2,5 Mio. € "fehlten"
Deutsche Senioren-Bande entführte Finanzberater
Bei den Angeklagten im Alter von 60 bis 79 Jahren handelt es sich um zwei Ehepaare und einen früheren Mitarbeiter des Finanzberaters. Hauptbeschuldigt ist ein 74-Jähriger. Dieser sagte dem Gericht zufolge am Montag aus, es habe sich nicht um eine Entführung gehandelt, sondern der Mann sei von ihnen zu einem "Urlaub" in Oberbayern eingeladen worden.
Die zwei Ehepaare besitzen im US-Bundesstaat Florida Häuser und kamen dort mit ihrem späteren Opfer in Kontakt, auf dessen Anraten sie 1,4 Millionen US-Dollar anlegten. James A. hatte zunächst regelmäßig Zinsen für das Geld gezahlt, im Zuge der US-Immobilienkrise aber plötzlich nicht mehr. Nachdem sein früherer Mitarbeiter nach eigener Auffassung noch Geldansprüche an A. hatte, fassten die fünf laut Anklage gemeinsam den Entschluss, den deutsch-amerikanischen Berater zu entführen, da sie keine legale Möglichkeit besaßen, in den USA oder Deutschland an ihr Geld zu kommen.
Opfer vor dessen Haus aufgelauert
Im Juni 2009 fuhren der 74-Jährige und der 60-Jährige zum Haus ihres Opfers in Speyer. Sie lauerten diesem der Anklage zufolge dort auf, fesselten ihn und verklebten seinen Mund mit Isolierband. Die Männer legten ihr Opfer in einer Kiste, luden diese in den Kofferraum ihres Wagens und brachten den Mann so in ihr Versteck.
Drei Tage sollen die Angeklagten ihr Opfer in Chieming am Chiemsee in einem Kellerraum gefangen gehalten haben. In dieser Zeit habe sich der Finanzberater "einer Art Femegericht" stellen müssen, in dem ihm klargemacht worden sei, dass er umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro zahlen müsse.
Der verängstigte Mann wies der Anklage zufolge tatsächlich seine Banken zur Auszahlung hoher Summen an. Auf einen Überweisungsträger schrieb er allerdings die kryptische Mitteilung "Sell 100 Call Pol.ICE - bitte heute!" ("Verkaufe 100 Ruf die Polizei"). Der Bankmitarbeiter entschlüsselte die Aufforderung und alarmierte die Polizei. Ein Sondereinsatzkommando sprengte das Opfer am vierten Tag nach seiner Entführung regelrecht aus seinem Verlies.
Haupttäter drohen bis zu 15 Jahre Haft
Die 2. Strafkammer des Landgerichts Traunstein hat sich sechs Tage Zeit für die juristische Aufarbeitung des Falles genommen. Dem mutmaßlichen Haupttäter drohen bis zu 15 Jahre Haft. Er wäre bei seiner Entlassung ein Greis von fast 90 Jahren.
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