Offener Brief

Karas tröstet seine Vorzugsstimmen-Wähler

Österreich
19.06.2009 10:20
Rund 110.000 Österreicher haben bei der EU-Wahl Othmar Karas mit einer Vorzugsstimme unterstützt. Trotzdem hat es für den 51-jährigen Politiker nicht mit der Rolle des Delegationsleiters der ÖVP in Brüssel geklappt. In einem offenen Brief hat sich der Vorzugsstimmen-Meister jetzt an seine Fans gewandt und gebeten, nicht enttäuscht zu sein. Gleichzeitig räumte Karas aber ein, dass es in der Partei Unstimmigkeiten gegeben habe und er durchaus bereit gewesen wäre, die übrigen fünf VP-Europa-Parlamentarier anzuführen.

In dem offenen Brief schreibt Karas von einem "spektakulären Vertrauensvorschuss" und sieht einen großartigen Beweis gelebter direkter Demokratie. Er mache auch kein Hehl daraus, dass er gerne weiter Delegationsleiter gewesen wäre: "Nachdem eine gemeinsame Lösung - ich war dazu bereit - betreffend der Wahl des Delegationsleiters leider nicht gewollt war, habe ich Bundesparteiobmann Pröll während eines Vieraugengesprächs am 14. Juni mitgeteilt, dass ich nach reiflicher Überlegung nicht kandidieren werde."

Es dürfe nicht geleugnet werden, dass es in den letzten Wochen auch zu Unstimmigkeiten gekommen sei, die vermeidbar gewesen wären, "hätten nicht einige am Wahltag unverständliche Aktionen gesetzt und in den ersten Reaktionen manch falschen Zungenschlag vorgegeben", blieb Karas vage. VP-Chef Josef Pröll und ihm sei es überlassen geblieben, "die Sackgasse zu verlassen und die bisherige gedeihliche Zusammenarbeit rasch fortzusetzen".

Er wisse, dass einige seiner Wähler über den Verzicht auch ein wenig enttäuscht seien. Er sei aber kein Querulant, gehe seinen Weg und brauche zur Umsetzung des Wählerauftrags Verbündete: "Wer etwas durchsetzen will, der muss auch die Hände reichen können." Die Verlängerung der Konfliktsituation um den Delegationsleiter hätte ihn geschwächt, nach innen und nach außen, "meine gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit eingeengt", betont Karas.

Beworben wird vom VP-Parlamentarier sein "Bürgerforum Europa 2020", das auf "neutralem Boden" ins Leben gerufen werde und zur Drehscheibe der Europapolitik in Österreich werden solle.

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