So, 19. August 2018

Hohlräume-Netzwerk

29.03.2018 17:34

Mediziner entdecken unbekannte Struktur im Körper

US-Mediziner haben im Körper ein Netzwerk entdeckt, das den Organismus durchzieht und möglicherweise an der Ausbreitung von Krebs beteiligt ist. Es gehört zum sogenannten Interstitium, einem Zwischengewebe, das etwa unter der Haut liegt, aber auch die Lungen, den Verdauungstrakt und die Harnwege auskleidet.

Zwar war das Interstitium als festes Gewebe schon bekannt. Doch nun berichteten die Forscher im Fachblatt „Scientific Reports“ von einem Netz von Hohlräumen darin, die Flüssigkeit enthalten und den Körper durchziehen.

Hohlräume waren bis dato unentdeckt
Die Hohlräume waren den Forschern zufolge bisher unentdeckt geblieben, weil die chemische Fixierung von Gewebeproben zwar Zellelemente und Strukturen bewahrt, ihnen aber viel Flüssigkeit entzieht, so dass das Netzwerk kollabiert. Daher gingen Forscher bisher davon aus, dass es sich um dichtes Gewebe handle, nicht um Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.

„Der durch die Fixierung entstandene Kollaps hat dafür gesorgt, dass das flüssigkeitsgefüllte Gewebe, das den ganzen Körper durchzieht, jahrzehntelang in Biopsieproben fest erschien“, sagt Studienleiter Neil Theise vom Mount Sinai Beth Israel Medical Center in New York. „Diese Erkenntnis hat das Potenzial für dramatische Fortschritte in der Medizin, darunter die Möglichkeit, dass Proben der Interstitialflüssigkeit ein wichtiges Diagnosewerkzeug werden.“

Stoßdämpfer für die Organe
Anscheinend dienen die winzigen Kanäle unter anderem als Puffer, wenn sich Gewebe zusammenzieht oder ausdehnt, um die Elastizität zu gewährleisten. Die Forscher vermuten auch, dass etliche Stoffe sich durch das Netzwerk verbreiten können, darunter Signalstoffe wie Hormone oder auch Krebszellen.

Das Team um Theise kam der Entdeckung mit einem relativ jungen Verfahren auf die Spur. Mit der sogenannten Konfokalen Laserendomikroskopie (CLE) lässt sich lebendes Gewebe genau untersuchen. Mit dem Verfahren hatten Ärzte des Krankenhauses 2015 den Gallengang eines Patienten analysiert. Dabei entdeckten sie miteinander verbundene Hohlräume, die noch nicht anatomisch beschrieben waren.

System durchzieht den ganzen Körper
Bei der späteren pathologischen Untersuchung war die netzartige Struktur dann verschwunden. Weitere Analysen dieser fixierten Proben zeigten, dass bestimmte Strukturen Rückstände der kollabierten Hohlräume waren. Andere Untersuchungen zeigten, dass das System den ganzen Körper durchzieht. Würde man das Interstitium als Organ betrachten, würde es zu den größten im Körper zählen.

Christian Trautwein, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vermutet, dass das Netz nicht nur als mechanischer Puffer dient, sondern auch eine Abwehrfunktion hat und Stoffe durch den Körper transportiert. Dies zu klären werde aber noch länger dauern, weil das Interstitium vermutlich je nach Organ verschiedene Aufgaben erfülle. So sei die Grenzfläche etwa im Verdauungstrakt zusätzlich wahrscheinlich sowohl an der Aufnahme von Nährstoffen beteiligt als auch an der Abwehr von Infektionen.

 krone.at
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