Peinlicher Besuch

Trump brüskiert Queen und beleidigt Bürgermeister

Ausland
03.06.2019 20:19

US-Präsident Donald Trump ist am Montag zu seinem dreitägigen Staatsbesuch in Großbritannien eingetroffen und hat bei seinem Treffen mit der Queen wieder einmal für einen Eklat gesorgt. Nachdem der letzte Besuch bei Elizabeth II. schon gezeichnet von Peinlichkeiten war, hatte es das US-Staatsoberhaupt inklusive seiner Gattin Melania wieder nicht geschafft, zumindest die Begrüßung gemäß dem Protokoll durchzuführen. Wenn ein Gast die Queen begrüßt, wird von den Herren ein Senken des Kopfes und von den Damen ein Knicks erwartet. Die Trumps reichten der Monarchin nur platt die Hand. Diese machte, „very british“, gute Miene zum bösen Spiel und lächelte gezwungen. Schon im Vorfeld seines Besuchs hatte Trump via Twitter den Londoner Bürgermeister attackiert und beleidigt.

Angeblich hatte sich das US-Präsidentenpaar wochenlang auf das Protokoll vorbereitet - besonders nachdem Trump bei seinem letzten Besuch von einem Fettnäpfchen ist nächste getreten war. Doch die britische Etikette scheint dem Staatschef und seiner Gattin einfach nicht zu liegen. Die Begrüßung der Queen vergeigten die beiden wieder einmal gründlich. Wie die TV-Aufnahmen (siehe Video oben) zeigen, schüttelten die beiden der Queen einmal mehr die Hand. Ein Fauxpas.

Londoner Bürgermeister als „Totalversager“ bezeichnet
Trump und seine Ehefrau Melania waren in der Früh auf dem Londoner Flughafen Stansted gelandet. Seine Visite hatte der US-Präsident in klassischer Manier mit Einmischungen in die britische Politik eingeläutet, was für große Irritationen sorgte. So bezeichnete er in einem Tweet kurz nach der Landung den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan als „Totalversager, der sich auf die Kriminalität in London konzentrieren sollte“.

Der Hintergrund: Khan ist ein Kritiker von Trump und hatte beim vergangenen Besuch die Erlaubnis für einen Ballon gegeben, der den US-Präsidenten als schreiendes Baby darstellte. Khan, „der nach allem, was man hört, als Bürgermeister von London eine schreckliche Arbeit geleistet hat“, sei „fies“ zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewesen, „dem bei Weitem wichtigsten Verbündeten des Vereinigten Königreichs“, polterte Trump weiter.

Video: Trump landet in London - und beleidigt den Bürgermeister!

Khan: „Vielfalt ist eine Stärke, keine Schwäche“
Khan reagierte darauf mit einer an den US-Präsidenten gerichteten Videobotschaft in Sachen Frauenrechte. „Ihre Werte und wofür Sie stehen, sind das genaue Gegenteil der Werte Londons und der Werte in diesem Land“, sagte der Labour-Politiker in einem knapp zweiminütigen Video, das er am Montag auf Twitter veröffentlichte. Vielfalt sei eine Stärke, keine Schwäche. „Wir respektieren Frauen und denken, dass sie Männern ebenbürtig sind“, fuhr Khan fort. Trump hat sich in Großbritannien mit seinen frauenfeindlichen Äußerungen viel Kritik eingehandelt.

Besuch in der Westminster Abbey, Tee mit Charles und Camilla
Trumps Staatsbesuch ist aber auch ohne derartige Äußerungen bereits höchst umstritten. Millionen Briten hatten eine Petition unterzeichnet, um ihn zu verhindern. Anders als ein normaler Arbeitsbesuch wird eine Staatsvisite mit dem ganzen Pomp des Königshauses zelebriert und gilt als besondere Ehre. 

Am Montag standen für das Ehepaar Trump diverse Termine mit Mitgliedern des Königshauses an. Nach dem Mittagessen mit der Queen im Buckingham-Palast besuchten der US-Präsident und seine Gattin die Westminster Abbey. Zum Nachmittagstee ging es zu Prinz Charles und Camilla, am Abend folgte ein Staatsbankett.

Bis zu Viertelmillion Demonstranten erwartet
Kaum ein Land kann es mit Großbritannien aufnehmen, wenn es um staatstragende Zeremonien geht. Die traditionelle Kutschenfahrt über die Prachtstraße „The Mall“ wurde jedoch, vermutlich aus Furcht vor Protesten, gestrichen - nicht ganz unbegründet. Dafür wählte Trump die offiziellen Präsidentenlimousine „The Beast“, um durch London zu fahren. Britischen Medienberichten zufolge werden am Dienstag bis zu 250.000 Demonstranten erwartet. Bereits am Montag kam es zu kleineren Protesten vor dem Buckingham-Palast.

Alle diplomatischen Gepflogenheiten über Bord geworfen
Am Dienstag trifft Trump dann die scheidende britische Premierministerin Theresa May, die nach dem Machtkampf rund um den Brexit vor wenigen Tagen ihren Rücktritt angekündigt hatte. May wird Trump am Regierungssitz in der Downing Street empfangen. Die beiden wollen anschließend am Nachmittag gemeinsam vor die Presse treten. Kurz vor seinem Besuch hatte Trump entgegen aller diplomatischen Gepflogenheiten seine Sympathie für den exzentrischen Brexit-Hardliner Boris Johnson als Mays Nachfolger kundgetan und erklärt, dass er diesen während seines Besuchs vielleicht treffen werde.

Weiterreise nach Frankreich zu D-Day-Gedenkfeier
Am Mittwoch schließlich wollen Trump und seine Ehefrau in Portsmouth an der Südküste Englands an Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Day, des Beginns der Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg, teilnehmen. Eine weitere Gedenkveranstaltung zum eigentlichen Jahrestag am Donnerstag ist in Frankreich geplant. Dorthin wollen die Trumps von Großbritannien aus weiterreisen.

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