Tausende empört
Demos von Opel-Mitarbeitern gegen Mutterkonzern GM
General Motors will den deutschen Autobauer nun in Eigenregie sanieren. Der Opel-Betriebsrat lehnt unter diesen Umständen Lohnzugeständnisse ab. Zudem verlangt der Betriebsrat die sofortige Auszahlung von gestundeten Tariferhöhungen. Draufhin drohte GM am Mittwoch offen mit einer Insolvenz der europäischen Tochter, falls keine Einigung über die Sparmaßnahmen erreicht werde.
GM will Milliardenkredit zurückzahlen
GM will den Milliardenkredit der deutschen Bundesregierung für Opel zurückzahlen und in Kürze mit der Sanierung des Unternehmens beginnen. Das Detroiter Unternehmen sei bereit, den deutschen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückzuzahlen, sagte GM-Chef Fritz Henderson am Donnerstag in Detroit.
Henderson zeigte sich "zuversichtlich", dass GM die geplante Umstrukturierung finanziell stemmen könne. Bei Opel und der britischen Tochter Vauxhall könnten bereits in den kommenden "Tagen oder Wochen" neue Führungsspitzen eingesetzt werden. Opel soll nach dem Willen seines Mutterkonzerns den Großteil des Finanzbedarfs von drei Milliarden Euro selbst tragen. Die finanzielle Lage von Opel habe sich verbessert. Der US-Konzern werde aber auch europäische Regierungen um Unterstützung bitten, sagte Henderson.
Opel-Standort Wien-Aspern nicht in Gefahr
Heimische Politiker wie Experten rechnen zwar auch mit Einsparungen bei der Niederlassung in Wien-Aspern - wo rund 1.800 Menschen arbeiten -, von einer Schließung des Motoren- und Getriebewerks geht aber niemand aus.
Wie sehen die Opel-Mitarbeiter in Wien ihre Zukunft? Siehe krone.tv-Clip in der Infobox!
Politik fordert von GM Konzept
Arbeitnehmervertreter und Politik bereiten sich auf Verhandlungen mit GM vor: Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte GM auf, unverzüglich ein Konzept vorzulegen. "Wir erwarten jetzt einen Plan, wie Opel wieder fit und flott gemacht werden kann", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir erwarten von Opel und von GM, dass die Arbeitsplätze in Deutschland gehalten werden." Erst wenn dieser Plan vorliege, könne man darüber reden, welche staatlichen Hilfen möglich seien. "Die Amerikaner dürfen nicht glauben, dass sie Deutschland in irgendeiner Form erpressen können."
Betriebsratchef für mehr Eigenständigkeit
Opel-Betriebsratschef Klaus Franz forderte vor knapp 10.000 Beschäftigten am Stammwerk des Autobauers in Rüsselsheim mehr Eigenständigkeit für den Autobauer unter dem Dach von GM. "Die Adam Opel GmbH muss in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird", sagte Franz. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter werfen den GM-Managern seit längerem vor, Opel durch Arroganz gegenüber den Interessen europäischer Kunden und eine falsche Modellpolitik in die Krise geführt zu haben.
Auch das GM-Sanierungskonzept für Opel vom Mai 2009, auf dem der US-Konzern seinen neuen Restrukturierungsplan aufbauen will, lehnt Franz ab. Danach sollten drei Werke geschlossen werden. GM kündigte aber bereits an, dass Bochum möglicherweise überleben könne. Es könne eine attraktive Lösung geben, sagte Smith. Das sei aber noch nicht entschieden. In Nordrhein-Westfalen stehen im kommenden Jahr Landtagswahlen an. Hingegen droht dem Werk in Eisenach weiter eine zweijährige Stilllegung, das Werk im belgischen Antwerpen steht vor dem Aus.
Keine Mitarbeiterbeiträge für GM
Franz betonte jedoch trotz der Insolvenz-Drohung erneut, dass die Mitarbeiter für GM anders als für den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna keine Opfer bringen wollen: "Für das GM-Konzept vom Mai gibt es keinen Cent Mitarbeiterbeiträge." Mit Magna hatten sich die Arbeitnehmer auf einen jährlichen Gehaltsverzicht von 265 Millionen Euro geeinigt.
Nach Smiths Darstellung ist die Sorge über Massenentlassungen unbegründet. GM wolle rund 10.000 der insgesamt gut 50.000 Opel-Arbeitsplätze in Europa streichen. Das wären in etwa genauso viele wie von Magna vorgesehen. Dies sei nötig, um die Kosten um 30 Prozent zu senken und Opel zu einem profitablen Unternehmen zu machen.
Die ausführliche Story über das Scheitern des Opel-Verkaufs sowie Hintergrundberichte findest du in der Infobox!
GM-Europa-Chef kritisiert Mutterkonzern
Auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hat den Mutterkonzern für die Absage des Opel-Verkaufs kritisiert: "So ein plötzlicher Schwenk ist kaum nachzuvollziehen." Er hätte sich gewünscht, "dass es zu einem ganz anderen Ergebnis kommt", betonte Forster. Auch er habe keine Erklärung für das Vorgehen von General Motors in den USA und wisse auch nicht, wie es weitergehe. Auf die Frage, wie das neue Sanierungskonzept für Opel aussieht, sagte Forster: "Ich weiß es nicht. Das müssen wir in den nächsten Tagen erarbeiten. Ich glaube, die wichtigen Herren, die das entschieden haben, wissen es selbst nicht."
Obama von GM-Entscheidung überrascht
Auch US-Präsident Barack Obama ist angeblich von der Entscheidung des GM-Verwaltungsrats überrascht worden, die deutsche Tochterfirma Opel doch nicht zu verkaufen. Der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte am Donnerstag, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit Obama über GM gesprochen, und dieser habe bestätigt, "dass er in die GM-Verwaltungsratsentscheidung nicht eingebunden war". Merkel habe darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung darauf dringen werde, dass General Motors schnellstmöglich eine neue Konzeption zu Opel vorlegt und der Brückenkredit bis Ende November zurückgezahlt wird. Sie sei mit dem US-Präsidenten übereingekommen, "sich über die Thematik weiterhin laufend abzustimmen".



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