Run auf Wahllokale
Furcht vor Sabotage lässt “Early Voting” boomen
Steuert das High-Tech-Land USA acht Jahre nach dem Wahl-Desaster in Florida, als es Wochen dauerte, bis schließlich die Gerichte George W. Bush zum Wahlsieger kürten, wieder auf eine Blamage zu? Die Gefahren, die lauern, sind mannigfaltig: Da gibt es das Problem, dass Wähler nicht in den Wählerlisten stehen, obwohl sie sich ordnungsgemäß registriert haben. So berichten etwa viele Schwarze von ihrer Furcht, praktisch in letzter Minute um den Sieg gebracht zu werden, indem sie nicht an die Urne dürfen.
Viele stimmten daher bereits als Frühwähler („Early Voting“) ab. Doch auch da gab es lange Schlangen vor den Wahllokalen, TV-Sender berichten, besonders in den Bundesstaaten Florida und Ohio waren fünf Stunden Wartezeit keine Seltenheit. CNN habe eine Hotline eingerichtet, bei der sich Wähler melden können, wenn etwas aus dem Ruder läuft; über 20.000 hatten sich bis Sonntag gemeldet.
Als besonders gefährdet gelte Ohio, heißt es, und hier seien es die „vorläufigen Stimmabgaben“, die Kopfzerbrechen bereiten. Solcherart „vorläufige Stimmabgaben“ gibt es, wenn etwa die Identität oder die Registrierung eines Wählers nicht sofort zweifelsfrei geklärt werden kann. „Sie sind die Achillesferse unseres Wahlsystems“, kritisiert Edward B. Foley von der Universität Ohio. Es handle sich um Stimmen, die erst nach der Wahl gezählt werden, noch dazu können sie leicht für ungültig erklärt werden. „Bei einem knappen Rennen ist das der Punkt, an dem die Anwälte ansetzen, wenn sie das Ergebnis anzweifeln wollen.“ Mehrere tausend Anwalte hätten beide Seiten bereits mobilisiert, berichten US-Medien. Der Republikaner McCain bezeichnet die Organisation Acorn, die Wähler beim Registrieren hilft und in Unregelmäßigkeiten verwickelt sein soll, bereits als „kriminelles Unternehmen“ - kein gutes Omen.
Bereits 29 Millionen Bürger haben ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltag abgegeben. Sie nutzten die Möglichkeit in 30 der 50 US-Staaten, schon vor Öffnung der Wahllokale am Dienstag zu wählen. Die hohe Beteiligung wurde als Vorteil für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama betrachtet. Insgesamt wahlberechtigt sind am Dienstag 213 Millionen US-Bürger. Vor allem Obama rief seine Anhänger dazu auf, früher wählen zu gehen. „Ihr Auto könnte den Geist aufgeben, es könnte einen Notfall geben.“ Jede Stimme sei wichtig.
Auf den ersten Blick steht zwar für Obama alles bestens: Alle nationalen Umfragen sehen ihn ausnahmslos vorn, zudem liegt der schwarze Senator in acht der „Battleground“-Staaten, die bisher als Hochburgen der Republikaner galten, in Führung. Soweit kann das Lager der Demokraten mit Optimismus in die Abstimmung gehen. Doch da sind eben jene rund vier bis sechs Prozent der Wähler, die (angeblich) noch nicht wissen, wo sie ihr Kreuz machen wollen. Im Klartext: Sie sind in den Schlüsselstaaten das Zünglein an der Waage. Zu welcher Seite sie tendieren, lasse sich mit Sicherheit nicht vorausschauen. „Die Stimmen der Unentschlossenen vorauszusagen, ist dieses Jahr ungewöhnlich schwierig“, meint die „Washington Post“. Nur eines ist sicher: Es könnte knapp werden am Dienstag - und dann drohe wieder „die Stunde der Anwälte“...
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