedroht, griechische Staatsanleihen aus einem wichtigen Index der Citigroup herauszunehmen. "Griechenland erfüllt weder bei S&P noch bei Moody's noch das minimale Kredit-Kriterium von BBB-/Baa3 für den World Government Bond Index", hieß es in einer Mitteilung.
Sollten die Ratings bis zum 24. Juni weiter die Mindestanforderungen für eine Investition nicht erfüllen, werde Griechenland zum Ende des Monats aus dem Index genommen. Gegenwärtig sind 23 griechische Staatsanleihen im WGBI. Dieser wird von Investmentfonds verwendet. Ein Staat kann wieder in den Index aufgenommen werden, wenn die Investitionskriterien wiedererlangt wurden. Allerdings dauert dieser Vorgang mindestens sechs Monate.
Fitch bleibt auf gerade noch Investment-Status
Im April hatte bereits die Ratingagentur Standard & Poor's Griechenlands Kreditwürdigkeit auf "BB+" und damit ebenfalls auf Ramschstatus herabgestuft. Nach diesem Schritt hatte sich die Schuldenkrise des Landes deutlich zugespitzt. Die Ratingagentur Fitch wiederholte am Montagabend hingegen ihre Aussagen von Anfang Mai, wonach sie derzeit keine Pläne hat, Griechenlands Rating zu senken. Derzeit stuft Fitch Griechenland mit BBB-minus ein, was bei Fitch gerade noch Investment-Status bedeutet. Eine Herabstufung auf "Junk" ist auch deshalb problematisch, weil dann einige Investoren aufgrund ihrer eigenen Vorgaben gezwungen werden, sich von solchen Papieren zu trennen.
Das griechische Finanzministerium erklärte, die Herabstufung durch Moody's spiegle in keiner Weise den Fortschritt und die Perspektiven des Landes wider. Griechenland will bis 2013 rund 30 Milliarden Euro sparen, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Dafür werden unter anderem Löhne im öffentlichen Dienst gekürzt und es gibt Einschnitte bei Pensionen und Renten. Dadurch will sich Griechenland das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket sichern.
Analysten nicht überrascht
Analysten reagierten nicht überrascht auf den Schritt von Moody's. Die Auswirkungen dürften minimal sein, betonte Marc Chandler von Brown Brothers. Das liege daran, dass Moody's nicht die erste Agentur sei, die ihr Rating für Griechenland gesenkt habe. Zudem sei der Ausblick weiterhin stabil und dank des Hilfspakets müsse sich Griechenland zunächst nicht mehr über die Finanzmärkte refinanzieren. Sebastian Galy von BNP Paribas sagte: "Wir handeln damit jetzt seit einer langen Zeit und dass jetzt die Agenturen dies auch feststellen, hat nicht allzu viel Einfluss."
Nach der Moody's-Herabstufung stiegen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen Griechenland um 15 Basispunkte auf 740 Basispunkte. Der Euro grenzte seine Gewinne ein.
Spekulationen: Steht Spanien vor Hilfe-Ansuchen?
Zuvor hatten am Montag bereits Spekulationen über einen baldigen Hilferuf Spaniens in der Schuldenkrise für Unruhe gesorgt. Die Regierung in Madrid räumte wenige Tage vor dem EU-Gipfel ein, die Banken der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hätten zunehmend Probleme, von internationalen Partnern Geld auf dem Interbanken-Markt geliehen zu bekommen. Dennoch bekräftigte die Regierung in Madrid, nicht auf den Euro-Rettungsschirm zurückgreifen zu wollen. Die deutsche zeitung "Frankfurter Allgemeine" hatte aber unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, die EU bereite sich auf eine Rettungsaktion für Spanien vor. Die Lage habe sich offenbar so verschärft, dass die Staaten nicht bis zum EU-Gipfel am Donnerstag warten wollten.
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel warnte aber vor Spekulationen über die Schuldenkrise in Spanien. Nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sagte sie in Berlin, Probleme sollten nicht herbeigeredet werden. Spanien wisse ebenso wie andere Staaten, dass es den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen könne, wenn dies nötig sei. Sollte es Probleme geben, könne der Mechanismus zur Inanspruchnahme des Rettungsschirms rasch aktiviert werden. Beide erklärten zudem, sich beim G-20-Gipfel für eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer einsetzen.
Mit Blick auf die Bewältigung der Schuldenprobleme in Europa bekräftigte Merkel, es müssten Änderungen an den Europa-Verträgen in Betracht gezogen werden. Denkbar sei etwa ein Stimmrechtsentzug bei Verstößen gegen EU-Vereinbarungen.
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