Südbahnhof ade!

Wien-Meidling wird bis 2012 Funktionen übernehmen

Wien
30.11.2009 14:25
Wien-Meidling ist der neue Südbahnhof - zumindest was die Funktion betrifft. Letzterer schließt am 13. Dezember seine Pforten und wird danach abgerissen, um dem neuen Hauptbahnhof Platz zu machen. Die Station in Meidling wird dagegen bis zur Teilinbetriebnahme des Hauptbahnhofs in drei Jahren zum Fernverkehrsknoten. Außerdem wird für die Regionalzüge der Ostbahn im Bereich des Ostbahnhofs ein Provisorium errichtet.

Aus diesem Grund wurde kräftig investiert und ausgebaut. Zwar ist der Bahnhof Meidling kleiner, es gibt aber auch eine klare Verbesserung für die Reisenden: Im Gegensatz zum Süd- bzw. Ostbahnhof verfügt er über einen U-Bahn-Anschluss.

"Der Umbau des Bahnhofs Meidling ist abgeschlossen", mit diesen Worten hat am Montag Andreas Matthä, Vorstandssprecher der ÖBB-Infrastruktur AG, die modernisierte und vergrößerte Station präsentiert. Insgesamt 63 Millionen Euro wurden in den Ausbau investiert. Geschaffen wurde unter anderem ein neues Reisezentrum, auch zusätzliche Geschäfte wurden errichtet - in einer eigens gegrabenen Passage, der 10.000 Tonnen Erde weichen mussten. Die Bahnsteige selbst wurden angehoben, sie alle sind zudem nun auch mit Liften erreichbar.

55.000 Fahrgäste pro Tag erwartet
Der Verkehrsknotenpunkt Meidling/Philadelphiabrücke zählte schon bisher eher zu den größeren: Allein die ÖBB-Station wird täglich von 45.000 Fahrgästen frequentiert, ab 13. Dezember sollen es rund 10.000 mehr sein. Sie allesamt sind mit einer Reihe von Änderungen konfrontiert, wie Werner Kovarik, Vorstandsdirektor der ÖBB-Personenverkehr AG, betonte. So werden Fernverkehrszüge der Südbahn, die in Meidling bisher einen Stopp eingelegt haben, künftig hier enden bzw. beginnen. Jene der Ostbahn und der Nordbahn (etwa Züge aus Prag), die bisher Meidling nicht anfuhren, werden künftig bis zum neuen Verkehrsknoten weitergeführt.

Relativ wenig ändert sich auch für S-Bahn-Kunden. Der Verkehr über die Stammstrecke bleibt aufrecht. Die Züge werde sogar weiterhin in der Station Südbahnhof halten. Dieser wird zwar ab kommendem Jänner abgerissen, es wurden jedoch neue Aufgänge zum Schweizer Garten geschaffen.

Es wird "ein bisserl Brös'l geben"
Aufgrund der großen Verkehrsdichte werden die Züge nur wenige Minuten in Meidling stehen, wie betont wurde. Von der Gewohnheit, vor Abfahrt eines Zuges sich schon längere Zeit vorher einen Platz - im bereits am Bahnhof stehenden Zug - zu suchen, müssen die ÖBB-Kunden Abstand nehmen. Was auch für die Anreise mit dem Auto gilt: Mangels Parkplätzen sollte diese unterlassen werden. Zumindest steht Reisenden, die von ihren Liebsten zum Zug gebracht werden, eine "Kiss&Ride-Anlage" zur Verfügung.

Die Öffis werden auf die neue Rolle Meidlings Rücksicht nehmen, wurde versichert. So werden etwa die Intervalle der U-Bahn-Linie U6 verdichtet. Auch der Flughafenbus wird künftig in Meidling stationiert sein. Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) ersuchte die Reisenden jedenfalls um Nachsicht bei möglicherweise auftretenden Problemen: "Wenn man einen Bahnhof aus dem System herausnimmt, wird das ein bisserl Brös'l geben." Die baulichen Veränderungen in Meidling werden übrigens nicht mehr rückgängig gemacht. Auch nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs wird die Station Meidling weiterhin ein wichtiger Nahverkehrsknoten sein, betonte ÖBB-Vorstandssprecher Peter Klugar.

Ostbahnhof-Provisorium in Startlöchern
Noch sieht der Containerbau aus wie ein Baumarkt - spätestens mit dem ÖBB-Fahrplanwechsel vom 12. auf den 13. Dezember wird das Ostbahnhof-Provisorium jedoch auch in seiner äußeren Gestalt seinen Aufgaben entsprechen. Seit Juni errichten die Bundesbahnen für den Regionalverkehr, der bisher am Ostbahnhof abgewickelt wurde, an der Arsenalstraße ein Provisorium, damit das gemeinsame Gebäude des Süd- und Ostbahnhofes abgetragen werden kann. Bis zur Teilinbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs am 9. Dezember 2012 bleibt der Neubau dann in Aktion.

Dazu wurden schrittweise die einst 380 bis 420 Meter langen zehn Bahnsteigkanten und Gleise um 150 Meter in Richtung altem Gebäude gekürzt. Auch wurde ein zusätzlicher Bahnsteig gebaut, um das erwartete Verkehrsaufkommen bewältigen zu können. Der letzte in alter Länge, der derzeit für Fernreisezüge und ihre Fahrgäste noch als Verbindung zum Südbahnhof dient, wird ab dem 14. Dezember verkürzt. Rund eine Woche ist für diese Arbeiten eingeplant.

Dann finden die Fahrgäste in dem rotverschalten Containerbau, der dem jetzigen Westbahnhofprovisorium ähnelt, alles, was das Herz des Bahnreisenden begehrt: Fahrkartenschalter, Infopoint und Bäcker. Davor sind Kurzpark-, Taxistell- und Fahrradparkplätze eingeplant sowie die Bushaltestelle für den 69A. Zur neuen S-Bahn-Station Südbahnhof werden Fahrgäste dann über einen Gehweg entlang des Schweizer Gartens geschleust.

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