Rückwärtsgewandt

Russland lässt sich Stalinismus nicht schlechtreden

Ausland
05.07.2009 10:35
Russische Abgeordnete haben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstag mit "scharfen" Konsequenzen gedroht, nachdem die Organisation eine Resolution verabschiedete, in der sie Stalinismus und Faschismus als Auslöser des Zweiten Weltkrieges bezeichnete. Russische OSZE-Delegierte verließen wütend das Treffen, als die vom Gastgeberland Litauen eingebrachte Resolution verabschiedet wurde.

"Das ist bloß ein Versuch, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben", sagte Konstantin Kosachjow, Mitglied der Delegation, laut der Agentur Interfax. "Die Reaktion des russischen Parlaments auf dieses Dokument wird unmittelbar erfolgen und scharf sein." Angespannt war die Beziehung zwischen Russland und der OSZE aber ohnehin schon seit dem Krieg mit Georgien im August und der russischen Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien.

Gedenktag wegen Hitler-Stalin-Pakt
Die OSZE-Resolution sieht jedenfalls einen Gedenktag für die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus für den 23. August vor, als 1939 Deutschland und die Sowjetunion durch den "Hitler-Stalin-Pakt" (Ribbentrop-Molotow-Abkommen) ihre Interessensphären in Osteuropa untereinander aufteilten.

Stalin in Russland äußerst beliebt
Stalin erfreut sich in Russland trotz der unter seiner Herrschaft verübten Verbrechen weiterhin großer Beliebtheit. Erst Ende Juni hatten riesige Plakate mit dem Porträt des sowjetischen Diktators (1879-1953), auf denen er als "Vater aller Zeiten und Völker" gepriesen wird, eine neue Debatte über die Geschichtswahrnehmung ausgelöst. Die örtliche Kommunistische Partei hatte die Aktion in einer südrussischen Stadt initiiert.

Kommission gegen Geschichtsfälschung
Russland möchte außerdem aktiv gegen "Geschichtsfälschung" vorgehen. Dazu wurde Ende Mai eine Präsidentenkommission zur Bekämpfung von gegen Russland gerichteten Geschichtsfälschungen gebildet. Die Kommissionsmitglieder versprechen demnach, die "falschen Auslegungen der Geschichte" mit verschiedenen Methoden bis hin zu Wirtschaftssanktionen zu bekämpfen. Experten zeigten sich skeptisch.

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