22.12.2008 17:17 |

Überraschungscoup

Canori FPÖ-Spitzenkandidat in Kärnten

Die FPÖ hat am Montag Mario Canori als Spitzenkandidat für die Kärntner Landtagswahl am 1. März 2009 präsentiert. Damit wurde zwei Tage vor Weihnachten bekannt gegeben, mit wem die Freiheitlichen in Österreichs südlichstem Bundesland ins Rennen um das Erbe des tödlich verunglückten Landeshauptmanns Jörg Haider gehen wollen. "Er ist die beste Persönlichkeit", sagte Bundesparteichef Heinz-Christian Strache in Klagenfurt.

Der ehemalige Klagenfurter Vizebürgermeister und nunmehrige Präsident des Fußball-Bundesligisten SK Austria Kärnten wurde in den vergangenen Wochen öfter als BZÖ-Spitzenkandidat für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Klagenfurt genannt. Nun tritt er überraschend für die FPÖ auf Landesebene an.

"Beseelt davon, den Sozialismus zu bekämpfen"
"Es ist kein Geheimnis, dass Politik für mich eine faszinierende Herausforderung ist", sagte Canori bei seiner Präsentation. "Ich habe große Sorge, dass es zu einer Verschiebung in Richtung Sozialismus in Kärnten kommt. Und ich bin beseelt davon, den Sozialismus zu bekämpfen."

Mit dieser Kandidatur sei er in seine "politische Heimat" zurückgekehrt, sagte der Unternehmer. Sich selbst bezeichnet Canori als "wertekonservativen, leistungsorientierten, sozialen Demokrat". Er werde alles tun, um Kärnten in eine sichere Zukunft zu führen. Als erster Schritt sei es nun seine Aufgabe, über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage sein persönliches Team zusammenzustellen.

BZÖ-Mitgliedschaft kurz vor Präsentation abgelegt
Seine BZÖ-Mitgliedschaft legte Canori übrigens erst am Montag - also am Tag seiner öffentlichen Präsentation - nieder. "Als leidenschaftlicher Mitstreiter Jörg Haiders habe ich nur einen kurzen Ausflug ins BZÖ unternommen", meinte Canori. Er scheide aber im Guten und nicht im Bösen. "Ich bin sicher nicht der letzte, der diesen Schritt getan hat, es wird aber kein Werben beim BZÖ geben", sagte der Spitzenkandidat. Er sehe sich als Brückenbauer zwischen den Lagern.

Als Gründe seines Ausscheidens aus dem BZÖ nannte er die Art und Geschwindigkeit, wie sich gewisse Personen das Erbe Jörg Haiders einverleibt hätten. Weiters den "Kapitalfehler", die Funktion des Landeshauptmannes und des BZÖ-Parteiobmannes zu trennen, das Verhalten gegenüber Claudia Haider sowie die Teilnahmslosigkeit im Bezug auf den SK Austria Kärnten. "Ich werde auch weiterhin für das Amt des Präsidenten zur Verfügung stehen", sagte er.

FPÖ Kärnten will drittstärkste Partei werden
Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache bezeichnete Canori als Kandidaten "mit Macher-Image", der überzeugt hinter der Linie der freiheitlichen Partei stehe. Er kündigte bis zur Landtagswahl auch weitere Überraschungen auf Gemeindeebene an und betonte immer wieder das Ziel der FPÖ, drittstärkste Kraft in Kärnten zu werden. Claudia Haider ist für Strache die "verbindende Person der freiheitlichen Lager". Er bekräftigte seinen Vorschlag, ihr das Amt der Dritten Landtagspräsidentin anzubieten.

Scheuch: "Verrat an Haider"
BZÖ-Landesparteiobmann Uwe Scheuch warf dem FPÖ-Spitzenkandidaten Canori in einer ersten Stellungnahme "Verrat" vor: "Ich werde Canori nicht näher bewerten, denn die Tatsache, dass jener Mann, der seine Bekanntheit nur durch Jörg Haider erlangt hat, ihn nun derart verrät, erübrigt jeden weiteren Kommentar."

Steckbrief von Mario Canori
Der am 15. März 1964 in Klagenfurt geborene Canori ist seit 20 Jahren verheiratet, der Ehe entspringen drei Töchter im Alter von zehn, 16 sowie 19 Jahren. Über seine Ehefrau hatte er vor etwa 25 Jahren Jörg Haider kennengelernt, der ihn später in die Politik holte. Ab 1991 war er als Gemeinderat in Klagenfurt tätig, von 2001 bis 2006 agierte er als Vizebürgermeister der Landeshauptstadt. 2003 erreichte er bei der Bürgermeisterdirektwahl rund 18 Prozent der Stimmen.

Die private Verbindung zum verstorbenen Landeshauptmann war eng, immerhin war Haider Trauzeuge bei der Hochzeit im Hause Canori. Bei der Trennung zwischen BZÖ und FPÖ im Jahr 2005 blieb Canori politisch an der Seite Haiders. Nach seiner kurzfristig beendeten politischen Karriere als Kommunalpolitiker verschwand Canori nicht allzu lange von der öffentlichen Bühne. Bald nach Auftauchen der Gerüchte um eine von Haider eingefädelte Verlegung des Fußball-Bundesligisten Pasching von Oberösterreich nach Klagenfurt tauchte Canori als Clubpräsident auf.

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