Formell besiegelt

Wahlmänner küren Obama zum Präsidenten

Ausland
16.12.2008 14:08
Die Wahl von Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten ist jetzt auch formell besiegelt. Die 538 Wahlmänner aus 50 US-Staaten und dem Hauptstadtbezirk Washington DC wählten am Montag Obama zum Nachfolger von George W. Bush. Der 47-jährige Obama erhielt alle 365 Wahlmännerstimmen, die er bei der Wahl am 4. November gewonnen hatte. Sein Kontrahent John McCain kam auf 173. Angesichts dieser Mehrheitsverhältnisse galt die Abstimmung als reine Formsache, wenngleich die Mitglieder des Kollegiums in ihrer Entscheidung nicht gebunden sind. Unterdessen ernannte Obama den Physik-Nobelpreisträger Steven Chu zum künftigen Energieminister. Senator Ken Salazar soll neuer US-Innenminister werden.

Der 60-jährige Wissenschaftler Steven Chu sei in einzigartiger Weise geeignet, den Herausforderungen der künftigen Energiepolitik zu begegnen, sagte Obama am Montag in Chicago. Chu, der 1997 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde, gilt als Vorreiter bei der Erforschung erneuerbarer Energien. Seit 2004 leitet er das Lawrence-Berkeley-Nationallabor, wo er vor allem zum Klimawandel forscht. Chu ist ein Sohn chinesischer Einwanderer. Die Berufung des renommierten Klimaschützers ins Kabinett signalisiert eine klare Abkehr von der Umweltpolitik des scheidenden Präsidenten George W. Bush.

Zugleich kündigte Obama an, dass er einen neuen Posten zur Koordinierung der Energie-, Klima- und Umweltpolitik im Weißen Haus schaffen will. Der Posten soll von der früheren Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Carol Browner, besetzt werden.

Salazar neuer US-Innenminister
Senator Ken Salazar soll neuer US-Innenminister werden, wie die Nachrichtenagentur AP erfahren haben will. Die Ernennung soll in den nächsten Tagen offiziell bekannt gegeben werden. Salazar ist ein Neuling im US-Senat. Er hat sich in seiner politischen Arbeit einen Namen in Grundstücks- und Energiefragen gemacht. Das US-Innenministerium ist unter anderem mit Fragen der Energie und Umwelt betraut und überwacht Öl- und Gasbohrungen auf staatlichen Flächen und leitet die Nationalparks.

Kerry leitet Auswärtigen Ausschuss des US-Senats
Der frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry wird neuer Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats. Kerry, der bei der Wahl 2004 gegen Amtsinhaber George W. Bush unterlag, gehört dem Senatsausschuss bereits seit 23 Jahren an. Er leitete bisher die Unterausschüsse für Asien und den Nahen Osten.

Mit dem Zug zur Amtseinführung
Nach der Wahl Obamas durch das Wahlkollegium wird das Ergebnis der Abstimmung nun offiziell am 6. Jänner auf einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhauses bekannt gegeben. Der bisherige Senator aus Illinois wird dann am 20. Jänner als erster schwarzer Präsident in der Geschichte der USA sein neues Amt antreten.

Zu seiner Amtseinführung kommt Obama mit dem Zug. Auf dem Weg nach Washington will er an mehreren Orten Halt machen, um möglichst viele Bürger zu treffen, wie das Komitee zur Organisation der Feierlichkeiten am Sonntagabend mitteilte. Demnach will Obama seine Eisenbahnfahrt am 17. Jänner beginnen, dem Samstag vor seiner Amtseinführung am 20. Jänner. Startpunkt soll Philadelphia im US-Staat Pennsylvania sein.

"Erneuerung des Versprechens Amerikas"
Dort will Obama den Angaben zufolge tagsüber noch an einer Veranstaltung teilnehmen. Dann soll es mit dem Zug nach Wilmington im Staat Delaware gehen, wo der künftige Vizepräsident Joe Biden zusteigen soll. Ein weiterer Zwischenstopp ist in Baltimore vorgesehen, bevor die Reise dann nach Washington fortgesetzt wird. "Wir hoffen, so viele Amerikaner wie möglich in die Feiern einbeziehen zu können - all jene, die daran teilnehmen möchten, aber nicht nach Washington kommen können", erklärte Emmett Beliveau, der Leiter von Obamas Komitee für die Amtseinführung.

Philadelphia und Baltimore wurden dem Komitee zufolge als Zwischenstopps gewählt, weil sie in der Geschichte der USA eine bedeutende Rolle gespielt hätten. Dies passe zum Leitsatz der Amtseinführung: "Erneuerung des Versprechens Amerikas". Damit wiederum wolle man Obamas Streben unterstreichen, "allen Amerikanern wieder Chancen und Gelegenheiten zu bieten und die Position Amerikas als Leuchtfeuer der Hoffnung in der Welt wiederherzustellen".

Wahlbeteiligung lag bei 61,6 Prozent
Wie indes bekannt wurde, erreichte die Beteiligung an der Volkswahl am 4. November mit 61,6 Prozent der Stimmberechtigten den höchsten Stand seit dem Duell zwischen Richard Nixon und Hubert Humphrey im Jahr 1968, wie eine unabhängige Forschergruppe am Sonntag mitteilte. Demnach gaben mehr als 131 Millionen US-Bürger ihre Stimme ab. Vor vier Jahren waren es 122 Millionen. Die Beteiligung lag damals bei 60,1 Prozent.

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