Reichspogromnacht

Gedenken: Eine Reise nach Israel als Auftrag

Tirol
10.11.2018 11:46

Eine 20-köpfige Tiroler Delegation rund um LH Günther Platter ging diese Woche in Israel auf Spurensuche - und betrat damit Neuland!

Tel Aviv, Esther Hamalka Street 7. Eine unscheinbare Tür. „Klub der österreichischen Pensionisten“ steht darüber. Jünger als 80 ist keiner von denen, die heute zu dem Treffen mit Gästen aus Tirol gekommen sind. Auch Judith Smetana (82) und Abraham Gafni (90) sind hier. Zwei gebürtige Innsbrucker, die dem Holocaust nur knapp entkommen konnten.

Smetana und Gafni gehören zu den letzten Zeitzeugen. Auch dem Landeshauptmann von Tirol schildern sie heute ihre Geschichte. Der ist mit einer 20-köpfigen Delegation angereist. Es ist die erste offizielle Israel-Reise des Landes dieser Art. Grund ist das Gedenken an die 80 Jahre zurückliegende Reichspogromnacht, in der die Nazis in Innsbruck besonders grausam wüteten. Es ist eine wichtige Reise. Spät, aber nicht zu spät.

Berührende Begegnung
„Meine Generation und die Generationen nach mir haben diese Verbrechen nicht mehr direkt erlebt. Dennoch tragen wir eine große Verantwortung, dass solche Gräuel nie wieder passieren“, sagt Platter im Gespräch mit Smetana und Gafni. Es ist eine berührende Begegnung. Die Stimmung ist herzlich, entspannt, familiär. Man spricht über früher - aber vor allem über heute. Gafni nimmt die Hand des Landeshauptmanns und zeigt ihm, wie man mit gekonntem Griff Rückenschmerzen lindern kann. Es scheint, dass auch ein wenig von der Last der Geschichte vom Repräsentanten jenes Landes abgefallen ist, das sich so lange nur als Opfer sah.

Gedenken in Jerusalem
Für jene, die es waren, steht in Jerusalem die Gedenkstätte Yad Vashem. Dort legt Platter einen Kranz nieder, nachdem die Delegation das eindrucksvolle Museum besucht hat. Hier wird den 6 Millionen Holocaust-Opfern ein Gesicht gegeben. Erzählt wird auch, wie es zur katastrophalen Verirrung von Menschen kommen kann. Die Besucher sollen verstehen, wie man zum Täter wird, zum Mitläufer, zu einem, der schweigt. Der Pogromnacht ist ein Raum gewidmet. Hier hängt ein Plakat, auf dem mit Hilfe des beliebten Tiroler Aufrufs „Mander s’ischt Zeit“ zur Judenverfolgung aufgerufen wird.

Auch Tiroler Gerechte
Yad Vashem erzählt nicht nur von den Opfern und Tätern. Yad Vashem erzählt auch von den Gerechten, die in der Nazizeit Zivilcourage bewiesen und Juden retteten. Auch 17 Tiroler tragen den Titel Gerechte. Sie sind in einem Garten verewigt. Zum Schluss tauchen die Besucher in das Lichtermeer ein, mit dem der 1,5 Millionen ermordeten Kinder gedacht wird. „Die Annäherung an das, was passiert ist, lässt uns erkennen, welche Verantwortung wir heute tragen. Wir sind als Menschen gefragt, uns nicht in der Masse zu ducken, sondern Zivilcourage zu zeigen“, sagt Innsbrucks Bischof Hermann Glettler danach tief bewegt.

Die Reise ist auch für die Kirche in Tirol eine Besonderheit. Wichtiger Teilnehmer ist Günter Lieder, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg. „Wenn einmal keine Zeitzeugen mehr da sind, ist es an uns, ihre Geschichten zu erzählen“, spricht auch Lieder von einem Auftrag.

Gemeinsames Gebet 
Vor der Grabeskirche im Herzen von Jerusalem gestaltet Glettler gemeinsam mit dem Superintendenten der Evangelischen Kirche, Olivier Dantine, eine Andacht. Beim Besuch im Österreichischen Hospiz und beim Treffen mit dem apostolischen Administrator von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, werden jahrhundertealte Beziehungen zwischen Tirol und der Heiligen Stadt ins Bewusstsein gerufen.

Um die Beziehungen von heute und morgen geht es in der Knesset, dem Parlament Israels, und im „Peres-Center for Peace and Innovation“ in Jaffa. Der Auftrag der Reise ist klar: Vergangenes nicht vergessen, um die Zukunft zu verbessern.

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