Investoren-Skepsis
Euro fällt auf tiefsten Stand seit vier Jahren
Seit Jahresbeginn hat der Euro gut 14 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar eingebüßt und sich damit schlechter entwickelt als andere große Währungen. Am Montag war der Euro zwischenzeitlich auf 1,2237 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit April 2006. Damit war der Euro noch billiger als zur heißen Zeit der Finanzmarktkrise im Herbst 2008, als viele Anleger in den als sicheren Hafen geltenden US-Dollar flüchteten.
"Es hat den Anschein, als würden die Finanzmärkte den Politikern in Europa nicht die Zeit geben, halbwegs in Ruhe neue Spielregeln für die Mitgliedsländer der Währungsunion aufzustellen", erklärte UniCredit-Rentenstratege Kornelius Purps. In dieser Woche beraten die Euro-Finanzminister über die Haushaltspolitik und über eine grundlegende Reform des Euro-Stabilitätspaktes. "Ohne eine nachhaltige Fiskaldisziplin und eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in vielen Mitgliedsländern wird die in den letzten Monaten offensichtlich gewordene Anfälligkeit der Währungsunion nicht überwunden werden können", heißt es in einem Marktkommentar der HSH Nordbank.
EZB-Banker versuchen zu beruhigen
Nachdem sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bereits am Wochenende bemüht hatte, die wegen ihres Ankaufprogramms europäischer Staatsanleihen aufkommenden Inflationsängste zu zerstreuen, legten am Montag weitere Notenbanker nach. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht den Euro-Wechselkurs "im normalen Bereich", seine Kollegin Gertrude Tumpel-Gugerell sieht die Preisstabilität in der Euro-Zone gegeben. Der als künftiger Bundesbank-Präsident gehandelte Jürgen Stark sieht den Euro zwar nicht in Gefahr, bezeichnete die derzeitige Krise aber als Weckruf für die Euro-Zone.
IWF will, dass EU-Länder erst 2011 sparen
Trotz der Euro-Talfahrt sollten nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die größeren europäischen Staaten erst 2011 ihre Sparmaßnahmen verschärfen. "Allzu starke Aktionen könnten dieses Jahr zu einem Wirtschaftsabschwung führen", sagte der für Finanzangelegenheiten zuständige Carlo Cottarelli am Montag. Nicht alle Länder sollten 2010 ihre Ausgaben zurückschrauben. Viele, vor allem die größeren, könnten bis 2011 warten.
Bei den schuldengeplagten Mittelmeerländern Spanien, Portugal und Griechenland begrüßte Cottarelli die verstärkten Sparanstrengungen. Diese seien zu diesem Zeitpunkt das Richtige, sagte der Volkswirt. In Deutschland sind zuletzt Steuerentlastungen in Milliardenhöhe verschoben worden, um zunächst die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben. Explizit lobte Cottarelli Italien für seine Maßnahmen zum Schuldenabbau, betonte aber zugleich, mittel- bis langfristig müssten die Ausgaben im Gesundheitswesen und bei den Pensionen korrigiert werden.







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