Nach Umsturz
Präsidentenwahl in Kirgistan per Dekret abgesagt
Bei neuen blutigen Unruhen sind in Kirgistan mindestens drei Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit seien im Süden des Landes Menschen durch Schüsse, Steinwürfe und Knüppel verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Bischkek am Mittwoch mit. In Jalalabad wurde wegen der blutigen Straßenschlachten bis zum 1. Juni der Ausnahmezustand verhängt.
In Jalalabad, der Heimat Bakijews, kämpfen seine Anhänger und Kräfte der neuen Führung sowie Angehörige der usbekischen Minderheit gegeneinander. Beobachter befürchteten, dass sich die Unruhen auf das Nachbarland Usbekistan ausweiten könnten. Seit dem blutigen Volksaufstand Anfang April wurden bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kirgistan etwa 100 Menschen getötet, mehr als 1.500 weitere wurden verletzt.
Russland sagt Unterstützung zu
Russland hatte der Regierung unter Otunbajewa wiederholt Unterstützung zugesichert. Experten erwarten, dass auch die von Russland zum Schutz der eigenen Bürger und Militärstützpunkte nach Kirgistan entsandten 150 Soldaten als "Friedenskräfte" eingesetzt werden könnten. Der russische Staatschef Dmitri Medwedew hat den Sondergesandten Wladimir Ruschailo nach Kirgistan geschickt, der die Lage dort sondieren soll.
Die völlig verarmte Ex-Sowjetrepublik kommt zudem wirtschaftlich nicht zu Kräften. Die Lage sei gespannt, weil die autoritär regierten Nachbarstaaten Kasachstan und Usbekistan eine Wirtschaftsblockade gegen Kirgistan errichtet haben. Unternehmen kritisierten die Blockade als Verstoß gegen internationales Recht. Sie forderten die Regierung auf, bei UNO und OSZE gegen die "unzulässigen Sanktionen" zu protestieren. Kasachstan hat derzeit den OSZE-Vorsitz inne und hatte auch dem gestürzten Bakijew zeitweilig Unterschlupf gewährt. Der Ex-Präsident lebt inzwischen in seinem Exil im autoritär geführten Weißrussland, das seine Auslieferung ablehnt.
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