Über 1.000 Opfer?
Mordskandal: Kolumbiens Militärchef tritt zurück
Bei dem schwerwiegendsten Fall von Menschenrechtsverbrechen durch die Streitkräfte seit Jahren sollen nach Erkenntnissen der Justiz 23 junge Männer Anfang des Jahres von illegalen Banden in der Hauptstadt Bogota entführt und kurz darauf als im Kampf mit dem Militär im Norden des Landes getötete Mitglieder illegaler bewaffneter Banden präsentiert worden sein.
Willkürliche Tötungen
Während der vergangenen fünf Jahre soll es insgesamt mindestens 1.122 solcher Todesfälle gegeben haben. Die Opposition fordert den Rücktritt von Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Menschenrechtsorganisationen und Vertreter der Kirchen haben schon seit langem immer wieder darauf hingewiesen, dass das Militär bisweilen wahllos Zivilisten aus armen Bevölkerungsschichten aus ihren Häusern zerrte, erschoss und später als im Kampf getötete Gegner präsentierte.
Bürgerkriegsähnliche Zustände
Auch die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte bei einem Besuch Besorgnis über die Morde geäußert. Die Behörden müssten dringend Maßnahmen zur Verhinderung solcher Verbrechen ergreifen und die Täter bestrafen, forderte sie. Kolumbien leidet seit mehr als vier Jahrzehnten unter einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt, an dem Militär und die Polizei sowie illegale rechte Paramilitärs und linke Rebellen beteiligt sind.
Der heute 59-jährige General Montoya hatte im April 2006 das Kommando über die Streitkräfte übernommen. Seitdem erzielten die Truppen wichtige Siege gegen die linksgerichteten Rebellen der FARC. Montoya gilt auch als Architekt der gewaltlosen Befreiung von Ingrid Betancourt Anfang Juli.
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