Kampf um Opel
Magna und RHJ als Favoriten
Die Angebote werden laut Regierungssprecher Ulrich Wilhelm parallel der Bundesregierung zur Kenntnis gegeben. "Wir werden dann in den nächsten Tagen die Angebote bewerten und gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden", sagte Wilhelm am Montagvormittag. Dabei werde die Bundesregierung einen engen Kontakt zu GM Europe und zur Opel-Treuhand halten, die im Moment 65 Prozent der Opel-Anteile hält.
Wegen der von allen Bietern angestrebten Staatsgarantien können GM und die Opel-Treuhand den Autobauer nicht ohne Zustimmung der Bundesregierung und der Landesregierungen mit Opel-Standorten an einen Investor verkaufen.
Experte sieht RHJ vorn
Nach Einschätzung des Autoexperten Stefan Bratzel hat der Finanzinvestor RHJ die besten Chancen, Opel zu übernehmen. "Es scheint mir so zu sein, dass GM eben sehr viel stärker RHJ im Vorteil sieht, aus Eigeninteresse heraus", sagte Bratzel im ZDF-Morgenmagazin. Es sei für General Motors einfach, Opel in einigen Jahren von einem Finanzinvestor zurückzukaufen. Magna sei im Bieterkampf um Opel dagegen politisch geschickter vorgegangen als die anderen Investoren. So habe der kanadische Zulieferer frühzeitig mit den Ministerpräsidenten der Opel-Länder und den Opel-Betriebsräten gesprochen.
Magna strebt höheren Anteil an
Unterdessen wurde bekannt, dass Magna bei einer Übernahme einen höheren Anteil an Opel anstrebt als zunächst geplant. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer hat angeblich die Anteilsstruktur in seinem Angebot für Opel verändert. An dem gemeinsam mit der russischen Sberbank angepeilten Anteil von 55 Prozent an dem neuen Unternehmen habe sich nichts verändert, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen am Montag. Allerdings sollten nun beide Partner je 27,5 Prozent an Opel halten, so ein Insider.
In dem ursprünglichen Konzept wollte die Sberbank 35 Prozent und Magna 20 Prozent halten. Mit weiteren zehn Prozent sollen nach wie vor die Mitarbeiter beteiligt werden, 35 Prozent soll die ehemalige Mutter GM halten. Magna wollte sich dazu nicht äußern. Das Aufsichtsgremium des Konzerns habe das Angebot für Opel abgesegnet, sagte ein Sprecher.
Verbessertes RHJ-Angebot könnte Magna gefährlich werden
Der zur US-Gruppe Ripplewood gehörende Investor RHJ soll angeblich ein verbessertes und unterschriftsreifes Übernahmeangebot für Opel vorgelegt haben. Das neue RHJ-Konzept garantiere die komplette Rückführung der von der Bundes- und mehreren Landesregierungen angebotenen Unterstützungsgelder bis spätestens 2014, berichtete die "Rheinische Post", der eine Kopie des Angebots vorliegt. Bis 2014 wolle RHJ demnach auf Dividenden verzichten. Die Gewerkschaften geben aber nach wie vor dem Angebot von Magna den Vorzug, ebenso die Mehrheit der deutschen Politik.
RHJ verlangt weniger Beihilfen als Magna
Anders als Bieter-Konkurrent Magna verzichte RHJ zudem auf die Verlagerung von Teilen der Opel-Produktion nach Russland. Außerdem verlange RHJ 700 Millionen Euro weniger Staatsgarantien als Magna. Alle deutschen Standorte blieben erhalten, betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben.
"Schonender" Arbeitsplatzabbau statt Massenentlassungen?
RHJ wolle im Rahmen der Opel-Sanierung europaweit 8.100 Arbeitsplätze sozialverträglich abbauen, davon 2.200 in Bochum und 1.400 in Rüsselsheim. Damit entspricht RHJ den Bedingungen des Landes Nordrhein-Westfalen für eine staatliche Förderung der Übernahme, die der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) noch in der vergangenen Woche bekräftigt hatte.
In einem persönlichen Brief an Rüttgers, der dem Blatt ebenfalls vorliegt, bitte RHJ-Chef Leonhard Fischer den Landesregierungschef um Unterstützung: "Mit der Investition verfolgen wir das Ziel, Opel wieder zu einer erfolgreichen europäischen Marke mit Stammsitz in Rüsselsheim zu machen. Zur Erreichung dieses Ziels werden wir uns langfristig aktiv engagieren", heiße es darin.
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