„Gottesdienst gestört“

Pater wollte Blinde mit Hund aus Kirche werfen

Bei einem Spaziergang mit ihrem Blindenhund „Mira“ wurde Claudia L. von einer Ordensfrau vor der Linzer Karmelitenkirche dazu eingeladen, am Altar eine Kerze zu entzünden. „Sie dürfen natürlich mit dem Hund reingehen“, sagte die Geistliche. Doch das passte dann einem Pater nicht, der die Blinde zum sofortigen Gehen aufforderte.

„Ich bekenne mich zum Christentum, habe daher das Angebot der Nonne gern angenommen“, sagt Claudia L. Seit 20 Jahren ist sie auf Blindenführhunde angewiesen und war mit ihnen immer wieder in Gotteshäusern verschiedenster Konfessionen: „Es hat nie Probleme gegeben, die Hunde sind zum Teil sogar gesegnet worden.“

Beim Beten gestört
Doch nachdem sie vergangenen Samstag die Kerze entzündet und sich zum Beten in eine Kirchenbank gesetzt hatte, wurde sie von einem Ordensbruder plötzlich aufgefordert, mit dem Hund sofort die Kirche zu verlassen, damit andere Gläubige ungestört beten können.  „Ich hab geantwortet, dass auch ich beten möchte und er mich dabei stört. Und dass ,Mira‘ ein Assistenzhund ist“, so L. Sie weigerte sich standhaft, zu gehen, verließ erst später die Kirche.

Pater: „Habe Assistenzhunde nicht gekannt“
„Mir tut das sehr leid, ich habe Assistenzhunde nicht gekannt“, zeigt sich Pater Paul - siehe nachfolgendes Interview - zerknirscht. „Diese Entschuldigung nehme ich gerne an“, betont L. Pater Paul Saji (42) ist Prior bei den Karmeliten in Linz. Der gebürtige Inder wusste nicht, dass Assistenzhunde auch in Gotteshäuser dürfen.

„Krone“:Herr Pater Saji, Sie haben die blinde Frau L. aufgefordert, mit ihrem Hund sofort die Kirche zu verlassen.
Pater Paul Saji:
Mir tut aus tiefem Herzen leid, was da passiert ist. Wir feierten Wortgottesdienst. Ich dachte, das sei eine Besucherin, die einfach einen Hund mit in die Kirche genommen hat. Meine Sorge war, dass andere davon gestört werden.

Aber Assistenzhunde dürfen sonst fast überall hinein.
Das wusste ich nicht. Ich komme aus Indien, mit einem solchen Fall hatte ich nie zu tun.

Selbst Papst Franziskus hat einmal einen Blindenführhund in einer Kirche gesegnet.
Ich habe jetzt viel dazugelernt und möchte mich bei der Dame auch persönlich entschuldigen. Sie ist jederzeit herzlich eingeladen, uns mit ihrem Hund zu besuchen!

Keine Entlassung
Ausgesprochen hat sich übrigens auch die Mutter der 14-jährigen Autistin Katharina T. mit der LIVA, deren Security das Kind - wie berichtet - am Behinderteneingang zur Linzer Arena unnötig drangsaliert haben soll: „Wir fordern natürlich keine Entlassung, aber mehr Sensibilität.“

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner
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