01.04.2019 07:00 |

Interview & Album

Parlotones: „Erfolg ist nicht selbstverständlich“

Mit ihren Album „China“ feiern die südafrikanischen Indie-Rocker Parlotones nicht nur ihr 20-jähriges Bestehen, sondern wollen auch endgültig den europäischen Markt angreifen. Sänger Kahn Morbee nahm sich im Zuge ihres Konzert letzten Herbst im Wiener Chelsea Zeit, um mit uns über die Geschichte der Band, Zusammenhalt und Perspektiven zu sprechen.

Die territorialen Unterschiede im Erfolgsfall sind bei Rockbands teilweise eklatant. Ein gutes Beispiel sind dafür die südafrikanischen Parlotones. In ihrer Heimat sind sie absolute Top-Stars, spielen in den größten Hallen und traten bei der Heim-WM 2010 mit dem offiziellen WM-Song „Come Back As Heroes“ auf, in Mitteleuropa müssen es vorerst mal halbvolle kleine Clubs tun, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erreichen. Das Wiener Chelsea konnte das Quintett letzten Herbst noch nicht ausverkaufen, was Sänger und Sprachrohr Kahn Morbee aber (noch) gar nicht so wichtig ist. „Die Freude unserer Arbeit kann man nicht in der Größe einer Venue oder des Publikums messen“, erzählt er im „Krone“-Gespräch, „zudem hat es einen abenteuerlichen Charakter, wenn man sich die Welt noch erspielen muss.“

Nichts ist selbstverständlich
Mit der Heimat Südafrika haben die Parlotones schon per se einen Standortnachteil, den man nicht einfach so wegargumentieren kann. „Wir sind kein bekannter Exporteur von gitarrenlastiger Rockmusik, wodurch uns die Fachmagazine in England oder den USA natürlich schnell übersehen. Umso glücklicher können wir uns schätzen, dass wir trotz alledem eine florierende Karriere erleben, seit gut 20 Jahren eine Band sind und seit etwa zwölf Jahren von der Musik leben können. Weder der Erfolg, noch unsere Beständigkeit unter den einzelnen Mitgliedern ist selbstverständlich.“ Kahn und Schlagzeuger Neil Pauw sind Highschool-Freunde und gründeten die Parlotones noch klassisch im Freundeskreis. In Zeiten von Casting-Shows und zusammengeprobten Individuen ein immer seltener werdendes Gut der klassischen Formation.

Inspiriert sind die Parlotones hauptsächlich von den Beatles, den Rolling Stones, Coldplay, R.E.M. und Snow Patrol. „Wir hatten zum Glück alle immer einen ähnlichen Musikgeschmack und es gab nur selten härtere Konflikte, in welche Richtung man gehen sollte. Wir sind ein Team, das wie Brüder funktioniert. Unsere Philosophie besagt, dass wir dem Song folgen müssen. Er steht immer an erster Stelle, auch wenn das gegen die persönliche Ideologie geht.“ Für die Parlotones war vor allem ein längst fälliger Managementwechsel notwendig, um wieder Energien zu tanken und kreativ zu werden. „Das war für uns wie eine Zäsur. Wir alle sind von Natur aus ziemlich friedliche Menschen, aber da mussten wir uns wirklich aktiv wehren, um ein neues Kapitel aufschlagen zu können.“ Dieses Kapitel nennt sich „China“, kam letzten Freitag auch bei uns in den Handel und weist nicht weniger als 25 Songs auf. Geschrieben wurden die Nummern in nur zwei Jahren.

Keine Perfektion
„Mich fragen Leute immer nach meinen Hobbys, aber das einzige, das ich wirklich habe, ist Songs zu schreiben“, lacht Kahn, „wir hatten dieses Mal einfach sehr oft ein gutes Gefühl und dann kamen so viele Songs zusammen. Ich sehe keinen Grund darin, sie nicht zu verwenden, nur, weil es angeblich zu viele sind. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass ich als Songwriter niemals Perfektion erreichen werde und seitdem fließt die Kreativität förmlich aus mir heraus.“ Musikalisch mäandern die Parlotones einmal mehr erfolgreich und frisch klingend zwischen Pop, Rock und Indie-Referenzen umher. In den richtigen Momenten so angenehm und nachvollziehbar, dass man damit auch am großen Mainstreammarkt kratzt, an gewissen Stellen aber auch bewusst unangepasst und rau. Die Mischung ergibt sich auch aus der Tatsache, dass die Südafrikaner erstmals mit externen Songwritern kooperierten.

„Wir haben zwei Jahre in Los Angeles gelebt und dort habe ich erstmals wirklich realisiert, dass eine große Kultur der Zusammenarbeit herrscht. Bis dorthin war das Songschreiben immer mein Ding, mein ganz persönliches in-mich-gehen und auf-mich-hören. Ich genieße aber die neuen Dynamiken und Ansätze, die ich alleine nicht hätte.“ Mit „Lisa Se Klavier“ befindet sich sogar ein Song in Afrikaans, dem südafrikanischen Landesdialekt auf „China“. „Wir waren daheim in vielen afrikanischen Universitäten unterwegs und haben den Song immer mal wieder gespielt. Jetzt haben wir ihn endlich aufgenommen. In Afrika sind viele Menschen multilingual unterwegs und könnte ich Deutsch, würde ich mich auch daran versuchen. Ich fand den Ansatz, mit anderen Sprachen oder Dialekten im Sound zu experimentieren, schon immer wahnsinnig spannend.“

Kein Grund zum Aufhören
Für das Artwork haben sich die Musiker mit Vaseline bemalen und einer Acryl-Ästhetik ablichten lassen. Ein spezielles und durchaus aufwendiges Verfahren. „Der Sinn dahinter war 2018 unser 20-Jahre-Jubiläum als Band. In China gibt es zum 20-Jährigen Porzellan als Geschenk und das ist unsere künstlerische Interpretation daraus. Viel mehr steckt eigentlich nicht dahinter.“ Pläne haben Kahn und Co. noch Zuhauf, schließlich gibt es einiges zu erreichen. „Ich würde gerne ein Musical oder Konzeptalbum schreiben. Außerdem möchte ich auch noch gerne mit 70 oder 80 auf der Bühne stehen. Die Großen machen das nicht fürs Geld, sondern weil sie Leidenschaft und Liebe für die Musik empfinden.“ Ein Locationwechsel ist dabei nicht mehr angedacht. „Mittlerweile sind wir alle verheiratet und einige von uns auch Väter. Es ist im Zeitalter des Internets wirklich nicht mehr zwingend notwendig, die Wurzeln zu kappen und die Heimat zu verlassen.“

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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