Nach der Fertigstellung des Koralmtunnels werden Bahnfahrer von Klagenfurt nach Wien nur noch 2 Stunden und 20 Minuten benötigen. Das ist unter anderem der Grund, warum die Regierung in den Ausbau der Bahntrasse von Norden nach Süden überhaupt so viel Geld investiert. "Ohne den Semmeringbasistunnel geht das aber nicht", erklärt Alfred Ruhaltinger von den ÖBB. "Der Koralmtunnel allein wäre sinnlos."
Derart aufwändige Tunnel zu errichten, sei betriebswirtschaftlich ein Fiasko– auch die naturschutzrechtlich umstrittene Semmeringtrasse kostet über zwei Milliarden Euro. "Da geht’s aber um eine Grundsatzfrage, ob man den Verkehr auf die Schiene bringen und langfristig für Generationen bauen will", so Ruhaltinger.
Schon seit 14 Jahren wird der Koralmtunnel versprochen und geplant. Kärntens Landespolitiker hoffen nun, dass die "Röhre" plangemäß realisiert wird. "Denn die Koralmbahn ist eine unverzichtbare Verkehrs-Lebensader für Kärnten", meint SPÖ-Chef Peter Kaiser und appelliert an Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ), das Projekt "nicht zu gefährden".
Dörfler: "Eine Milliarde schon aufgewendet"
In dieselbe Kerbe schlägt Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK): "Es gibt Verträge zwischen Bund und Ländern." Er fordert von der Bundesregierung ein "klares Bekenntnis zum Projekt. Wir sind mitten im Bau, eine Milliarde Euro wurde dafür schon aufgewendet."
"Die Verbindung ist verkehrspolitisch wichtig, aber wegen des Sparplans wird sie bis zum Herbst neu evaluiert werden", hatte Ministerin Bures zuvor im Gespräch mit der "Krone" berichtet. Im knappen Budget scheine eine Finanzierung von 5,2 Milliarden Euro kaum möglich.
Vorerst kein Baustopp
Sollte sich herausstellen, dass eine andere Gleisführung effizienter wäre, könnte die Koralmbahn wackeln. Trotz der Ungewissheit über die Zukunft des Projekts wird bis zur Entscheidung im Herbst weitergebaut. "Denn es ist günstiger, weiterzubauen und dann im Fall des Falles abzubrechen, als jetzt vorschnell alles auf Eis zu legen", so das Bures-Büro. Laut den bisherigen Plänen war die Fertigstellung für das Jahr 2020 vorgesehen.
Daten und Fakten
Vor 14 Jahren haben die Arbeiten für die 130 Kilometer lange Koralmstrecke begonnen. Sie soll Klagenfurt und Graz mit Hochgeschwindigkeitszügen verbinden, sodass die Fahrzeit von derzeit gut drei Stunden auf eine Stunde reduziert wird. Herzstück der Trasse ist der 32,9 Kilometer lange Koralmtunnel, dessen Planung aufgrund der anspruchsvollen geologischen Gegebenheiten sechs Jahre gedauert hat.
Seine beiden Röhren werden alle 500 Meter durch Querschläge miteinander verbunden sein. Sondierungsstollen existieren bereits; der Tunnelanschlag erfolgte aber erst am vergangenen Freitag.
von Kerstin Wassermann ("Kärntner Krone") und kaerntnerkrone.at
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