Ölpest vor US-Küste
Erstmals Schweröl an Land gespült – Demo in London
An einigen Stellen sei die Ölschicht mehrere Zentimeter dick, berichtete Gouverneur Bobby Jindal, der sich bei einer Bootstour im Mississippi-Delta ein Bild von der Lage gemacht hatte. Es sei zu erwarten, dass noch mehr Schweröl die Küste verschmutzen wird.
Bisher waren an den Küsten der Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama nur einzelne Ölklumpen angeschwemmt worden. Der Ölteppich breitet sich durch starke Strömungen im Golf von Mexiko ungehindert aus. Satellitenbilder zeigen, dass das Öl inzwischen durch die Strömung "Loop Current" Richtung Florida getrieben wird.
Das schlimmste Szenario ist nach Angaben von Wissenschaftern, dass das Öl Florida schon in sechs Tagen erreichen könnte. Anschließend könnte die gewaltige Meeresströmung den Ölfilm weiter bis zur Inselgruppe der Florida Keys, an die Ostküste der USA, nach Kuba und sogar in den Golfstrom spülen.
USA informieren Kuba über drohende Gefahr
Angesichts der zunehmenden Gefahr informierten die USA inzwischen auch Kuba über die sich ausbreitende Ölpest. Nach Angaben des Außenministeriums in Washington gab es bereits erste Gespräche über die neuesten Entwicklungen. Seit 1961 gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba, das rund 140 Kilometer südlich von Florida liegt. Die USA betreiben seit 47 Jahren ein Embargo gegen die Insel und verweisen zur Begründung auf Menschenrechtsverletzungen durch die kommunistische Führung.
Der Konzern BP, der die gesunkene Ölplattform betrieben hatte, erklärte am Donnerstag in London, dass mittlerweile täglich etwa 3.000 Barrel des ausströmenden Öls über ein Saugrohr abgepumpt werden. Dies entspreche rund 60 Prozent der täglich ausströmenden Menge von 5.000 Barrel (795.000 Liter) Öl. Zuvor waren nur 40 Prozent des Öls aufgefangen worden.
Greenpeace-Aktion in London
Unterdessen hat die Umweltschutz-Organisation Greenpeace am Donnerstag vor der Zentrale des BP-Konzerns in London gegen das Verhalten des Unternehmens bei der Öl-Katastrophe protestiert. Zwei Aktivisten kletterten auf das Dach des Gebäudes und enthüllten eine Fahne mit einem in Öl getränkten BP-Zeichen.
"Die Ölpest im Golf von Mexiko kann bis zu Entscheidungen zurückverfolgt werden, die hier in diesem Gebäude getroffen wurden", sagte einer der Demonstranten. Der Konzern sei ein "gigantisches Risiko" eingegangen, indem er an immer entlegeneren Orten mit der Ölförderung begonnen habe. Ein BP-Sprecher sagte, solange der Protest friedlich bleibe, habe man nichts dagegen einzuwenden.
Kein Ende der Ölpest in Sicht
Ein schnelles Ende der Ölpest im Golf von Mexiko ist nicht in Sicht. BP-Ingenieure wollen frühestens am Wochenende einen ersten Versuch starten, das Bohrloch in 1.500 Meter Tiere zu schließen. Sie wollen große Mengen schweren Schlamms unter hohen Druck in das Bohrloch pressen. Anschließend soll die Quelle mit Zement endgültig abgedichtet und "versiegelt" werden.
Zuständige US-Behörde wird zerschlagen
Um derartige Katastrophen künftig zu verhindern, wird die US-Kontrollbehörde für Tiefsee-Bohrungen zerschlagen: Künftig sollen drei gesonderte Stellen für die Erteilung von Bohrgenehmigungen, die Sicherheitskontrollen und die Verwaltung der Finanzmittel zuständig sein. Mit der Entscheidung reagierte die US-Regierung auf die Vorwürfe vorschnell erteilter Bohrgenehmigungen und zu laxer Sicherheitskontrollen durch die Behörde für Rohstoffverwaltung (MMS).
Präsident Barack Obama hatte nach der Explosion der Bohrinsel die Reform der Kontrollbehörde zu einer der vorrangigsten Aufgaben erklärt. Der MMS war vorgeworfen worden, dem Ölriesen BP, aber auch anderen Mineralölkonzernen Bohrgenehmigungen erteilt zu haben, obwohl diese die gesetzlichen Auflagen nicht erfüllten. Demokratische US-Senatoren forderten Obama unterdessen auf, die Überprüfungen der Ölbohrungen vor der US-Küste umgehend auszuweiten.
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