Mo, 19. November 2018

„Krone“-Interview

09.11.2018 19:00

US-Botschafter: „Wahlergebnisse gut für Europa“

US-Botschafter Trevor Traina analysiert in der „Krone“ die Entscheidung des amerikanischen Wahlvolks und die Folgen.

„Krone“: Herr Botschafter: Zeigen die Wahlergebnisse die Vertiefung der Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft?
Trevor: Traina: Es gab sehr vielfältige und ungewöhnliche Wahlduelle und auch sehr knappe Ergebnisse. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die roten (republikanischen) Gebiete röter wurden - und die blauen (demokratischen) Gebiete blauer wurden.

Der gespaltene Kongress wird den Präsidenten zu Kompromissen nötigen. Präsident Trump nennt sich selbst einen Deal-Maker, aber ist er auch ein „Kompromissler“?
Dieser Präsident ist kein traditioneller Präsident. Er konzentriert sich auf Themen, die er bewältigen will. Das mag ihm jetzt helfen, denn er ist kein gänzlich ideologischer Republikaner. Es gibt Probleme wie Ausgaben für Infrastruktur und sogar Immigration, wo es mit Demokraten ein Einvernehmen geben könnte. Es ist wichtig festzuhalten, dass die Republikaner, als sie im Repräsentantenhaus die Mehrheit hatten, nicht immer einer Meinung waren, und so wird es auch bei der knappen Mehrheit der Demokraten sein.

Welche Auswirkung wird die Wahl auf Europa haben?
Die Wahlergebnisse sind gut für Europa. In Europa weiß man jetzt, dass der Präsident den Senat fest hinter sich hat, etwa für handelspolitische Entscheidungen. Der transatlantische Dialog wird fortgesetzt, und ich hoffe und erwarte, dass die Handelsfragen sehr rasch gelöst werden. Das sind sehr gute Nachrichten für Österreich. Präsident Trump wird für eine starke Wirtschaft sorgen, und Amerika wird ein starker und wachsender Handelspartner Österreichs sein. Ich bin doch immer wieder überrascht, wie wenig es in Österreich bekannt ist, dass nur Deutschland mehr Produkte aus Österreich kauft als Amerika.

Aber kein Präsident hat doch mehr zur Entfremdung, ja Zerstörung der transatlantischen Partnerschaft beigetragen als Trump!
Ich glaube, es ist wichtig, hinter die Schlagzeilen zu schauen. Zuweilen achten die Menschen mehr auf die Worte des Präsidenten als auf seine Taten. Als persönlicher Abgesandter des Präsidenten habe ich ein anderes Bild: mehr Verpflichtung für die NATO, mehr Geld, mehr Soldaten, mehr Konzentration auf Europas Verteidigung. Es gibt zuweilen unangenehme Gespräche, aber wir schreiten doch voran.

Sie haben das Handicap, Botschafter Herrn Trumps zu sein. Sie überspielen das sehr geschickt durch eine Charmeoffensive. Was sind Ihre Ziele in Österreich?
Dazu zwei Dinge: Ich bin vom Senat einstimmig - also mit den Demokraten - als Botschafter bestätigt worden. Deshalb repräsentiere ich alle Amerikaner gegenüber allen Österreichern. Zweitens gibt es auch einen persönlichen Hintergrund. Ich bin der Enkel eines US-Botschafters in Österreich. Ich habe Österreich oft besucht, und ich habe eine Leidenschaft für seine Kultur - inklusive der Weinkultur - und natürlich verbindet mich auch mein technologisches Interesse mit Österreich. Deshalb macht mir die Tätigkeit hier nichts als Freude. Und ich habe den Eindruck, dass ich hier sehr wohlwollend aufgenommen werde, und ich kann auch schon auf Erfolge zählen.

Apropos technologisches Interesse: Sie sind ein amerikanischer Internet- und Digital-Champion. Wie beurteilen Sie den Stand der Digitalisierung in Österreich?
Ich bin immer wieder überrascht über die Qualität österreichischer Unternehmer. Ihr Unternehmergeist ist unglaublich. Aber ich glaube, dass die Bedingungen verbesserungswürdig sind, damit sich das digitale Business erfolgreicher entfalten kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Österreich besonders erfolgreich ist im Maschinenbau. Deshalb glaube ich, dass es große Möglichkeiten gibt, dort auf digitaler Ebene tätig zu sein.

Österreich und andere Staaten in Europa ringen um die Besteuerung der digitalen Wirtschaft - und sie meinen damit die amerikanischen Internet-Riesen, befürchten aber Gegenmaßnahmen aus den USA.
Ich halte die Internetsteuer für keine gute Idee. Sie würde auch europäische Firmen treffen. Das ist bisher viel zu wenig beachtet worden. Alle Autofirmen wären davon betroffen und damit auch ihre Kunden. Auch europäische Firmen wie Spotify wären davon betroffen. Überdies ist es meine Meinung: Eine der Ursachen, weshalb es nicht mehr europäische Global Players gibt, ist nicht die amerikanische Konkurrenz, sondern weil in Europa zu wenig getan wird, diese Art des Business zu ermutigen. Die Digitalsteuer, über die geredet wird, wäre für Europa ein großer Rückschritt und würde digitale Innovation in Europa behindern.

Washington hält sich zwar mit Kritik zurück, aber dennoch die Frage: Ist Österreich zu nahe an Russlands Interessen?
Es ist mir vollkommen bewusst, dass es zwischen Russland und Österreich lange und fruchtbare Beziehungen gibt. Ich habe keine Absicht, die Beziehungen zu stören. Ebenso ist Österreich ein wichtiges Mitglied der EU, und eine Reihe von Mitgliedsstaaten hat spezielle Angelegenheiten mit Russland, die auch Österreich zu berücksichtigen und zu würdigen hat. Russland machte einen guten Job, gute Beziehungen zu Österreich zu entwickeln. Ich möchte, dass Amerika einen gleich guten Job macht, weil ich Österreich als natürlichen besten Freund Amerikas betrachte.

Interview: Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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