22 Todesopfer

GATX ersetzt alle Tankwaggon-Achsen

Ausland
03.07.2009 17:06
Drei Tage nach dem durch die Entgleisung von Kesselwaggons ausgelösten Flammeninferno in der toskanischen Küstenstadt Viareggio hat sich die Zahl der Toten am Freitag auf 22 erhöht. 22 Personen liegen schwer verletzt im Krankenhaus, fünf von ihnen kämpfen mit dem Tod. Indes hat der in Wien ansässige Eigner des entgleisten Kesselwaggons, GATX Rail Europe, beschlossen, "freiwillig und als Vorbeugungsmaßnahme" alle Achsen der Tankkessel zu ersetzen, die in Italien Gas transportieren und die jenem Tankwaggon ähneln, der das Unglück in Viareggio ausgelöst hat. Die italienische Bahngesellschaft FS hatte zuvor beschlossen, dass die Waggons des Unternehmens in Italien vorläufig nicht fahren dürfen (siehe Story in der Infobox).

Die Kontrollen der Achsen sollen mit den italienischen Behörden akkordiert werden, hieß es in einer Aussendung von GATX. Experten vermuten, dass ein Achsbruch an dem Waggon das Inferno ausgelöst haben könnte.

"Möchten jede Gefahr ausschließen"
"Vor dem Hintergrund der aktuellen Vermutungen, dass der Unfall in Verbindung mit einem Achsbruch stehen könnte, möchten wir jede mögliche Gefahr für die Öffentlichkeit ausschließen", betonte GATX-Europa-Chef Johannes Mansbart.

GATX bemühe sich auch um eine Zusammenarbeit mit den italienischen Staatsbahnen, um zu klären, weshalb die FS den Waggons verboten hat, in Italien zu fahren. Die Behörden hätten GATX nicht den Zugang zum Unfallort und die Inspizierung der entgleisten Waggons erlaubt. Daher sei es bisher nicht möglich gewesen, eigene Analysen anzustellen.

Tankwaggon-Komponenten aus der DDR
Indes hat FS-Chef Mauro Moretti Zweifel angemeldet, dass der explodierte Tankwaggon ausreichend sicher war. Dieser Kesselwagen sei 2004 zugelassen worden, einige Komponenten des Sicherheitssystems würden jedoch aus dem Jahr 1974 stammen und seien in der damaligen DDR hergestellt worden, erklärte Moretti. "Die Komponenten sind sehr alt. Es genügt nicht, einen jungen Körper zu haben, um zu behaupten, dass der Tankwaggon jung ist. Es ist wichtig, dass sämtliche Sicherheitskomponenten neu und solide sind."

Minister kritisiert lückenhafte Kontrollen
Der italienische Verkehrsminister Altero Matteoli betonte, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Kesselwagens vom formalen Standpunkt her den Standards entsprochen hätten. Der Tankwaggon sei nach Vorschrift gewartet worden. "Dies bedeutet, dass etwas bei den Kontrollen nicht funktioniert hat. Der Kesselwagen ist im März gewartet worden, ich habe aber Rost auf der Waggonachse gesehen. Wie ist es möglich, dass die Achse wenige Monate nach dieser Kontrolle in diesem Zustand ist? Wir müssen die europäischen Sicherheitsregeln beachten, doch die besten Vorschriften nutzen nicht, wenn die Kontrollen lückenhaft sind", erklärte der Minister.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sprach sich für neue Regeln zum Transport gefährlicher Substanzen aus. Die Bahnkatastrophe sei nicht nur durch unglückliche Umstände ausgelöst worden, meinte der Premierminister. "Wir werden tiefgründige Ermittlungen in die Wege leiten", versicherte Berlusconi.

Sammelklage gegen Gatx-Mutterkonzern?
Unterdessen kommen auf GATX weitere Schwierigkeiten zu: Der Konsumentenschutzverband Codacons erwägt eine Sammelklage gegen den in Chicago ansässigen Mutterkonzern der GATX.

Nach dem Flammeninferno wurden bisher erst drei Leichen offiziell identifiziert. Die anderen Toten sollen DNA-Tests unterzogen werden, damit sie mit Sicherheit identifiziert werden können. Zwei Personen werden nach wie vor vermisst, teilten die Behörden mit.

Berlusconi ruft Notstand für Viareggio aus
Die Regierung Berlusconis hat nach der verheerenden Gasexplosion am Freitag den Notstand für Viareggio ausgerufen. Damit werden Gelder für die Entschädigung der Verletzten und den Wiederaufbau der bei der Gasexplosion niedergerissenen Gebäude locker gemacht. Der Ministerrat beschloss außerdem ein Staatsbegräbnis für die Todesopfer. Der Tag des Begräbnisses, der noch nicht festgelegt wurde, soll zum nationalen Trauertag erklärt werden. Für die Verletzten und die Angehörigen der Todesopfer wird ein Spendenkonto eingerichtet.

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