Di, 25. Juni 2019
13.06.2019 06:00

„Krone“-Kommentar

25 Jahre EU-Abstimmung: „Gemeinsam statt einsam“

Das war ein österreichischer Schicksalstag vor 25 Jahren: Das Volk hatte bei einem Referendum mit 82 Prozent Wahlbeteiligung und mit der Mehrheit von 66,6 Prozent für den Beitritt zur EU gestimmt. „Krone“-Redakteur Kurt Seinitz erinnert sich zurück.

Das Ergebnis galt als große Überraschung, denn in den Wochen davor hatte es gar nicht nach einer Mehrheit ausgesehen. Bei Umfragen äußerten sich mehr als 15 Prozent unentschieden.

Nach der Volksabstimmung rühmten sich berufene und unberufene Münder, ihr Wirken habe diese Mehrheit geschafft. Tatsächlich war es aber die Kronen Zeitung, die genau jene 15 Prozent der Unentschlossenen, der Zweifelnden, zu einer gewaltigen Mehrheit „hinüberzog“. Ich muss es wissen, denn ich hatte damals in der Zeitung die Beitrittskampagne geführt und auch die notwendigen Kontakte.

„Nein“ bedeutet, draußen vor der Tür zu stehen
Das Erfolgsgeheimnis war eigentlich ganz einfach: Wir drängten die Menschen nicht zu einem „Ja“, sondern wir führten ihnen vor Augen, dass ein „Nein“ bedeutet, draußen vor der Tür zu stehen. (Diese Erfahrung machen jetzt die Briten.) Unser Motto: „Gemeinsam statt einsam“. Draußen vor der Tür kannst du nichts beeinflussen, drinnen kannst du es zumindest versuchen.

EU machte dann allerdings haarsträubende Fehler
In den Jahren danach machte die EU allerdings haarsträubende Fehler. Heute geben EU-Veteranen mit großer Verspätung zu, dass die „Krone“ mit ihrem Oppositionsstandpunkt in der EU in vielen Punkten recht hatte. Bei den Herrschaften am hohen Ross in Brüssel galt die „Krone“ daher als EU-Nestbeschmutzer, weil sie nicht mitjubelte, und wurde mit Interviewverbot belegt. Sie haben sich damit nur selbst geschädigt. Wir haben während der 25 Jahre recht behalten.

Das Versagen geht nicht nur auf das Konto Brüssels. Es ist das Versagen von Mitgliedsstaaten, ja das Versagen ganz Europas. Andersherum: Vielleicht wäre die Lage Europas noch besorgniserregender ohne EU. Die „Krone“ zählte nie zu den blinden EU-Fanatikern. Wir geben daher in der Zeitung kritischen Stimmen zur EU breiten Raum.

Die „Krone“ - eine staatstragende rot-weiß-rote Heimatzeitung
Der Gründer und Herausgeber der Kronen Zeitung, Hans Dichand, war und blieb ein EU-Skeptiker. Zur Frage des Beitritts traf er eine pragmatische Entscheidung: Den Sonderweg der Schweiz konnten wir uns zumindest zur damaligen Zeit wirtschaftlich (noch) nicht leisten. Wenn außerdem bei uns in Österreich die beiden (damaligen) großen Parteien in der Regierung sowie die damals allmächtigen Sozialpartner an einem Strang ziehen, könne es für unsere Heimat nichts Schlechtes bedeuten. Die „Krone“ war und ist im Zweifelsfalle eine staatstragende rot-weiß-rote Heimatzeitung.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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