Do, 21. März 2019
16.03.2019 16:25

Kinder unter den Toten

Das sind die Opfer des rechtsextremen Attentäters

Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland sind neue Details zu den Todesopfern veröffentlicht worden. Der mutmaßlich rechtsextreme Attentäter Brenton Tarrant habe auch mehrere Kinder getötet, teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit. Das jüngste Opfer soll erst drei Jahre alt sein. Vermutet wird, dass es sich bei allen Toten um Muslime handelt. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor Kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Zu einigen Opfern haben sich mittlerweile Familienangehörige, Freunde oder Kollegen öffentlich geäußert.

Christchurch steht immer noch unter Schock. Am Samstag legten in der Nähe der Tatorte viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Viele Geschäfte blieben geschlossen. 

Vater: „Ich weiß, dass mein Sohn jetzt an einem Ort ist, wo Frieden ist“
John Milne gab gegenüber „APN News“ unter Tränen bekannt, dass er beim Anschlag seinen 14 Jahre alten Sohn Sayyad verloren habe. „Ich weiß, dass er jetzt an einem Ort ist, wo Frieden ist.“

Das jüngste der Opfer dürfte der dreijährige Mucad Ibrahim sein. Er war mit seinem Vater und seinem älteren Bruder in der Al-Noor-Moschee. „Wir denken, dass er einer der Menschen ist, die in der Moschee gestorben sind“, sagte sein älterer Bruder Abdi gegenüber der Zeitung „Stuff“.

Frau bei Rettung ihres gelähmten Mannes erschossen
Husne Ara Parvin (42) wurde beim Versuch, ihren im Rollstuhl geführten Ehemann Farid Uddin aus der Al-Noor-Moschee zu retten, vom Attentäter kaltblütig erschossen. Beide waren zuvor in geschlechtergetrennten Bereichen der Moschee gewesen. Farid habe den Angriff laut „BDnews24“ überlebt, da ihn andere Menschen in der Moschee in Sicherheit brachten. Das Frau hinterlässt eine Tochter.

Familienvater versuchte, Attentäter Waffe zu entreißen
Naeem Rashid und sein 21-jähriger Sohn Tahla starben laut „ARY News“ im Krankenhaus in Christchurch, nachdem der Vater versucht hatte, dem Schützen die Waffe zu entreißen. Sein Sohn Tahla wurde ebenfalls erschossen. Naeem kam aus Pakistan, wo er bei einer Bank arbeitete, bevor er nach Christchurch zog, um als Lehrer zu arbeiten. Sein Schwager Khursheed Alam bestätigte, dass die beiden bei dem Angriff getötet wurden.

Ein weiteres Opfer ist Haroon Mahmood (40). Er war seit seiner Promotion als Assistent am Canterbury College, einer Privatschule für Englisch- und Business-Studenten, tätig. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder im Alter von 13 und elf Jahren.

Laut „Stuff“ gehört auch ein nationaler Futsal-Spieler zu den Toten. Der in Kuwait geborene Atta Elayyan, ein Torhüter, wurde erst kürzlich Vater und war ein beliebtes Mitglied der Christchurch-Tech-Industrie. Er war Verwaltungsratsmitglied und Anteilseigner einer Firma namens LWA Solutions.

71-jähriger Mann warf sich in Schüsse des Attentäters
Wie die „Bild“-Zeitung schreibt, warf sich der 71-jährige Daoud Nabi in die Schüsse des Terroristen und versuchte dabei, Mitglieder seiner Gemeinde zu schützen. Laut dem US-Sender NBC wurde er dabei erschossen. Der Ingenieur war zum Freitagsgebet in der Al-Noor-Moschee, sein Sohn Omar wollte ihn eigentlich begleiten - musste aber arbeiten. Die Familie Nabi war in den 80er-Jahren vor dem Krieg in Afghanistan nach Neuseeland geflüchtet, hatte sich hier eine Existenz aufgebaut. „Er hat jedem Flüchtling geholfen, war immer der Erste, der sich gemeldet hat“, sagte sein Sohn Omar.

„Das sind unschuldige Menschen“
Der 60-jährige Prediger Abdulrahman Hashi erzählte der „Washington Post“, dass sein vierjähriger Neffe Abdullahi Dirie unter den Getöteten sei. Am Freitagmorgen habe er einen Anruf seines Schwagers erhalten, der sich derzeit mit Schussverletzungen im Krankenhaus befinde. „Vier seiner Kinder konnten unverletzt davonkommen, aber das jüngste, Abdullahi, wurde getötet“, so der Prediger. Die Familie kam Mitte der 90er-Jahre als Flüchtlinge aus Somalia nach Neuseeland. Über das Blutbad zeigte er sich fassungslos: „Das ist ein Problem des Extremismus. Einige Leute glauben, dass Muslime Teil des Extremismus sind und daher nicht in ihr Land gehören. Aber das sind unschuldige Menschen.“ 

Wie der Sprecher der Syrischen Solidarität Neuseeland, Ali Akil, gegenüber „Stuff“ mitteilte, gehört auch der syrische Flüchtling Khaled Mustafa zu den Opfern. Gemeinsam mit seinen Kindern soll er erst vor wenigen Monaten in Neuseeland angekommen sein. Der Vater starb in der Al-Noor-Moschee, während sein Sohn Hamza offiziell noch vermisst wird. Auch er könnte beim Attentat ums Leben gekommen sein. Ein anderer Sohn, Zaid, 13, überlebte schwer verletzt, er wurde am Freitag sechs Stunden lang operiert.

„Neuseeland ist in Trauer vereint“
Insgesamt 39 Menschen lagen am Samstag noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung. Premierministerin Jacinda Ardern besuchte ein Flüchtlingsheim mit Muslimen. Dabei sagte sie: „Neuseeland ist in Trauer vereint.“ Der Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern blieb bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont.

Nach dem blutigen Anschlag begann unterdessen die Suche nach den Hintergründen und möglichen Versäumnissen der Behörden. Es stelle sich die Frage, warum der Täter trotz seiner extremistischen Ansichten nicht im Visier der Geheimdienste war, sagte Ardern am Samstag. Sie kündigte eine Verschärfung der Waffengesetze an. Der 28-jährige mutmaßliche Attentäter machte auch bei einer Anhörung vor einem Haftrichter aus seiner rechtsextremen Gesinnung keinen Hehl.

Massenmörder zeigte vor Gericht Neonazi-Zeichen
In einem im Internet veröffentlichten Manifest beschreibt er auf 74 Seiten seine rechtsextreme Weltsicht. Die Gerichtsanhörung am Samstag verfolgte er weitgehend unbewegt, machte aber mit der Hand eine Geste, mit der sich weiße Extremisten in aller Welt zu erkennen geben: Dabei werden die Spitzen von Daumen und Zeigefinger zusammengelegt und die anderen Finger abgespreizt, während die Hand nach unten zeigt.

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