Ungewisse Zukunft
Katzenjammer im Irak nach Obama-Wahl
Denn Obama hat im Wahlkampf erklärt, George W. Bush hätte die irakische Regierung zur Rechenschaft ziehen müssen, weil sich diese nicht ausreichend um eine nationale Versöhnung bemüht habe. Auch im nordirakischen Autonomiegebiet der Kurden, wo Präsident Bush wegen seiner Entscheidung, 2003 im Irak einzumarschieren, als Held gilt, ist man enttäuscht.
Einzig die Tatsache, dass der künftige US-Vizepräsident Joseph Biden einst die Gewalt zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden zum Anlass genommen hatte, um eine Teilung des Landes entlang ethnisch-religiöser Grenzen vorzuschlagen, gibt einigen Kurden Hoffnung, „dass wir mit ihm vielleicht unserem langfristigen Ziel, einen unabhängigen Staat zu gründen, näherkommen“.
Saudi-Arabien gibt sich sicher: „Sie brauche unser Öl“
In Saudi-Arabien, dessen Königshaus schon seit Jahrzehnten enge Beziehungen zur Familie Bush pflegt, glaubt man dagegen, dass es letztlich egal ist, wer im Weißen Haus sitzt. Denn, so schrieb kürzlich ein saudi-arabischer Kommentator, „alle US-Präsidenten sind mit dem Ziel angetreten, sich von unserem Öl unabhängig zu machen, und keiner von ihnen hat es geschafft“.
Syrien und Libanon begrüßen Wahl Obamas
In Syrien, das von Bush als Teil der „Achse des Bösen“ identifiziert worden war, ist die Freude nach der Wahlnacht dagegen groß. Sowohl die Menschen als auch das Regime ist geradezu euphorisch. Ein regierungsnahes politisches Forschungsinstitut lädt zu einem opulenten Frühstück ein, um Obamas Sieg zu feiern. Und auch die Politologen, die der in Katar beheimatete Nachrichtensender Al-Jazeera in den ersten Stunden nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses befragt, sind sich einig: „Obamas Sieg ist ein Hoffnungsschimmer für die Menschen in unserer Region.“ Insgesamt gehen die politischen Beobachter in der arabischen Welt davon aus, dass Obama versuchen wird, die von Bush im Zuge seines Anti-Terror-Kampfes aufgerissenen Gräben wieder zuzuschütten.
„Es ist zu erwarten, dass die nächste US-Regierung sich darauf konzentrieren wird, die Lage im Nahen Osten zu beruhigen“, erklärt der libanesische Politologe George Alam. Die einzige Sorge der Menschen zwischen Casablanca und Damaskus ist, dass der Nahost-Friedensprozess, den Bush im vergangenen Jahr zur Chefsache erklärt hatte, auf Obamas Prioritätenliste zunächst einmal weit unten stehen wird - was durchaus möglich ist...
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