Regimegegner-Demo

Iran: Zehntausende bei Beerdigung von Montazeri

Ausland
21.12.2009 08:13
Zur Beerdigung des iranischen Regimekritikers Hossein Ali Montazeri sind laut Opposition Zehntausende Anhänger des Großayatollahs in die heilige Stadt Ghom geströmt. Dabei skandierten sie auch Slogans zur Unterstützung von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi. Der Abschied von dem hochrangigen Geistlichen entwickelte sich damit offenbar zu einer Demonstration der Stärke der Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinejad.

Der Großayatollah Montazeri war in der Nacht auf Sonntag im Alter von 87 Jahren gestorben. Er hatte nach der Wiederwahl Ahmadinejads im Juni die Kritiker des umstrittenen Votums unterstützt und war damit zu einer Leitfigur der Opposition geworden.

Regimekritiker auf Weg zu Trauerfeier verhaftet
Iranische Sicherheitskräfte nahmen nach Angaben der Opposition Anhänger Montazeris auf dem Weg zur Beerdigung fest. Ein Bus mit Trauergästen sei demnach bereits in der Hauptstadt Teheran angehalten worden. Vier Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um Familienmitglieder von bereits inhaftierten Reformpolitikern sowie Menschenrechtlern. 

Die Oppositionsführer Moussavi und Mehdi Karroubi hatten zur Teilnahme an dem Trauerzug aufgerufen. Die Sicherheitskräfte in Ghom, das rund 125 km südlich von Teheran liegt, waren nach Angaben von Beobachtern in Alarmbereitschaft. Die Berichterstattung ausländischer Medien ist nach Angaben des Senders BBC weiter eingeschränkt worden.

Unterdessen haben Mitglieder der regierungsnahen Miliz Ansar Hisbollah versucht, Unruhe in den Trauerzug zu bringen. Mit Megaphonen versuchten sie laut Opposition, die Sprechchöre der Menge zu stören. Dies habe einige "Konfrontationen" ausgelöst.

Einflussreicher Geistlicher war Gegner Ahmadinejads
Montazeri galt als einer der einflussreichsten kritischen Geistlichen im Iran und Gegner von Präsident Ahmadinejad. Nach der Islamischen Revolution 1979 hatte Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini den Großayatollah zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Nachdem Montazeri sich aber zunehmend kritisch zur Entwicklung der Islamischen Republik geäußert hatte, fiel er in Ungnade und stand deswegen jahrelang unter Hausarrest.

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