Sa, 18. August 2018

Sogar mit Allrad

23.04.2018 16:00

Suzuki Swift: Lieber leicht gegen den Strom

Kleinwagen sind heutzutage schon lange nicht mehr das, als was sie bezeichnet werden. VW Polo & Co. werden von Generation größer und komfortabler und müssen Vergleiche mit Vertretern der Kompaktklasse nicht scheuen. Ja, die Grenzen zwischen den Segmenten verschwimmen längst. Wie gut, dass es den Suzuki Swift gibt!

Der ist noch immer ein echter Kleinwagen, der - leicht, wie er ist - spaßig durch die Stadt zu wuseln ist.

Und mit Allradantrieb gibt es ihn auch!
Das ist wiederum der beste Anachronismus: Meist muss man viel Geld in starke Motoren und komplette Ausstattung investieren, um das Privileg zu genießen, Allradantrieb mitbestellen zu dürfen. Abgesehen davon, dass Suzuki (abgesehen vom Fiat Panda) die einzige Marke ist, die in dieser Fahrzeugklasse auf Wunsch alle viere antreibt. Beim Swift heißt die Rechnung 4x4 = mindestens 17.490 Euro, was 3000 Euro Aufpreis auf die Frontantriebsversion bedeutet. Dafür bekommt man permanenten Allradantrieb mit Viscokupplung, muss zugunsten einer Starrachse hinten aber auf Verbundlenker verzichten.

Alternativlos ist in dem Fall der 90 PS leistende 1,2-Liter Vierzylinder-Benziner, der auf Wunsch als Mildhybrid mit integriertem Startergenerator geliefert wird. Der schiebt beim Anfahren mit Elektropower nach, was den Antritt etwas erwachsener macht, sich aber nicht wirklich auf die Beschleunigungswerte auswirkt: Ob mit oder ohne SHVS (= Smart Hybrid Vehicle by Suzuki) braucht der nach DIN 961 bzw. 978 kg schwere Wagen 12,6 Sekunden.

Lass den Dreizylinder-Turbo los!
Wer einfach einen flotten Kleinwagen mit Frontantrieb sucht, ist mit dem anderen verfügbaren Motor besser bedient. Der hat zwar einen Zylinder weniger und nur einen Liter Hubraum, dafür aber 22 PS mehr. Klar, man hört den Dreizylinder; vor allem wenn man ihn Richtung Begrenzer (bei 6000/min.) dreht, röhrt er ziemlich rotzig. Aber er passt gut zum Charakter des Autos und wird erst laut, wenn man ihn fordert. Und weil der Swift nur 916 kg wiegt, ist man richtig spritzig unterwegs. 10,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind die eine Sache, die gefühlte Leichtigkeit im Stadtverkehr die andere. Man muss sich beinahe zwingen, nicht von Spur zu Spur zu hüpfen und die anderen Autos als Slalomstangen zu nutzen.

Das macht Spaß, obwohl dem kleinen Japaner etwas eigentlich Essentielles fehlt: eine gefühlvolle Lenkung. Ja, er besitzt eine Lenkung, aber die vermittelt keinerlei Rückmeldung. Außerdem stellt sie sich nicht von selbst zurück auf geradeaus, sondern bleibt leicht schräg gestellt, wenn man das Lenkrad nach einer leichten Kurve nicht aktiv in die Mittenstellung zurückholt.

Ansonsten ist dem Kleinen nicht viel vorzuwerfen. Das Fahrwerk macht einen guten Job, ohne übertrieben hart oder weich zu werden. Auf 3,84 Meter Länge bringt der Fünftürer vier Personen sowie 265 Liter Gepäck unter. Klappt man die Rücksitze um, sind es 947 Liter; ein ebener Ladeboden ist aber nicht zu bekommen.

Die Optik außen wirkt frech und spritzig, vor allem wenn das Dach in Kontrastfarbe gehalten ist. Die Anmutung im Innenraum kann da nicht ganz mithalten, hartes Plastik und eher billige Japan-Anmutung wie früher allüberall. Das Navitainment krankt an teilweise zu kleinen Schaltflächen auf dem Touchscreen und nicht immer schlüssigen Menüs. In Wahrheit ist es aber nicht schlechter zu bedienen als andere - und immerhin ist die Klimaregulierung praktischerweise nicht integriert. Gut so!

Bestellt man den Suzuki Swift in der Ausstattung Flash, ist auch in Sachen Ausstattung mehr an Bord, als man es dem Suzuki zutraut: LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Adaptivtempomat, Keyless oder Rückfahrkamera zum Beispiel. Was leider auch an Bord ist, ist ein wirklich übernervöser Auffahrwarner. Den muss man nach jedem Motorstart von neuem deaktivieren, weil er einem sonst den letzten Nerv zieht. Danach wird der Fahrer ständig durch eine auffällige, gelbe Kontrollleuchte daran erinnert. Schönen Gruß nach Hamamatsu, solche Kleinigkeiten können kaufentscheidend sein!

Unterm Strich
Andere heißen Mini, der Suzuki Swift ist es. Im besten Sinne. Schon sein geringes Gewicht ist ein Highlight. Ein Kleinwagen darf klein sein, vor allem wenn er so viel Platz bietet. Lange Strecken wird man mit ihm nicht zurücklegen wollen, aber er in der Stadt ist er ein Hit. Kein Wunder, dass er bei den World Car Awards 2018 einen dritten Platz einfahren konnte - in der Wertung World Urban Car of the Year. Da ist der Kleine also richtig groß.

Warum?
Kleinwagen mit Allradantrieb - eine aussterbende Spezies
Sehr leicht, dadurch spritzig (vor allem mit dem Dreizylinder-Turbo)

Warum nicht?
Automatik-Version hat ein CVT-Getriebe

Oder vielleicht …
… Ford Fiesta, Kia Rio, Seat Ibiza, Nissan Micra, Honda Jazz. Mazda2

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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