Letztgeborene sind nach neuesten Erkenntnissen nicht risikobereiter und draufgängerischer als ihre älteren Geschwister. Die These, dass die Geburtsreihenfolge die Persönlichkeit beeinflusst, wurde nicht nur in den 90er-Jahren besonders prominent vertreten, sondern schon lange und kontrovers in der Psychologie und darüber hinaus diskutiert.
Nesthäckchen unterscheiden sich in Sachen Abenteuerlust und Risikobereitschaft nicht von ihren älteren Geschwistern, fand ein Forscherteam nach umfangreichen Datenanalysen, die keinen Zusammenhang zwischen der Geburtenreihenfolge und der individuellen Risikobereitschaft zeigen, heraus. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung fahndeten nach möglichen Zusammenhängen.
Keine stichhaltigen Hinweise für These
„Die These, dass die Dynamik in der Familie, die wiederum durch die Geburtsreihenfolge geprägt sein könnte, die Risikobereitschaft beeinflusst, scheint durchaus intuitiv und plausibel“, erklärte Max-Planck-Forscher Ralph Hertwig, Mitautor der Studie. Weder in Umfragen noch in experimentellen Versuchen oder in Stichproben historischer Persönlichkeiten seien jedoch Hinweise für diese These gefunden worden.
Geburtenreihenfolge nicht entscheidend für Risikobereitschaft
Die Forscher werteten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) in Deutschland und aus der sogenannten Basel-Berlin Risk Study aus, bei der sich Erwachsene experimentellen Verhaltenstests und einer Selbsteinschätzung unterzogen. Auch recherchiert wurde die Geburtsreihenfolge von fast 200 historischen Entdeckern und Revolutionären. Auch hier fanden sich „keine statistischen Auffälligkeiten“, wie Erstautor Tomas Lejarraga berichtete.
Martin Luther, Christoph Kolumbus und die britische Abenteurerin Mary Kingsley - allesamt Erstgeborene - zeigen, dass es wohl andere Faktoren als die Geburtenreihenfolge geben muss, die dazu führen, dass Menschen sich für ein risikoreiches Leben entscheiden - so das Fazit der Forscher.
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