Psycho-Folter
Freigelassene: “Piraten waren wie Tiere”
Kapitän Prabath Goyal (Foto oben) und seine 22-köpfige Crew auf dem japanischen Chemie-Tanker Stolt Valor waren am 15. September im Golf von Aden gekapert worden. Laut Goyal hätten die Piraten nur drei Minuten gebraucht, um an Bord des Schiffes zu gelangen und die Besatzung gefangen zu nehmen. „Man fühlt sich so hilflos“, wenn so etwas passiert, so der Kapitän.
„Alle trugen Kalaschnikows“
Die Piraten brachten das Schiff in den Hafen von Eyl (Somalia), die Seeleute konnten nicht von Bord. Die Besatzung wurde 24 Stunden am Tag von den Piraten mit Waffen bedroht – „alle trugen Kalaschnikows“, so der Kapitän.
Besatzungsmitglied Alistair Fernandes sagt, die Piraten waren keine Menschen, „das sind Tiere“. Und: „Ich wünsche diese Erfahrung nicht einmal meinen Feinden.“ Die Zeit in Gefangenschaft war schrecklich. Alle Männer mussten auf der Kommandobrücke bleiben, dort schlafen und essen. „Nur zum Duschen durften wir uns ins Innere des Schiffs begeben, jeweils zwei Leute zugleich.“ Sein Kollege Naved Gurandkar spricht von psychischer Folter, der sie ausgesetzt waren.
Schiffskoch Isidore Fernandes musste mehrere Tage für die Piraten kochen, dann organisierten die Piraten ihr Essen selber. Für die Gefangenen gab es nur Linsen und Fleisch.
Um das Schiff und die Mannschaft freizubekommen, haben die japanischen Eigner letztendlich den Lösegeldforderungen der Piraten nachgegeben und umgerechnet zwei Millionen Euro für die Freilassung bezahlt.
Keine Verhandlung mit Eigentümern der „Sirius Star“
Immer noch in den Händen der Piraten ist der saudische Supertanker „Sirius Star“. Die saudi-arabische Zeitung "Okaz" berichtete am Dienstag unter Berufung auf gut informierte Kreise der saudischen Öl-Industrie, die Reederei Vela in Dubai, der das Schiff gehört, werde voraussichtlich ein Lösegeld von zwei bis drei Millionen US-Dollar (1,57 bis 2,35 Mio. Euro) bezahlen müssen, um den Tanker noch diese Woche zurückzuerhalten. Ein US-Unternehmen werde die Übergabe des Geldes organisieren. Anfangs hatten die Piraten 25 Millionen US-Dollar gefordert.
Der Kapitän der "Sirius Star", Marek Hishky, sagte der BBC, er und seine Besatzung hätten keinen Grund, sich über die Behandlung durch die Piraten zu beklagen. Es sei ihnen erlaubt worden, mit ihren Familien zu sprechen. Die "Sirius Star" war am 15. November gekapert worden. Die Ladung des Tankers umfasst zwei Millionen Barrel Öl im Wert von rund 100 Millionen Dollar.
Der somalische Klanführer Abdisalan Khalif Ahmed sagte der Nachrichtenagentur AP, der Supertanker sei bereits am Sonntag rund 45 Kilometer von der Stadt Harardhere weggesteuert worden. Hintergrund könnten Drohungen islamischer Extremisten gegen die Seeräuber sein, da das Schiff Muslimen gehöre.
Weiterer Frachter gekapert
Unterdessen haben die Piraten nach Angaben der Regierung im Jemen einen weiteren Frachter gekapert. Der Kontakt zu dem jemenitischen Schiff sei am Dienstag vergangener Woche abgerissen, teilte das Innenministerium am Montag mit. Die "Adina" befand sich demnach seit einer Woche im Arabischen Meer. Angaben zur Fracht machte das Ministerium nicht.
In somalischen Gewässern wurden seit Jahresbeginn 95 Schiffe überfallen. Nach dem Willen von Schiffseignern sollen den Piraten im Golf von Aden mit einer internationalen Seeblockade das Handwerk gelegt werden. Die NATO, die zurzeit vier Schiffe vor der somalischen Küste im Einsatz hat, wies diesen Vorschlag am Montag jedoch zurück.
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