Mo, 18. Juni 2018

Novak im Interview:

21.02.2018 06:00

„In der Schule hat ein Kopftuch keinen Platz“

Die neue SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak, die am Dienstag offizell vorgestellt wurde (Video oben), im "Krone"-Interview: über Häupl, Ludwig, die Mindestsicherung, Verkehr und Superkräfte.

"Krone":Sie haben in der Häupl-Nachfolge-Debatte von Anfang an Michael Ludwig unterstützt, unter anderem die Vorverlegung des Landesparteitages gefordert und den damaligen Häupl-Vertrauten Georg Niedermühlbichler einen Brunnenvergifter genannt. Für Sie hat sich die Rebellion ausgezahlt, oder, Frau Landesparteisekretärin?
Barbara Novak: Das war nicht mit Vorsatz. Ich und mein ganzer Bezirk haben aus voller Überzeugung Michael Ludwig unterstützt, weil wir ihn für einen der besten Kommunalpolitiker halten, die wir innerhalb der Sozialdemokratie haben. Für die Wortspende an Georg Niedermühlbichler würde ich mich heute entschuldigen.

Was wird Michael Ludwig denn besser machen als Michael Häupl?
Die beiden sind sehr unterschiedliche Politiker-Typen. Michael Ludwig ist einer, der sehr gut versteht, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen. Insbesondere auch aus unterschiedlichen Bezirken.

Wie wollen Sie die zerstrittene Partei denn vereinen?
Ich glaube, die Partei hat sich schon wieder vereint. Wir haben uns vor dem 27. Jänner verständigt, dass alle hinter dem neuen Parteivorsitzenden stehen. Ich habe am Montag in den Sitzungen große Unterstützung erfahren. Ich würde sagen: Wir haben es uns ausgeredet.

Also alles wieder gut?
Ja, aus meiner Sicht ist alles wieder gut.

Sind Sie noch immer für ein Kopftuchverbot im öffentlichen Raum?
Ich bin eine große Feministin und Menschenrechtsaktivistin. In diesem Zusammenhang solidarisiere ich mich vor allem mit den liberalen und feministischen Musliminnen. Im Bildungsbereich, in der Schule, im Kindergarten hat ein Kopftuch keinen Platz.

Soll es eine Wartefrist bei der Mindestsicherung geben?
Wir müssen uns überlegen, wie wir die Mindestsicherung weiterentwickeln, sobald wir wissen, wie die Bundesregierung ihre Rahmenbedingungen setzt. Ich unterstütze die Mindestsicherung sehr und weiß auch um die Lebenslagen der Betroffenen. Ja, wir stehen zu einem Solidarsystem, aber das bedeutet nicht, dass man sich ausnutzen lassen muss. Die Wartefrist ist ein guter Vorschlag. Bei Wiener Wohnen haben wir diesen Bonus ja schon im Einsatz. Aber es geht natürlich auch um die Würde der Menschen.

Kopftuchverbot, Wien-Bonus, das sind auch Forderungen der FPÖ, mit der Sie eine Koalition ausschließen.
Von der FPÖ trennt uns ganz viel. Das sieht man bei den ersten Maßnahmen der Bundesregierung: Abschaffung des Beschäftigungsbonus und der "Aktion 20.000". Das ist eine Politik gegen die Menschen. Die FPÖ hat außerdem immer noch ein Problem mit der Aufarbeitung ihrer Historie.

Die Grünen führen einen Kampf gegen die Autofahrer. Verstehen Sie, dass viele Wiener die Nase voll haben von Rot-Grün?
Ich bin selber keine Autofahrerin oder nur selten. Ich fahre mit den Öffis. Ich weiß nicht, ob es ein Kampf ist. Die Grünen versuchen, den Verkehr zurückzudrängen. Ich verstehe, dass das Menschen sehr ärgert. Das ist ja auch Teil der inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen uns und den Grünen, insbesondere was Lobautunnel und Stadtstraße betrifft.

Sie haben auf Twitter 703 Follower. Werden Sie jetzt mehr twittern?
Mein Twitter-Account ist eher stillgelegt und wird nur auf Kongressen verwendet. Ich bin aber eine begeisterte Facebookerin.

Ihr Twitter-Hintergrundbild ist eine Superheldin.
Das war eine tolle Kampagne der SPÖ-Frauen. Es gibt viele tolle Frauen, die Vorbilder sind, aber auch viele Frauen, die Alltagsheldinnen sind. Die mit drei Kindern mit einem Teilzeitjob beim Billa arbeiten, Mindestsicherung dazubekommen und ihren Kindern trotzdem alles ermöglichen.

Hätten Sie gerne eine Superkraft?
Ja, ich würde gerne erkennen, wann Menschen es ehrlich meinen und wann nicht.

Ihre Mutter war Hausbesorgerin im Karl-Marx-Hof. Wie war Ihre Kindheit dort?
Wunderbar. Ich bin bis zu meinem sechsten Lebensjahr oft übersiedelt, meine Mutter war Alleinerzieherin. Und dann hat sie diesen Hausbesorgerposten am 12.-Februar-Platz gefunden. Ich hatte eine superschöne Kindheit.

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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