Blackwater-Affäre
US-Armee mit Comic-Figuren um Waffen betrogen
"Eric Cartman", eine Figur aus der bekannten Trickfilmserie "South Park", holte im September 2008 mehr als 200 Kalaschnikow-Gewehre aus dem Waffenlager "22 Bunkers" der US-Armee in Afghanistan ab. Bei mindestens einer weiteren Abholung sollen sich Beschäftigte der Blackwater-Tochter Paravant mit Pistolen eingedeckt haben. Möglicherweise gab es Dutzende solcher Abholungen.
Die Waffen waren eigentlich für die afghanische Polizei und "echte" US-Soldaten bestimmt. Ein Armee-Angehöriger, dem freundschaftliche Kontakte zu Blackwater-Mitarbeitern nachgesagt werden, soll eine illegale Ausgabe in die Wege geleitet haben.
US-General David Petraeus teilte dem Untersuchungsausschuss mit, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Erlaubnis gegeben, die privaten Vertragspartnern Zugriff auf das Waffenmagazin gewährt hätte. Den betreffenden Paravant-Mitarbeitern sei es außerdem verboten gewesen, Waffen zu tragen. Sie waren als Ausbildner für die afghanische Polizei engagiert gewesen.
Obwohl der Firma später aufgetragen wurde, die Waffen zurückzugeben, sei dies nur bei einem geringen Teil passiert, heißt es aus dem Senats-Untersuchungsausschuss. Dem Verteidigungsministerium werfen die Ausschussmitglieder vor, nachlässig bei der Überwachung seiner Vertragspartner zu sein. Blackwater habe entgegen den Vorschriften Vorbestrafte und Drogensüchtige als private Söldner eingestellt.
Betrunken auf Afghanen gefeuert
Das "Senate Armed Services Committee" arbeitet sei Monaten die Machenschaften des unter der Regierung von George W. Bush zum größten privaten Armeedienstleister aufgestiegenen Unternehmens auf. Hintergrund ist die Ermordung zweier Afghanen am 5. Mai 2009, für die zwei Paravant-Mitarbeiter verhaftet und angeklagt wurden. Sie sollen nach einem durch Trunkenheit verursachten Autounfall in Kabul das Feuer auf Zivilisten eröffnet habe und dabei zwei Männer getötet sowie einen dritten schwer verletzt haben.
Die als Polizei-Ausbildner engagierten Männer hätten eigentlich gar keine Waffen tragen dürfen. Im Zuge der Untersuchung wurde aber bekannt, dass es vom Blackwater-Führungspersonal die Direktive gab, "Waffen für alle" zu besorgen. Die Armee soll davon gewusst, aber nicht reagiert haben. Auch tauchten Beweise auf, dass Blackwater das Verteidigungsministerium über Jahre hinweg mit Doppelverrechnungen und Scheinleistungen abgezockt hat. Mehrere Ex-Mitarbeiter meldeten sich als Informanten.
Blackwater immer wieder Fall für die US-Justiz
Gewalttaten von Blackwater-Angestellten beschäftigten inzwischen wiederholt die Justiz. Blackwater soll im Jahr 2004 an Kommandoaktionen in Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst CIA beteiligt gewesen sein, bei denen Al-Kaida-Mitglieder im Irak und in Afghanistan gefangen genommen oder getötet werden sollten. Ende März 2004 wurden in Falluja im Irak vier Blackwater-Angestellte von einer wütenden Menschenmenge umgebracht.
Am 31. Dezember 2009 war in den USA der Prozess gegen fünf frühere Blackwater-Angestellte geplatzt, die wegen des Todes von mindestens 14 Zivilisten bei einer Schießerei in Bagdad im September 2007 angeklagt waren. Ein Bundesgericht entschied, dass die Vorwürfe auf nicht korrekt eingebrachten Beweismitteln beruhten.
Die irakische Regierung kündigte daraufhin an, dass sie eigene juristische Schritte gegen die Wachmänner einleiten werde. Mitte Februar verwies die irakische Regierung 250 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter Blackwaters des Landes. Blackwater hatte nach der Schießerei seinen Firmennamen in "Xe Services" geändert.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.