18.03.2019 13:51 |

In zweiter Moschee

„Killer fand Tür nicht, das verschaffte uns Zeit“

42 Menschen starben in der Al-Noor-Moschee im neuseeländischen Christchurch, als am Freitag mutmaßlich der Rechtsextremist Brenton Tarrant während des Freitagsgebets auf alle Menschen schoss, die er sah, acht weitere in einer Moschee rund eine Viertelstunde vom ersten Tatort entfernt. Dass dort nicht auch Dutzende Opfer zu beklagen sind, ist einem Fehler des Angreifers zu verdanken, denn wie Überlebende nun schilderten, hatte der rechtsextreme Terrorist die Tür nicht gefunden. Und ein Mann stellte sich dem Schützen mutig entgegen - mit einer Kreditkartenmaschine (siehe Video oben).

Mohammed Akheel Uddin und Mohammed Afroze, beide ursprünglich aus Indien, sprachen mit der neuseeländischen Zeitung „Stuff“ über die schrecklichen Momente am zweiten Tatort des Massenmörders von Christchurch. Uddin sagte, er sei gerade in die Moschee in der Linwood Avenue gegangen, als er einen Mann gegenüber des Haupteingangs gesehen habe. Der Bewaffnete sei nur wenige Meter entfernt gewesen, aber er habe keine Tür gefunden. „Als er draußen und durch das Fenster schoss, gab uns das die Zeit zu fliehen“, so Uddin.

100 Betende befanden sich in der zweiten Moschee
100 Menschen hätten im Inneren der Moschee gerade das Freitagsgebet begonnen - nicht auszudenken, wie viele Opfer es gegeben hätte, wenn der Schütze das Gotteshaus ohne Vorwarnung betreten hätte. In der Al-Noor-Moschee, dem ersten Tatort, erschoss der Angreifer 42 Menschen, darunter mehrere Kinder.

Uddin habe drei Leichen durch das Fenster gesehen und gerufen: „Runter! Etwas passiert da draußen.“ Er habe die Menschen dann in den Bereich gebracht, wo normalerweise die Frauen beten. „Das ist ein sicherer Ort, man kann ihn von innen versperren.“ Als es der Schütze in die Moschee geschafft habe, seien viele der Betenden schon versteckt gewesen. „Es war ganz schrecklich“, so der Inder, der auch die Polizei verständigt habe. 

„Der Lärm kam vor allem anderen. Ich dachte an ein Erdbeben“
Mohammed Afroze ist zu Besuch in Christchurch, wohnte bei Freunden: „Was soll ich sagen? Als wir in die Moschee gegangen sind, waren wir zu fünft. Jetzt gibt es nur mehr drei von uns.“ Zwei seiner Freunde, die dieses Jahr vielleicht sogar geheiratet hätten, wurden bei dem Angriff getötet - sein Bekannter aus Bangladesch sogar vor seinen Augen. Er habe nicht gleich gemerkt, was vor sich ging: „Der Lärm kam vor allem anderen. Ich dachte zunächst an ein Erdbeben.“ Dann sei das Chaos ausgebrochen, Kugeln seien um seine Ohren gepfiffen.

„Vor mir war ein Bub, etwa drei Jahre alt. Er hat ihn mit drei oder vier Schüssen niedergestreckt“, schildert Afroze die furchtbaren Szenen. „Es waren überall Leichen.“ Manche der Verletzten hätten überlebt, weil sie unter Leichen gelegen hätten.

„Wäre Aziz nicht gewesen, hätte es viel mehr Tote gegeben“
Als Held gefeiert wird ein weiterer Überlebender des Angriffs auf die Moschee in Linwood: Abdul Aziz. Der 48-Jährige habe sich dem Angreifer mutig entgegengestellt. Laut „Stuff“ habe er das Erste, was er gefunden habe - eine Kreditkartenmaschine - genommen und sei auf den Schützen zugelaufen. „Komm her!“, habe Aziz gebrüllt und ihn verfolgt, bis der Bewaffnete mit seinem Auto davongefahren sei. „Jeder hätte das getan“, gab sich der 48-Jährige danach bescheiden. Das sieht der Imam der Moschee nicht so: „Wäre Aziz nicht gewesen, hätte es viel mehr Tote gegeben.“

Die schrecklichen Erlebnisse werden die Männer und die weiteren Überlebenden des Massakers nicht so schnell vergessen. Psychologen, die von Auckland angereist seien, helfen bei der Bewältigung der Traumata. „Die Menschen wirken von außen vielleicht okay, aber sie sind es nicht“, sagen Experten. Es werde lange brauchen, die furchbaren Szenen zu verarbeiten.

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