Bei einer Ende Jänner für die SPÖ durchgeführten Befragung des SORA-Instituts lag die SPÖ in Kärnten gar mit 41 Prozent drei Prozentpunkte vor dem BZÖ.
Geschäftsführer Günther Ogris verwies auf historische Beispiele wie die EU-Beitrittsabstimmung 2004, wo die Meinungsforscher derart "unisono verkehrt lagen": "Kärnten ist auch so eine Ausnahme." Im Gegensatz zur Landtagswahl in Salzburg, wo alle weitgehend richtig prognostiziert hätten.
Umfrageergebnisse erkauft
Über den Vorwurf von OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, dass die SPÖ für Kärnten Umfragen zu ihren Gunsten "bestellt" hätte, zeigte Ogris sich lediglich "verwundert". Gallup-Chef Fritz Karmasin sprang bei: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kollege sich so weit beeindrucken lässt, dass er Daten fälscht." Auch market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer stellte derartige Praktiken in Abrede. "Da müsste man ja die gesamte Marktforschung kaufen."
"Es waren zwei Dinge, die wir nicht einschätzen konnten", erklärte Karmasin am Tag nach der Wahl. Über 50 Prozent der Befragten hätten sich in der Befragung der Stimme enthalten, was in Salzburg nicht im selben Ausmaß passiert sei -"und wir hatten keine Basisdaten", so Karmasin. Bei der Landtagswahl 2004 war das freiheitliche Lager noch nicht gespalten, es gab daher keine Ergebnisse des BZÖ, die man in Prognosen hätte hineinrechnen können. Auch dass Kärnten von den Folgen der Wirtschaftskrise besonders betroffen sei, führte er als einen Grund für das Wahlergebnis an.
Methodische Probleme
Karmasin wie Ogris sehen ein weiteres, methodisches Problem. Der SORA-Chef konstatiert "ein starkes Deklarationsproblem" bei den Orange-Wählern, während sein Kollege von Gallup von einem möglichen Erreichbarkeitsproblem spricht. So wären SPÖ-Wähler offenbar leichter telefonisch zu erreichen als BZÖ-Anhänger. Hajek stellte außerdem in den Raum, ob Kärntner Interviewer die Kärntner befragen müssten, um ein realitätsgetreueres Bild zu bekommen. Er kündigte eine Arbeitsgruppe zur Methodendiskussion an.
Emotionalisierung schwer fassbar
Die Frage nach dem Warum kann auch Andreas Kirschhofer vom Linzer IMAS-Institut nicht endgültig beantworten. Obwohl die Ende Jänner durchgeführte IMAS-Umfrage das BZÖ immerhin bei 40 bis 42 Prozent sah, sei die außergewöhnliche Emotionalisierung im Wahlkampf nach dem Tod Haiders "schwer fassbar" gewesen, so Krischhofer. Außerdem bräuchte es "eine viel größere Stichprobe" bei den Umfragen.
Beutelmayer indes will keine historische Niederlage der Meinungsforscher sehen. "Wir sind nicht so falsch gelegen. Kärnten war ein schwieriges Pflaster mit vielen zusätzlichen Erschwernissen", sieht der market-Chef nicht die Methoden, sondern das Objekt der Forschung problematisch. "Es sind keine festen Gruppen mehr da, da können wir methodisch nichts verändern", spricht Beutelmayer das wachsende Feld der Wechselwähler und Spätentschlossenen an. Er wagt einen Vergleich: "Verlangen sie derzeit eine korrekte Konjunkturprognose!"
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