Lieber hinter Gittern

Häftling flüchtet am Tag vor seiner Entlassung

Kärnten
24.11.2008 10:09
Am Montag hätte ein liberianischer Asylant aus der Haft entlassen werden sollen. Am Sonntag nutzte er aber in der Außenstelle Rottenstein einen unbeobachteten Moment zur Flucht. Wozu? "Um der Abschiebung zu entgehen. Viele Schwarzafrikaner praktizieren das. Lieber wieder ins Gefängnis als aus Kärnten weg", weiß ein Insider.

Der 24-jährige Liberianer sitzt eine Strafe wegen eines Suchtmitteldelikts ab. Wie viele seiner Landsleute oder "Kollegen" aus Nigeria und Ghana. In den vergangenen zwei Jahren hat sich im Raum Klagenfurt richtiggehend eine "schwarze" Suchtgiftszene aufgebaut. Der Stoff kommt meist aus Wien, die Asylanten sind meist nicht die Bosse, sondern fungieren als Straßenhändler. Werden sie erwischt, fallen die Gefängnisstrafen mitunter nicht allzu hoch aus. 

Entlassung gegen den Willen der Häftlinge
Und nach einigen Monaten - einem Drittel der verhängten Haft etwa - haben sie die Chance, vorzeitig wieder freizukommen. Auch der Flüchtige hätte am Montag aus der Justizaußenstelle Rottenstein entlassen werden sollen. Offenbar gegen seinen Willen: Sonntagmittag flüchtete der 1,62 Meter kleine, schlanke Mann, der nur Englisch spricht. 

Lieber wieder Haft als Abschiebung
Kein Einzelfall. Er will der Abschiebung entgehen. Jetzt gilt er als flüchtiger Strafgefangener. Wenn er wieder verhaftet wird, muss er die volle Strafe absitzen. Das ist den meisten ja lieber, als aus Kärnten weggehen zu müssen", kennt ein Polizist die "Praktiken".

von Kerstin Wassermann/Kärntner Krone
Symbolfoto

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