"Sofort präsidial"

Erste Zwischenbilanz nach 100 Tagen Obama

Ausland
24.04.2009 12:30
In erstaunlich kurzer Zeit hat sich Barack Obama in seine Aufgabe eingefunden, die USA mit ruhiger Hand durch die Krise zu führen. Wenn der 47-jährige Newcomer in Washington am Mittwoch die ersten 100 Tage im Weißen Haus absolviert hat, sind auch viele Skeptiker von seiner disziplinierten Amtsführung überzeugt. Und wie geht es Obama dabei? "Ich fühle mich überraschend wohl in diesem Job", sagte der 44. Präsident der Vereinigten Staaten schon zwei Wochen nach seinem Amtsantritt am 20. Jänner.

Der Führungsstil des Präsidenten wirkt sehr bewusst und kalkuliert. Er folgt dem gleichen Ansatz wie in seinem Wahlkampf: "No drama" - alles ist beherrschbar. Als Kandidat hat er eine mächtige Organisation aufgebaut, mit der er detailliert die Strategie für den Wahlsieg umgesetzt hat. Auf die gleiche methodische Weise hat er die Agenda für das Krisenmanagement entworfen und Schritt für Schritt die ihm vorrangig erscheinenden Aufgaben angepackt.

Im Amt ruhiger geworden
Im Wahlkampf konnte Obama abgehoben, unnahbar, manchmal sogar arrogant erscheinen. Im Weißen Haus hat er die konzentrierte Haltung bewahrt, lässt aber die Neigung zur Selbstgefälligkeit nur selten aufblitzen. Das liegt vielleicht daran, dass er den Gipfel seiner politischen Ambitionen erreicht hat. Zudem verlangen die sorgenvollen Zeiten eine besonders ruhige Hand. Möglicherweise sind es aber auch das Gewicht des Amtes und die Dringlichkeit der Aufgaben, die das Auftreten Obamas verändert haben.

"Er ist sofort präsidial geworden"
Von den im Wahlkampf immer wieder öffentlich geäußerten Bedenken, dass Obama zu unerfahren sei, ist nichts mehr zu hören. "Er ist fast sofort präsidial geworden", sagt der Wissenschaftler James Thurber, der sich auf die Amtsführung von US-Präsidenten spezialisiert hat. "Er hat sich im körperlichen Auftreten wie in seiner Rhetorik gewandelt." Obama sei auch nicht viel anderes übrig geblieben, als sich in die Regierungsarbeit zu stürzen, meint der Professor der American University in Washington. "Er hat dies mit tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten und einer Zuversicht gemacht, die man nicht notwendigerweise von jemandem erwartet, der gerade durch die Tür gekommen ist."

Stets mit fester Stimme
In den vergangenen drei Monaten hat Obama stets mit fester Stimme gesprochen, dabei aber verschiedene Nuancen erkennen lassen. Manchmal hat er sich mit den einfachen Bürgern auf eine Stufe gestellt, um zu zeigen, dass er ihre wirtschaftlichen Nöte nachvollziehen kann. Andere Male wirkte er detailverliebt, fast so wie der Hochschuldozent der er einmal war, etwa wenn er über das komplexe Räderwerk der Rezession spricht. Für die Auflockerung pflegt Obama das scherzhafte Geplänkel. Sanfter Spott richtet sich sowohl gegen Abgeordnete und Mitarbeiter als auch gegen Journalisten und einfache Bürger.

Ein Obama für jede Gelegenheit
Wenn es angebracht ist, präsentiert sich der Präsident ganz als Staatsmann, etwa wenn es darum geht, die Partnerschaft mit einem Verbündeten zu bekräftigen. Bei anderer Gelegenheit kocht er vor Zorn, etwa als es um die Bonuszahlungen an Manager des Versicherungskonzerns AIG ging. Wenn der Präsident einen Fehler gemacht hat, zeigt er sich zerknirscht. "Ich habe Mist gebaut", räumte er nach der gescheiterten Nominierung von Tom Daschle für das Amt des Gesundheitsministers ein.

Fast zwei Drittel mit Obamas Amtsführung zufrieden
Die Amerikaner halten Obamas Amtsführung jedenfalls mehrheitlich für gelungen, wenn man dem auf der Polit-Webseite realclearpolitics.com ermittelten Durchschnittswert von im April erhobenen Umfragen Glauben schenken will: So kam Obama auf 61,8 Prozent Zustimmung, lediglich 32,3 Prozent der befragten Amerikaner seien dagegen mit seiner Arbeit unzufrieden.

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