08.11.2019 16:29 |

„Frühe Influencerin“

Berührender Abschied von Grande Dame Lotte Tobisch

Familie, Freunde und Fans haben am Freitagnachmittag Abschied von Lotte Tobisch genommen. Die Schauspielerin und langjährige Organisatorin des Opernballs war am 19. Oktober im Alter von 93 Jahren verstorben. In der Feuerhalle Simmering gegenüber dem Wiener Zentralfriedhof fand nun die öffentliche Trauerfeier statt. Die Beisetzung der Urne selbst wird später im engsten Familienkreis erfolgen.

Dompfarrer Toni Faber, der die Trauerfeierlichkeiten leitete, würdigte Tobisch als „Lichtgestalt unserer Zeit“, die sich nie den Mund verbieten habe lassen und Haltung, Anstand und Menschlichkeit an den Tag gelegt habe. „Sie hat überall dort mitgemacht, wo es darum ging, Gutes zu tun“, verwies Faber auf die „gelebte Nächstenliebe“ Tobischs.

„Eine großherzige, wunderbare Frau“
Die Schauspielerkollegen Michael Heltau und Andrea Eckert sagten der Verstorbenen mit Lyrik Lebewohl. Heltau las Goethes „Gesang der Geister über den Wassern“ - ein Gedicht, dessen Vortrag sich Tobisch gewünscht habe, „wenn es einmal soweit ist“. „Liebe Lotte Tobisch, Sie waren eine großherzige, wunderbare Frau und ich danke Ihnen, dass ich Sie kennen durfte“, meinte Eckert, nachdem sie Eichendorffs „Mondnacht“ und aus Rilkes „Engellieder“ vorgetragen hatte.

Video: Lotte Tobisch ist tot

Als Trauerredner fungierte außerdem „News“-Kulturchef Heinz Sichrovsky, in dessen Magazin Tobisch in ihren letzten Jahren als Kolumnistin aufgetreten war. Eine „frühe Form einer Influencerin“ sei sie gewesen, meinte Sichrovsky - nämlich in dem Sinn, dass sie „kraft ihrer Kompetenz einen positiven Einfluss auf das Gesamtbefinden der Gesellschaft“ ausgeübt habe.

Der frühere niederösterreichische Landtagspräsident Johann Penz (ÖVP), mit dem Tobisch freundschaftlich verbunden war, erinnerte an die „schauspielerische, schriftstellerische, organisatorische und kommunikative Begabung“ der „Schauspielerin, Salondame und Frau von Welt“. Und er merkte an: „Wenn es stimmt, dass der Opernball der König der Bälle ist, dann sind Sie die Queen des Opernballs“.

Zahlreiche Einträge in Kondolenzbücher
Noch vor Beginn der rund einstündigen Trauerfeier waren Kondolenzbücher aufgelegt worden, in die sich Freunde und Wegbegleiter eintragen konnten. Neben zahlreichen Fans machten unter anderem Entertainer Alfons Haider, Life-Ball-Gründer Gery Keszler, Tanzschulenchef Thomas Schäfer-Elmayer oder TV-Moderatorin Barbara Stöckl von dieser Gelegenheit Gebrauch.

Tobisch, am 28. März 1926 in Wien auf die Welt gekommen, begann ihre Schauspielkarriere schon in jungen Jahren am Burgtheater. Engagements in allen Bundestheatern und viele Fernsehauftritte folgten. Ihre größte Rolle spielte die als Lotte (von) Tobisch-Labotyn geborene Nachfahrin einer österreichischen k.u.k. Patrizierfamilie allerdings in der Staatsoper: Ab 1981 prägte sie 16 Jahre lang als Organisatorin des Opernballs das größte Societyevent des Landes.

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