Prozess im Herbst?
John Demjanjuk ist verhandlungsfähig
Demjanjuk war im Mai aus den USA abgeschoben worden, nachdem er unter Hinweis auf verschiedene Krankheiten durch alle Instanzen dagegen geklagt hatte. Laut Münchner Staatsanwaltschaft war der gebürtige Ukrainer 1943 als Aufseher im Vernichtungslager Sobibor am Massenmord direkt beteiligt. Er selbst bestreitet das und behauptet, er sei als Sowjetsoldat nur in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen.
Maximal drei Stunden Verhandlung pro Tag
"Die Ärzte bejahen die Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten mit der Einschränkung, dass die Verhandlungsdauer pro Verhandlungstag zwei Mal 90 Minuten nicht übersteigen sollte", erklärte Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel. Demjanjuks Verteidiger Günther Maull sagte, sein Mandant sei ständig in ärztlicher Betreuung. Er sei wacklig und sitze im Rollstuhl, könne aber ein paar Schritte gehen. Demjanjuk verstehe, was man ihm sage, aber manchmal höre er nicht zu und scheine vor sich hin zu träumen.
Zur Prüfung der Verhandlungsfähigkeit war Demjanjuk von einem Medizin-Professor und einer Psychiatrie-Professorin ausführlich untersucht worden. Seine Verteidiger hatten sich mit den beiden Sachverständigen einverstanden erklärt, so dass die Entscheidung praktisch nicht mehr anfechtbar ist.
Sechs Jahre in israelischer Todeszelle gesessen
Demjanjuk war 1952 in die USA ausgewandert und hatte wegen einer Verwechslung mit dem berüchtigten KZ-Schergen "Iwan der Schreckliche" von Treblikna in Israel bis 1993 sechs Jahre lang in der Todeszelle gesessen. In München drohen ihm bei einer Verurteilung wegen Beihilfe zum Massenmord in 29.000 Fällen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Juristen erwarten, dass der Prozess vor dem Schwurgericht im September oder Oktober beginnen könnte.
Der Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, zeigte sich sehr zufrieden, dass Demjanjuk nun in Deutschland zur Verantwortung gezogen werde. Es sei wichtig, dass der Mann, "der sich aktiv an der Endlösung beteiligt hat, endlich eine angemessene Strafe bekommt".
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