Auf Dürre folgt Flut

Seltener, aber stärker: Sturzbäche vom Himmel

Österreich
14.09.2026 21:30

Auf die lange Dürre kann im Herbst durchaus die Flut folgen. Eine neue Öko-Studie warnt, dass Sturzbäche zwar kürzer, aber immer intensiver und gefährlicher vom Himmel kommen.

„Unsere Vorsorge muss alle Formen von Hochwasser berücksichtigen – und das gelingt nur gemeinsam“, warnt Umweltminister Norbert Totschnig. Die Zwischenergebnisse der in seinem Auftrag erstellten Studie könnten nicht beängstigender sein: Denn demnach verändert und verdüstert Österreichs Regen sein Gesicht. Kurze, lokale Ereignisse bringen heute im Schnitt rund 15 Prozent mehr Wasser vom Himmel als noch vor 30 Jahren. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei kurzen, heftigen Gewittern.

Schon 20 Prozent mehr Niederschlag bei Starkregen
Bei einstündigen Starkregenfällen fallen heute rund 20 Prozent mehr Niederschlag. Gleichzeitig dauern Regenereignisse im Schnitt um 10 bis 15 Prozent kürzer. Das Wasser kommt schneller und heftiger – und damit bleibt immer weniger Zeit, Menschen zu warnen und Schäden abzuwenden.

Zitat Icon

Ich appelliere an die Menschen, noch heute Vorsorge zu treffen. Wenn der Regen prasselt und die Flut im Anrollen ist, kann es zu spät sein.

Umweltminister Norbert Totschnig

„Mit zunehmender Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasser und Überflutungen“, gibt Studienleiter Prof. Günter Blöschl von der BOKU Wien zu bedenken. Besonders kleine und mittlere Gewässer seien betroffen. Doch die neue Gefahr endet nicht am Ufer: Bei sogenannten pluvialen Hochwassern stürzt die Naturgewalt auch abseits von Bächen und Flüssen über Straßen, Felder und Siedlungen – und kann Gebäude blitzschnell fluten.

Wetterextreme erschweren den Hochwasser-Schutz
Österreich hat in den letzten Jahrzehnten definitiv viel in den Hochwasserschutz investiert. Dämme und Rückhaltebecken bleiben wichtige Schutzpfeiler. Doch angesichts neuer Wetterextreme braucht es mehr: Frühwarnsysteme, vorausschauende Raumplanung, naturbasierte Lösungen und ein gut vorbereiteter Katastrophenschutz müssen zusammenspielen.

Auch die Eigenvorsorge gewinnt an Bedeutung – etwa mit wasserdichten Kellerfenstern, Rückstauklappen, gesicherten Öltanks oder einer hochwassersicheren Lagerung von Heizpellets. Denn eines wird auch für Niederösterreichs Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner immer deutlicher: „Hochwasser ist längst nicht mehr nur eine Gefahr für Menschen, die direkt an einem Fluss leben. Mit weiter steigenden Temperaturen dürfte sich der Trend zu intensiveren lokalen Starkregen fortsetzen. Der Regen wird heftiger, die Fluten kommen schneller, die Zeit zum Handeln wird kürzer.“

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