Der 57-Jährige hatte das Gerichtsgebäude um 10.50 Uhr betreten und an der Einlaufstelle nach der Richterin verlangt. Die Mitarbeiterin habe sich durch sein vehementes, erbostes Auftreten bedrängt gefühlt, sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamts. Sie habe ihre Vorgesetzte, eine 42-jährige Rechtspflegerin, gerufen, die anschließend versucht habe, den Mann zu beruhigen - doch sie bezahlte ihr Einschreiten mit dem Leben. Der Verdächtige habe eine Waffe gezogen und ihr in den Kopf geschossen.
Dann verließ der Mann laut Polizei das Gebäude, wobei er die Waffe verloren haben dürfte - sie wurde später vor dem Haus gefunden. Doch er machte kehrt und ging noch einmal in das Gericht, wo er im Eingangsbereich - nur vier Minuten nach der Tat - festgenommen wurde.
Schütze "fühlte sich ungerecht behandelt"
"Aktuell wurde ein Zivilprozess verhandelt", berichtete Wilhelm Tschugguel, der Leiter des Landesgerichts Korneuburg. Das Scheidungsverfahren des Schützen war längst abgeschlossen. Der Mann habe sich aber ungerecht behandelt gefühlt und "hat sich nach Abschluss des Verfahrens immer wieder beschwert", so Tschugguel. Erst am Dienstag soll der Verdächtige bei einem Referenten im Justizministerium diesbezüglich angerufen haben.
Der 57-Jährige habe zugegeben, dass er die Juristin hätte töten wollen, sagte Polzer. Zum Tatzeitpunkt sei der Mann schwer alkoholisiert gewesen. Die Waffe sei eine Pistole FN. Der Mann ist Inhaber einer Waffenbesitzkarte. Die Einvernahme des mutmaßlichen Täters wird laut Polizei noch bis in die Abendstunden dauern. Der Mann habe bei den bisherigen Befragungen aus seiner grundsätzlichen Abneigung gegen die Justiz kein Hehl gemacht.
Eingang weder versperrt noch gesichert
Das Bezirksgericht Hollabrunn ist ein aufwendig restaurierter Gründerzeitbau im Zentrum der Stadt. Vier Richterinnen und 19 Bedienstete sind in dem Gebäude in der Winiwarterstraße beschäftigt. Der Eingang ist weder versperrt noch gesichert. Es gibt keinen Portier und auch keine Sicherheitsschleuse. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner kündigte vor Ort an, dass der Sicherheitsbeirat der Justiz "den verstärkten Einsatz von Sicherheitsschleusen an den Gerichtseingängen prüfen" werde.
Die getötete Frau war Rechtspflegerin in Familienrechtssachen und Vorsteherin der Geschäftsstelle. Sie hinterlässt einen Ehemann und zwei Kinder im Volksschulalter.

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