Deutsche empört

Zumwinkel lässt sich 20 Mio. Euro auszahlen

Ausland
15.03.2009 15:14
Ein neuer millionenschwerer Managerskandal empört die deutsche Öffentlichkeit. Es geht um den Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, der wegen Steuerhinterziehung zu einer Finanzstrafe von einer Million Euro verurteilt worden ist. Jetzt wurde bekannt, dass er sich nach dem durch das Urteil erzwungenen Rücktritt seine Pensionsansprüche auf einen Schlag auszahlen ließ: 20 Millionen Euro! Deutschlands Politiker sind über die Millionen-Pension Zumwinkels, gegen den auch in der Abhöraffäre der Deutschen Telekom ermittelt wird, empört.

Die systematische Steuerhinterziehung des raffgierigen Konzernchefs war durch die DVD aufgeflogen, die sich der deutsche Finanzminister in "Notwehr" nicht ganz legal aus Liechtenstein verschafft hatte. Sie enthält die Konten Hunderter Steuerhinterzieher aus der deutschen Elite von Wirtschaft und Gesellschaft. 

Derzeit wird gegen Zumwinkel ihn noch in der Abhöraffäre der Deutschen Telekom ermittelt. Fahnder durchsuchten dazu unter anderem seine Burg am Gardasee.

Auch 480.000-Euro-Bonus kassiert
Die 20-Millionen-Pension ist nicht alles, was Zumwinkel an den Gardasee mitgenommen hat. Für seine letzten beiden Monate als Postchef ließ er sich noch eine Erfolgsprämie ("Bonus") von 480.000 Euro auszahlen. Er war der Einzige im Post-Vorstand, der sich für 2008 einen Bonus auszahlen ließ. Seine Vorstandskollegen hatten verzichtet. 

CSU-Chef Seehofer: "Ein absoluter Skandal"
Politiker aus Regierung und Opposition in Deutschland haben empört darauf reagiert, dass sich Zumwinkel seine Pensionsansprüche mit einem Schlag auszahlen ließ. "Das ist ein absoluter Skandal. Solche Leute machen die soziale Marktwirtschaft kaputt", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) der "Bild am Sonntag". 

Der Bund als Hauptaktionär der Deutschen Post solle prüfen, ob das noch korrigiert werden könne. "Denn das ist keine Pension für wohlverdienten Ruhestand, sondern Herr Zumwinkel musste wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung seinen Hut nehmen", sagte der CSU-Chef. Für die Zukunft rate er allen Unternehmen dringend, die Arbeitsverträge mit der Chefetage so zu fassen, "dass verurteilte Straftäter nicht im Nachhinein noch Kasse machen können", sagte Seehofer.

SPD-Chef Heil: "Unverschämtheit"
"Dieses Verhalten ist eine Unverschämtheit gegenüber allen in unserem Land, die hart arbeiten, ehrlich Steuern zahlen und sich an die Regeln halten.", zeigte sich auch SPD-Chef Hubertus Heil empört. Deshalb sei es richtig, die Bestimmungen für Manager zu verschärfen. Heils Amtskollege von der FDP, Dirk Niebel, kritisierte in der "BamS": "Nicht alles, was legal sein mag, ist deshalb auch legitim. Ich verstehe die Empörung."

Gipfelpunkt der Ungerechtigkeit
Vor dem Finanzgericht hatte Zumwinkel ein Vermögen von 13 Millionen Euro angegeben. Die deutsche "Bild"-Zeitung geht mit Zumwinkel hart ins Gericht: "Ein deutscher Manager, ein Raffke, ein unglaublicher Skandal! Ließ sich seine Pensionsansprüche rasch von der Post auszahlen - 20 Millionen. Denn was man hat, das hat man! Jeder deutsche Arbeitnehmer, der versuchen würde, sich seine Rente auf einen Schlag auszahlen zu lassen, würde bei der Rentenkasse nur eines bekommen: Hohngelächter! Wer 40 Jahre Beiträge zahlt und dann stirbt, hat eben Pech gehabt! Fälle wie der des Klaus Zumwinkel sind es, die gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise die Menschen auf die Palme bringen. Und das mit Recht! Millionen zittern in diesem Land, haben Angst vor Kurzarbeit und um ihren Job. Über so was kann der Ex-Postchef natürlich nur lachen. Es ist der nackte Hohn!"

Zumwinkel rechtfertigt Auszahlung
Der hat die Auszahlung seiner gesamten Pensionsansprüche in Millionenhöhe gerechtfertigt. Gegenüber der "Bild am Sonntag" sagte er: "Ich bin doch nicht der einzige, der sich seine Rente frühzeitig ausbezahlen lässt. In meinem Arbeitsvertrag war die Wahlmöglichkeit vorgesehen und ich habe die Möglichkeit der Kapitalbasis wahrgenommen." Das sei bei der Deutschen Post ein ganz normaler Vorgang.

Zumwinkel ist offenbar nicht der einzige ehemalige Vorstand im Postkonzern, der sich seine Pensionszusagen auf einen Schlag hat auszahlen lassen. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" macht auch der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann von dem Wahlrecht Gebrauch, sich das Geld komplett auszahlen zu lassen. Bei ihm fallen rund 11 Millionen Euro an, wie die Zeitung aus dem Postbank-Geschäftsbericht folgert.

Von Kurt Seinitz, Kronen Zeitung, und krone.at

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