20.03.2019 13:19 |

Lehrerin im Verdacht

„Wenn ihr euch umbringt, macht es nicht in Schule“

„Liegt Dummheit in eurer Familie?“ - mit Aussagen wie diesen soll eine Lehrerin an einer AHS im Wiener Bezirk Währing ihre Schüler über Jahre erniedrigt haben. Eltern brachten Beschwerde ein, die Volksanwaltschaft prüft nun den Fall. Der Pädagogin wird auch Willkür in der Benotung vorgeworfen.

Die Mathematiklehrerin soll laut einem Bericht der ORF-Sendung „Wien heute“ regelmäßig gegenüber ihren Klassen Aussagen wie „Wenn ihr euch umbringt, macht das wenigstens nicht in der Schule“ oder „Liegt Dummheit in eurer Familie?“ getätigt haben. Ein Vater erzählte, Kindern sei der Gang aufs WC verwehrt worden oder sie mussten in der Ecke sitzen. Viele Schüler seien wegen der Lehrerin auch in Therapie gewesen, erzählten zwei ehemalige Schülerinnen in dem Bericht. Die Lehrerin hat gegenüber dem ORF keine Stellungnahme abgegeben.

Eine ehemalige Schülerin der Mathematiklehrerin hat bis heute mit dem Erlebten zu kämpfen. Die junge Frau befindet sich immer noch in psychotherapeutischer Behandlung, wie sie im Gespräch mit der APA erzählte. Zwei Jahre ging sie auf die Schule, ehe sie wegen der mutmaßlichen Erniedrigungen durch die Lehrerin die Einrichtung verließ.

„Durften nicht auf die Toilette gehen“
„Wir durften nicht auf die Toilette und mussten in der Ecke stehen“, berichtete die junge Frau von der Stimmung im Klassenzimmer. „Ich musste mich oft übergeben in der Schule. Deshalb bin ich rausgegangen. Ich wusste nicht, was ich sonst machen sollte“, sagte die ehemalige Schülerin. Vor zehn Jahren kam das Mädchen im Teenageralter mit ihren Eltern von Ungarn nach Wien und konnte naturgemäß noch nicht so gut Deutsch. Bei ihren Mathematikschularbeiten wurden jedoch auch die Grammatikfehler gerechnet und es hagelte Punkteabzüge, sagte sie.

„Die Lehrerin hat gesagt, ich soll die Schule abbrechen, weil ich nicht gescheit genug bin. Ich soll lieber gleich eine Lehre bei einem Supermarkt machen“, sagte die Frau, die mittlerweile erfolgreich studiert. Es sei keine körperliche Bedrohung gewesen, aber psychischer Terror im Teenageralter. „In einer Zeit, wo man sich selbst findet.“ Wenn sie morgens vor der Schule stand, habe sie zu weinen begonnen und Panikattacken bekommen.

„Es ist nichts passiert“
In der Bildungsdirektion hat es bereits 2013 erste Vorwürfe gegen die Lehrerin gegeben. Auch die junge Frau wandte sich in ihrer Schulzeit an die Behörden. Gespräche mit der Pädagogin im Beisein der Mutter sowie mit der Direktorin hätten nichts genutzt. Deshalb habe man Hilfe beim Wiener Stadtschulrat (heute Wiener Bildungsdirektion, Anm.) gesucht. „Es ist nichts passiert“, sagte die Betroffene.

„Sonst habe ich die Schule gemocht. Ich hatte einen lieben Klassenvorstand, der mit geholfen hat, rasch Deutsch zu lernen“, sagte die Frau. Vor einigen Jahren sei sie von einer Gruppe von Eltern angeschrieben worden, um gemeinsam gegen die Lehrerin vorzugehen. „Aber ich hatte die Kraft nicht dazu“, sagte sie. „Jetzt habe ich die Kraft. Jemand muss es machen.“ Auch aus Schutz für die anderen Kindern, sagte die Studentin.

„Aussage gegen Aussage“
Es ist nicht das erste Mal, dass Beschwerden gegen die Frau nachgegangen wird. Dazu sagte der Wiener Bildungsdirekter Heinrich Himmer, es habe nie klare rechtliche Tatbestände gegeben, um die Lehrerin aus dem Dienst entfernen zu können. „Es stand immer Aussage gegen Aussage.“ Zu den angeblichen Äußerungen der Pädagogin meinte der Bildungsdirektor: „So etwas darf nicht passieren.“

Die Direktion der Schule war bislang nicht erreichbar. Die Wiener Bildungsdirektion sammelt bis Freitagnachmittag nun Stellungnahmen Betroffener. Eine Gruppe, in der auch Juristen vertreten sind, soll diese sichten und bei nicht anonym vorgebrachten Vorwürfen versuchen, sie zu verifizieren. „Wir nehmen das Problem ernst, wir werden die Vorwürfe zügig überprüfen“, hieß es am Mittwoch aus dem Büro von Himmer. Erste Stellungnahmen seien bereits mit Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe eingelangt.

Die ersten Vorwürfe gegen die Pädagogin wurden in der Bildungsdirektion 2013 dokumentiert. Die betreffende Lehrerin musste deshalb in der Vergangenheit bereits verpflichtend an einer Schulung der Sozialkompetenz teilnehmen. Bereits 2017 hat die Volksanwaltschaft in diesem Fall ein Prüfverfahren eingeleitet. Ergebnis war damals, dass die Behörde im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle nötigen Maßnahmen gesetzt habe.

Bildungsministerium schaltet sich ein
Am Mittwoch hat sich schließlich auch das Bildungsministeriums in die Causa eingeschaltet. Man werde sich auf dem kurzen Dienstweg informieren lassen, welche Schritte in der Sache bisher gesetzt wurden und hinterfragen. Damit will man im Ressort bis Mitte nächster Woche ein Bild bekommen, ob in der Sache alle notwendigen Maßnahmen gesetzt wurden, hieß es.

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