29.04.2019 11:37 |

Prävention

Kampf gegen Krebs mit Outdoor-Sport

Unsere Bergwelt kann uns viel geben: Entspannung, Ruhe, Erholung - und sie hält uns fit und gesund. So geht es selbst Krebspatienten draußen viel, viel besser.

„Ich kenne alleine in meinem persönlichen Umfeld einige, die an Krebs erkrankt sind“, sagt Klaus Bayer, Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Kärnten. „Diese Leute fallen oft sehr schnell in eine Isolation und auch Freunde entfernen sich, weil sie nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation, der Krankheit, umgeben sollen.“ Klaus ist felsenfest davon überzeugt, dass Bewegung draußen in der Natur eine gute Therapie ist und durch Zufall ist er auf die sympathische Münchnerin Petra Thaller getroffen, welche die europaweite Bewegung „Outdoor against Cancer“ (OaC) ins Leben gerufen hat. Mittlerweile unterstützen die Naturfreunde österreichweit dieses einzigartige Projekt.

„Da muss ich jetzt durch!“
Petra Thaller selbst weiß ganz genau, was Betroffene durchmachen müssen. „Ich war 2014 in Papua Indonesien unterwegs, um die 4884 Meter hohe Carstensz-Pyramide zu besteigen. Auf dem Rückweg stürzte ich bei einer Flussüberquerung und schlug mit meiner rechten Brust auf einen Felsen. Doch auch Tage später ging das vermeintliche Hämatom nicht weg. Zuhause ging ich direkt ins Spital und es wurden fünf Tumore in meiner Brust entdeckt.“ Thaller wusste: „Da muss ich jetzt durch!“ Es folgten Chemotherapie, Operationen.

„Nach der ersten Chemo war ich zwar richtig fertig, dennoch war ich immer aktiv, ging Skifahren und machte weiterhin meine Ski- und Bergtouren“, so die heute 51-Jährige: „Ein Freund sagte daraufhin zu mir, nimm doch auch andere Krebspatienten mit auf Tour.“ Diese Aussage ließ die Journalistin nicht mehr los: „Ich stellte fest, dass es weltweit mehr als 2000 Studien gibt, die festgestellt haben, wie wichtig Sport und Natur sind, als Prävention und auch für die Heilung. Und auf der anderen Seite gibt es Studien, dass jeder Zweite einmal im Leben an Krebs erkranken wird. Demgegenüber stehen natürlich eine bessere Vorsorge, bessere Behandlungsmöglichkeiten und bessere medizinische Geräte, die Tumore im Körper entdecken, die vor wenigen Jahren noch unentdeckt geblieben wären.“ Die Münchnerin fand sofort Partner, Unterstützer und bereits ein Jahr nach ihrer Krebsdiagnose und Brustamputation startete Petra mit ihrem ersten Outdoor-Training für Krebspatienten. „Anfangs wurde ich sogar kritisiert, dass ich Patienten in die Kälte hinaus bringe, aber es wurden immer mehr.“

Sogar ein eigenes Trainingsprogramm wurde entwickelt. Denn Bewegung draußen in freier Natur ist für Krebspatienten die allerbeste Therapie. „Betroffene, die aktiv sind, haben um 40 Prozent weniger Nebenwirkungen während der Chemotherapie, also weniger Depressionen, sind weniger müde und auch das gesamte Immunsystem ist deutlich stabiler, als bei jenen, die keinen Outdoorsport betreiben. Außerdem kann Bewegung in der freien Natur auch vor einer Neuerkrankung schützen“, so Petra. Ein 100-Prozent-Schutz vor Krebs ist Sport natürlich nicht. „Immerhin habe auch ich als begeisterte Bergsteigerin Krebs gekommen, aber ich war nie völlig niedergedroschen, hatte auch Schmerzen, meine Nerven langen blank und es ist ein Scheißzustand. Aber ein sportlicher Mensch sieht diese Situation eher als Herausforderung und stellt sich ihr eher, als jemand, der nie Sport gemacht hat."

150 Minuten moderate Bewegung pro Woche
150 Minuten moderate Bewegung pro Woche reichen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO dafür bereits aus. 30 Minuten pro Tag. Thaller: „Es reicht schon, mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu fahren.“ In Österreich werden mit den Naturfreunden eigene Coaches ausgebildet, die Krebspatienten mit nach draußen nehmen werden. „Mitmachen kann jeder, auch anonym, man muss sich nicht als Betroffener outen“, so Klaus Bayer. Außerdem sind auch Studien und eigene Events geplant. „Outdoor Against Cancer“ wird von der Europäischen Union mit 350.000 Euro finanziell unterstützt.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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