Wahlkampf-Finale

140.000 bei “Rockstar” Obama

Ausland
04.11.2008 12:15
Im US-Wahlkampf ist der Endspurt angebrochen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama will nach zwei Kundgebungen vor 140.000 begeisterten Fans am Sonntag in Ohio (siehe Foto mit Gastspieler Bruce Springsteen oben) noch in drei Bundesstaaten Auftritte absolvieren und die Massen für sich mobilisieren. Zugleich muss der US-Senator eine Familienangelegenheit in den US-Medien ins rechte Licht rücken: Seine aus Kenia stammende Tante lebt seit Jahren illegal in den USA. Trotz eines 2004 abgelehnten Asylantrags blieb Zeituni Onyango im Land. Obama will davon nichts gewusst haben.

Gegenüber dem US-Sender CBS sagte er, dass seine "Tante Zeituni" Onyango, wie er sie in seiner Biografie nennt, ausgewiesen werden solle, wenn sie sich illegal im Land aufhalte. Seine Sorge um die Schwester seines kenianischen Vaters werde so zwar nicht nachlassen, aber er glaube daran, dass das Gesetz befolgt werden müsse.

"Tantchen Zeituni" lebt in Sozialwohnung
Die 56-Jährige, die Obama in seiner Autobiografie "Tantchen Zeituni" nennt, soll in einer Sozialwohnung in Boston im US-Staat Massachusetts leben. Onyangos Weigerung, das Land zu verlassen, ist ein Verstoß gegen das Einwanderungsgesetz. Derartige Vergehen werden aber für gewöhnlich nicht strafrechtlich verfolgt. Schätzungen zufolge leben mehr als zehn Millionen solcher Immigranten ohne Erlaubnis in den Vereinigten Staaten.

Bruce Springsteen rockt Obama
Unterdessen geht der US-Wahlkampf in die Finalrunde. Am Sonntag hat Barack Obama noch einmal die Massen angezogen. Zu zwei Kundgebungen in Ohio kamen insgesamt 140.000 Menschen. Außerdem gingen mehr als 10.000 Freiwillige in Ohio von Haus zu Haus, um Wähler für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu mobilisieren.

"Die Menge wird immer größer, und jeder hat ein Lächeln im Gesicht", sagte Obama am Sonntag vor 80.000 Zuhörern in Cleveland. "Da könnte man anfangen, daran zu glauben, dass wir am 4. November eine Wahl gewinnen können." In Cleveland trat Obama an der Seite des Sängers Bruce Springsteen (siehe Bilder in der Infobox) auf. Zuvor waren rund 60.000 Menschen zu einer Kundgebung in Columbus gekommen.

Es sei an der Zeit, sich an die Seite Obamas zu stellen, sagte Springsteen. Der Rockstar würdigte vor allem Obamas Anstrengungen, in den USA "ein Haus zu bauen, das groß genug für all unsere Träume ist". Unter ohrenbetäubendem Beifall rief er: "Ich will mein Land, meinen Traum, mein Amerika zurück".

Vielen Zuschauern standen Tränen in den Augen, als Springsteen "The Rising" anstimmte. In dem Song verarbeitete der Musiker Eindrücke des 11. September. Er wird immer kurz vor Wahlkampfauftritten Obamas gespielt. Springsteen hatte sich vor vier Jahren mit seiner Unterstützung für den Demokraten John Kerry erstmals in einen US-Wahlkampf eingeschaltet. 

Obama bereist drei Staaten an einem Tag
Zum Wahlkampfabschluss am Montag wird Obama in drei Staaten erwartet, die 2004 mehrheitlich den Republikaner George W. Bush gewählt hatten: Florida, North Carolina und Virginia. Florida und Virginia stehen auch auf dem Programm des republikanischen Kandidaten John McCain, außerdem auch noch Indiana, New Mexico und Nevada. Den Wahltag will McCain in seinem Heimatstaat Arizona verbringen. Seine Berater wiesen am Sonntag darauf hin, dass McCain schon oft aufgegeben worden sei und dann doch noch gesiegt habe. "Die Leute haben sich schon oft in ihm getäuscht", sagte der frühere Senator Fred Thompson.

Obama hat die Nase vorn
In den landesweiten Umfragen hat Obama einen Vorsprung von sieben bis acht Prozentpunkten. In der entscheidenden Addition der Einzelstaaten hat Obama gute Chancen, die erforderliche Mindestzahl von 270 der insgesamt 538 zu vergebenden Wahlmännerstimmen zu erreichen. Er gilt als Favorit auf die Mehrheit in allen denjenigen Staaten, bei denen es vor vier Jahren mit John Kerry eine Mehrheit für die Demokraten gab. Dies würde Obama 251 Stimmen sichern. Außerdem führt er in mehreren Staaten, die vor vier Jahren eine republikanische Mehrheit hatten. McCain wiederum hofft auf einen Sieg in Pennsylvania, wo vor vier Jahren der Demokrat Kerry nur knapp gewonnen hatte. Wenn McCain in Pennsylvania verliert und auch in Ohio, Florida oder Virginia die Mehrheit verfehlen würde, hätte er kaum eine Chance auf den Wahlsieg.

Hillary als "Republikaner-Testimonial"
In der Schlussphase des Wahlkampfs schalteten die Republikaner am Sonntag in Pennsylvania automatische Telefonanrufe mit einem Zitat von Hillary Clinton aus dem Vorwahlkampf über Obamas geringe politische Erfahrung. Nur sie und McCain seien angesichts der Bedrohungen von außen in der Lage, die USA zu führen, sagte die damalige innerparteiliche Rivalin Obamas. Clinton verwahrte sich dagegen, dass McCain ihre Äußerungen verwendet. Das sei in keiner Weise zu billigen, sagte eine Sprecherin der Senatorin.

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