So, 16. Dezember 2018

Swiftig-giftig

26.09.2018 23:47

Swift Sport: Suzukis jugendlicher Leichtsinn

Zitronengelb, krawallige Rallye-Streifen, Carbonoptik an Dach und Spoilern, zwei fette Auspuffrohre, keine 3,90 Meter lang - so etwas fahren doch die Leute, vor denen uns unsere Eltern früher gewarnt haben. Ja, genau, und sie hatten Spaß auf der Straße. Darf man das heute noch? Sagen wir so: Wer viel fragt, der viel irrt. Und der Suzuki Swift macht irrsinnig viel Spaß!

Heutige Hot Hatches, wie die Steilheck-Rennsemmeln genannt werden, brauchen 180, eigentlich sogar 200 PS, wenn sie einen sportlichen Beinamen haben, um ernst genommen zu werden. VW Polo GTI, Ford Fiesta ST usw. Und der Swift? Lässt gerade einmal 140 PS von der Steuerkette, die im 1373 ccm kleinen Vierzylinder läuft. Wobei - klein? Immerhin größer als der 163-PS-Murl im Mercedes A 200. Aber das nur am Rande.

Doch der Swift kommt übers Gewicht: 970 kg bringt er ohne Fahrer auf die Waage, das sind 150 kg weniger als bei einem gleich starken Dreizylinder-Fiesta. Nachvollziehbar, wenn man einfach mal die Tür öffnet - denn dann glaubt man, nichts in der Hand zu haben, so leicht sind sie.

Wirkt stärker, als er ist
Außerdem hat er einen großartigen Motor, der richtig Stoff gibt! Kein Turboloch, stattdessen braves Raustraben aus dem Drehzahlkeller schon ab 1000 Touren. So einen Durchzug hätte ich dem Reiskocher nicht zugetraut, schließlich liegt das maximale Drehmoment von beachtlichen 230 Nm erst bei 2500/min. an. Fühlt sich alles stärker an, als es ist - nicht nur weil die Vorderräder an der Lenkung zerren.

Er klingt wie früher, kein künstlicher Motorsound aus den Lautsprechern, hier ist alles echt. Nur beim roten Bereich des Drehzahlmessers haben sie geschummelt: Der beginnt bei ca. 6250/min., obwohl der Motor schon bei 6000/min. in den Begrenzer rennt. In 8,1 Sekunden geht‘s von null auf 100 km/h, maximal gehen 210 km/h. Da geht auch der Testverbrauch voll in Ordnung: 6,5 l/100 km.

Lenkung nicht vergleichbar mit Standard-Swift
Nochmal zur Lenkung: Die ist eine der großen Überraschungen am Swift Sport, weil nicht vergleichbar mit der im Standard-Swift. Dort: gefühllos und mit so wenig Rückstellkraft, dass das Auto nicht von selbst die Geradeaus-Richtung findet. Hier hingegen, im Suzuki Swift Sport, finden wir das genaue Gegenteil: Man hat richtig was in der Hand, spürt, was auf der Straße vor sich geht und bekommt gute Rückmeldung. Bravo! Noch dazu ist der Wendkreis mit 10,20 Metern extrem klein.

Ebenso knackig ist das manuelle Sechsganggetriebe, das schnell und präzise zu schalten ist. Außerdem liegt der Sport-Swift gut mit seinem Sportfahrwerk. Dazu tragen Monroe-Stoßdämpfer vorn und hinten, verstärkte Stabilisatoren und Lager vorne sowie eine steifere Verbundlenkerachse hinten bei.

Wo kommt der ganze Platz her?
Wie alle Swift ist auch der Sport ein Raumwunder. Wie kann ein Auto auf 3,89 Meter Länge so viel Platz bieten? Ich kann mit knapp 1,90 Meter Körpergröße quasi „hinter mir“ sitzen, es zwickt nur ein wenig an den Knien. In den Kofferraum passen 265 Liter, 947 Liter sind es, wenn man die Rücksitzlehnen umklappt.

Nicht so genau hinschauen…
Natürlich ist der Suzuki Swift Sport kein hochwertiger Feingeist. Im Innenraum dominiert hartes Plastik, die ganze Anmutung ist eher altbacken. Aber he, es ist alles da, was man braucht, sogar ein Touchscreen. Der bringt mit seinen bunten Kacheln auch etwas Farbe ins Spiel, auf die ich an anderer Stelle gerne verzichten würde, denn die rote Zierblende wirkt einfach nur billig.

Was wirklich gut ist, sind die Sportsitze. Bequem, eng geschnitten, guter Seitenhalt, passt.

… aber überraschen lassen
In Sachen Elektronik hat Suzuki in die Vollen gegriffen, denn den Swift Sport gibt es nur in Vollausstattung. Dazu gehören z.B. Assistenzsysteme wie der Abstandstempomat, die Rückfahrkamera, der aktive Spurhalteassistent oder das automatische Notbremssystem. Leider warnt der Abstandswarner penetrant und aus nichtigsten Anlässen und muss zudem nach jedem Motorstart neu abgeschaltet werden, wenn er nervt. Und das tut er eigentlich ständig. Beim Spurhalteassistent hingegen gilt einmal aus, immer aus.

Unterm Strich
So wenig Auto, gleichzeitig so viel, und vor allem: so viel Spaß! Der Swift Sport fährt sich absolut spielerisch, wuselt durch die Gassen, auch mit der Handbremse ums Eck, und fühlt sich stärker an, als er ist. Das Beste zum Schluss: Mit 21.990 Euro ist er verhältnismäßig günstig, weil immer komplett vollausgestattet. Einzige Option in der Preisliste: Pearl- und Metallic-Lackierung um 390 Euro. Sogar die Beklebung des Testwagens ist serienmäßig. Nicht inkludiert ist die Antwort auf die Frage: „Wissen Sie, warum wir Sie aufgehalten haben?“

Warum?
Weil er einfach Spaß macht
Ungewöhnlich gute Lenkung
Sehr kräftiger Motor, geringes Gewicht

Warum nicht?
Keine Option auf weniger Ausstattung und entsprechend geringeren Preis

Oder vielleicht …
… Seat Ibiza, Opel Corsa GSi, Ford Fiesta ST-Line, Abarth 595, Mini

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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