Schwarzer Mittwoch
Blutige Anschlagsserie in Bagdad
Insgesamt wurden rund zehn Explosionen gezählt, Augenzeugen sahen schwarze Rauchwolken hochsteigen, Ambulanzen eilten zu den Anschlagsorten. Die Grüne Zone am Westufer des Tigris ist das Regierungsviertel der irakischen Hauptstadt, das außerdem die US-Botschaft beherbergt.
Schlimme Schäden in "Grüner Zone"
Sie wird von irakischen Sicherheitskräften bewacht, seitdem sich das US-Militär Ende Juni aus den Städten und Wohngebieten des Landes zurückgezogen hat. Die Explosion eines mit Sprengstoff präparierten Lastwagens riss dort rund 50 Menschen in den Tod. Ein AFP-Reporter sah am Anschlagsort einen Krater von rund drei Metern Tiefe und zehn Metern Durchmesser, der durch Explosion in den Grund gerissen worden war. Fernsehbilder zeigten, dass auch am Parlamentsgebäude innerhalb der Sicherheitszone zahlreiche Fensterscheiben zerbarsten, Feuerwehrkräfte versuchten zwischenzeitlich, die Brände zu löschen.
In der Nähe des Finanzministeriums ging eine auf einem Lastwagen deponierte Bombe hoch und verursachte schwere Schäden. Dort starben nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen, sieben wurden verletzt. Zunächst hatte Sicherheitspersonal der Vereinten Nationen mitgeteilt, in der Nähe des UN-Geländes innerhalb der "Grünen Zone" sei ebenfalls eine Mörsergranate eingeschlagen. Ein UN-Sprecher bestritt dies jedoch später.
Sicherheitslage verhindert erste Volkszählung seit 1987
Die in jüngster Zeit etwas konsolidierte Sicherheitslage im Irak ist damit wieder einmal erschüttert. Im Irak stellt sich damit verstärkt die Frage, ob die einheimischen Sicherheitskräfte allein die Lage in den Griff bekommen können, nachdem sich die US-Truppen am 30. Juni aus den Städten zurückgezogen haben. US-Präsident Barack Obama will die Kampftruppen bis zum 31. August 2010 ganz aus dem Irak abziehen.
Die Regierung hatte wegen der prekären Sicherheitslage erst vor Kurzem eine für Oktober dieses Jahres geplant gewesene Volkszählung auf unbestimmte Zeit verschieben müssen. Die letzte Volkszählung im Irak fand im Jahr 1987 statt, noch unter dem Baath-Regime von Saddam Hussein. Die Daten von damals gelten als veraltet, zumal Kriege, die US-Invasion, die darauffolgenden bürgerkriegsähnlichen Zustände die Zusammensetzung und gebietsmäßige Verteilung der Bevölkerung verändert haben dürften.
Verschärfung des Kurden-Konflikts erwartet
Die Absage der Volkszählung könnte insbesondere die Konflikte mit den Kurden im Norden des Landes weiter verschärfen. Diese waren unter dem Regime Saddam Husseins aus der Provinz Kirkuk und aus Teilen Mossuls massiv vertrieben worden. Die meisten von ihnen kehrten nach 2003 wieder dorthin zurück. Die Kurden wollen diese Gebiete ihrer Autonomieregion eingliedern. Bagdad sträubt sich jedoch vehement dagegen, obwohl die neue irakische Verfassung diese Möglichkeit vorsieht. Die Volkszählung wäre Voraussetzung für entsprechende Volksabstimmungen in den strittigen Gebieten.
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